Di., 14.11.2017

Mit Video WM-Aus für Italien: „Schwer unter Schock“

Daumen nach unten für die italienische Nationalelf: Leonardo Lorecchio (50), Inhaber des Restaurants Trattoria Adria und Ex-Fußballer, steht nach dem vorzeitigem WM-Aus „unter Schock“. Die Trikolore verschwindet jetzt erst einmal im Keller.

Daumen nach unten für die italienische Nationalelf: Leonardo Lorecchio (50), Inhaber des Restaurants Trattoria Adria und Ex-Fußballer, steht nach dem vorzeitigem WM-Aus „unter Schock“. Die Trikolore verschwindet jetzt erst einmal im Keller. Foto: hpe

Münster - 

Leonardo Lorecchio, Gastronom („Trattoria Adria“) und Ex-Fußballstürmer aus Münster, trauert um das vorzeitige Aus seiner italienischen Nationalelf. Auch am Morgen nach dem Schweden-Desaster stehe er noch „schwer unter Schock“.

Von Helmut P. Etzkorn

Eine Pizza „End­stationi“ hat Leonardo Lo­recchio zwar gestern in seinem Restaurant an der Kanalstraße nicht gebacken, trotzdem sieht man ihm die Trauer noch an: Am Morgen nach dem sensationellen WM-Aus der italienischen Nationalmannschaft in der Playoff-Quali gegen Schweden hat der 50-Jährige nicht nur schlecht geschlafen, er steht „schwer unter Schock“.

Bis zur 70. Minute habe er noch gehofft, dann schon nicht mehr mit dem dringend erforderlichen Heimsieg des vierfachen Weltmeisters gerechnet.

Erst in fünf Jahren könne man wieder von einer Teilnahme an der Weltmeisterschaft träumen, „so etwas ist uns in den letzten 60 Jahren nicht passiert“, meint Lo­recchio. Und zieht einen ­Vergleich: „Das wäre so, als würde es vier Jahre lang ­keine italienische Gastronomie in Münster geben. Unvorstellbar!“

Natürlich haben auch die Gäste in seiner Trattoria ­Adria kein anderes Thema, ziehen Vergleiche zu den ebenfalls daheim bleibenden Holländern und zeigen dem trauernden Restaurantchef nicht immer das nötige Mitgefühl. „Jeder muss jetzt mit seinem Messer noch in meine Wunde stechen, schlimm, schlimm“, meint Lorecchio mit einem Augenzwinkern.

Für ihn ist „einzig und ­allein“ der Trainer schuld an der nationalen Kicker-Katastrophe. „Er hat dem Team nicht die Gelassenheit übermitteln können, die für so ein Endspiel nötig ist. Sie waren einfach zu nervös gegen Schweden“, sagt er. Und hofft auf eine schnelle Rückkehr von Ex-Nationalcoach Antonio Conte.

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Und Locecchio weiß, wovon er spricht. In 328 Spielen hat er für Preußen II, Wacker Mecklenbeck, Münster 08 und TUS Freckenhorst 500 Tore erzielt, ein Stürmer-Rekord im Fußballkreis Münster. In einem Buch hat er alle Treffer notiert. ­„Zahlen haben mich immer schon fasziniert. Aus Spaß habe ich begonnen, alle Tore zu notieren. Und das ist so geblieben“, so der Ex-Fußballer. Ein dicker Ordner mit Zeitungsausschnitten zeugt vom sportlichen Erfolg.

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Als Juventus, wo auch sein Bruder einmal spielte, vor zwei Jahren das Champions-League-Endspiel gegen Ma­drid mit 1:4 verloren hatte, wurde in der Familie zwei Wochen getrauert. „Jetzt wird es vier Wochen dauern, bis wieder der Normal­zustand erreicht ist“, meint Lorecchio. Ob er sich denn trotzdem im kommenden Jahr die TV-Übertragungen von der Weltmeisterschaft aus Moskau anschauen wird? „Ganz bestimmt nicht. Höchstens das Finale – und auch dann nur, wenn Deutschland gegen Brasilien spielt“, sagt er.

Aber „Ciao Italia“ hat zumindest etwas Gutes: „Sonst habe ich alle vier Jahre für meine Restaurant ein neues Fernsehgerät kaufen müssen, weil viele Fans hier die WM geschaut haben. Das Geld kann ich mir 2018 ­sparen“, grinst Lorecchio.



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