Fr., 10.11.2017

Künstler Bernard Langerock stellt Fotografien im Museum für Lackkunst aus Sehen mit den Augen des Lacks

Diese Fotografie ist in einem Tempel im chinesischen Chengdu entstanden.

Diese Fotografie ist in einem Tempel im chinesischen Chengdu entstanden. Foto: Lackkunstmuseum

Münster - 

Der Lack reflektiert die Welt auf seine Weise. Mal farbig getönt, mal verschwommen, mal brüchig. Genau mit dieser Perspektive spielt Bernard Langerock. Der Fotograf will nicht festhalten, wie er die Umgebung wahrnimmt. Er fotografiert, wie das Objekt die Umgebung wahrnimmt. Eine Auswahl seiner Werke zeigt das Museum für Lackkunst ab dem 12. November in der Sonderausstellung „Das Auge der Objekte. Fotografien und Formen in chinesischem Lack“.

Von Mareike Katerkamp

Alle der 30 ausgestellten Werke sind in China entstanden, viele davon in Klöstern oder Tempeln. Ein Stipendium führte den Künstler Bernard Langerock vor fünf Jahren in das Land, dabei entdeckte er seine Faszination für lackierte Flächen. Es ist vor allem die Tiefenwirkung des Lackes, die ihn begeistert. Diese entsteht durch das mehrschichtige Auftragen; denn Langerock sieht sich nicht nur als Fotograf. „Ich fotografiere wie ein Maler“, sagt der gebürtige Belgier vor Journalisten in Münster. Langerock will seinen Fotos damit Struktur geben: „Ich fotografiere die Dinge so, wie sie sich anfühlen“, sagt er. Erst die Spiegelung macht die Dinge für ihn lebendig. Damit führt der Künstler die Betrachter seiner Werke schnell in die Irre. Mit den verschwommenen Tönen und eindrucksvollen Farben wirken viele der Aufnahmen wie ein Produkt der Malerei, nicht der Fotografie.

Auch das Material ist besonders gewählt. Die Bilder wurden nicht auf einfaches Fotopapier gedruckt, sondern auf lackierte Aluminiumplatten. Welche Objekte sich in den Lacken spiegeln, zeigt sich – wenn überhaupt – meist erst auf den zweiten Blick. Eindrucksvoll eingefangen hat Langerock etwa eine Szene in einer Galerie in Peking, in der die Besucher über den neu lackierten Boden laufen. Langerock zeigt die Spiegelung dieser Momentaufnahme – und stellt die Wirklichkeit damit auf den Kopf.

Die Ausstellung habe durchaus auch eine politische Komponente, erläutert der Fotograf. Die dargestellten Brüche im Lack zum Beispiel. Auch in China finde ein evolutionärer Prozess statt, der zu feineren Brüchen in der Gesellschaft führe. Doch gleichzeitig ist ihm auch wichtig, dass seine Fotografien von sich aus wirken. „Jeder sieht ein Bild anders“, weiß Langerock. Und damit verbirgt sich hinter jedem Werk eine ganz eigene Geschichte.

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Die Sonderausstellung ist vom 12. November bis zum 18. Februar zu sehen.



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