Di., 14.11.2017

Mensch gegen Maschine Blitzer am Hohenzollernring: Amtsgericht ordnet Gutachten an

 

  Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Die Fahrerin sagt, sie sei bei Grün gefahren. Die Messdaten der Stadt widerlegen das. Wieder einmal steht die Blitzanlage am Hohenzollernring im Zentrum eines Gerichtsverfahrens.

Von Björn Meyer

Vor dem Amtsgericht ist am Dienstagmorgen ein Fall verhandelt worden, bei dem eine Autofahrerin aus Horstmar Einspruch gegen einen ihr zur Last gelegten Rotlichtverstoß an der Kreuzung Hohen­zollernring/Warendorfer Straße eingelegt hatte. Ihr wird vorgeworfen, rund 40 Sekunden nachdem die Ring-Ampel Richtung Norden auf Rot geschaltet hatte, in die Kreuzung eingefahren zu sein.

Technisches oder menschliches Versagen?

Aus städtischer Sicht kein Einzelfall: Immer wieder gerät der Verkehr vom Ring und aus der Warendorfer Straße stadteinwärts zeitgleich in die Kreuzung. Technisches oder menschliches Versagen? Die Meinungen dazu gingen vor Gericht auseinander.

Das Ehepaar: Die Fahrerin und ihr Ehemann, der als Beifahrer in dem Wagen saß, gaben unisono an, erst losgefahren zu sein, als die Ampel für die Geradeaus-Spur auf Grün geschaltet habe. „Ich bin mir da absolut sicher“, sagte der als Zeuge geladene 65-Jährige sogar unter Eid aus, nachdem ihn der vorsitzende Richter mehrfach darauf hingewiesen hatte, dass ein Gutachten, das möglicherweise zu einem anderen Ergebnis komme, ein Strafverfahren nach sich ziehen könnte.

 Die Stadt: Die der Verwaltung vorliegenden Messdaten sprechen dagegen. 40 Sekunden nach dem Umschalten auf Rot – das ist genau die Zeitspanne, bei der die Rechtsabbiegerspur Grünlicht bekommt. Man habe das regelmäßig, sagte eine vom Gericht geladene Vertreterin der Stadt im Gespräch mit unserer Zeitung. Immer wieder würden sich Autofahrer der mittleren Spur von den Rechtsabbiegern mitziehen lassen. Ein sogenannter Vorblitz, dessen Auslösen 20 Euro kosten könnte, aber in Münster nicht geahndet werde, mache viele, aber eben nicht alle Fahrer rechtzeitig auf ihr Fehlverhalten aufmerksam.

►Der Richter: War hörbar nicht von der Version des Ehepaars überzeugt. Dennoch setzte er das Verfahren aus und gab ein Gutachten in Auftrag: „Obwohl ich das nicht muss“, stellte er klar. Dabei vergaß er nicht zu erwähnen, dass er für die Blitzanlage schon mehrfach Gutachten in Auftrag gegeben habe. Jedes Mal habe das Ergebnis am Ende gestanden, dass dem Autofahrer ein Fehler unterlaufen sei.

► Der Anwalt des Ehepaars zeigte sich verärgert, dass das Gericht von ihm benannte Zeugen, die Ähnliches an der Ampel erlebt hätten, nicht geladen hatte. Er kritisierte das Vertrauen in Technik: „Auch die kann fehlerhaft sein.“

Ein Kommentar zum Thema

In der Diskussion um die Blitzeranlage am Hohenzollernring darf nicht nur schwarz und weiß, oder hier passenderweise rot und grün gedacht werden. Denn abgesehen davon, ob im am Amtsgericht verhandelten Fall menschliches oder technisches Versagen ausschlaggebend war – entscheidender als die Ursache ist das Ergebnis: Immer wieder geraten Autofahrer in die Kreuzung, die für sie gar nicht freigegeben ist.

Ohne Frage hat die Stadt an der Ampel schon viel getan. Das gesonderte Grün für die Rechtsabbieger erfüllt genauso seinen Zweck wie der Vorblitz für die geradeaus führende Spur.

Die Blitzerfotos der Stadt zeigen aber auch, das räumt die Verwaltung selber ein, dass immer noch regelmäßig kritische Situationen durch den Mitzieh-Effekt entstehen. Weitere Lösungen sind daher erforderlich. Die mögen schwierig sein – oder auch ganz einfach, wie die vorhandenen Lichtzeichenanlagen näher zusammenzulegen. - Björn Meyer

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