Mo., 04.12.2017

Eko Supriyanto bot Tänze aus Java im Pumpenhaus Diabolisch und unberechenbar

Eko Supriyanto ist in dieser Szene der Produktion „Salt“ versunken in sein weißes Tutu.

Eko Supriyanto ist in dieser Szene der Produktion „Salt“ versunken in sein weißes Tutu. Foto: Witjak Wifhi Cahya

Münster - 

Die Bühne ist dunkel. Schrille Geigenklänge tönen aus dem Off wie animalische Schreie, während an der Bühnenseite, im Dämmerlicht ein nackter Tänzerrücken erscheint. Die gespreizten Finger an die Schläfen haltend, dehnt er sich zur Seite, lässt den Körper vibrieren, bis die Dunkelheit ihn wieder völlig verschluckt.

Von Isabell Steinböck

„Salt“ ist der Titel dieses Solostücks, das der indonesische Tänzer-Choreograph Eko Supriyanto im Pumpenhaus zur Aufführung brachte. Der Titel verweist auf die geografischen Wurzeln dieses international engagierten Künstlers, auf Einsamkeit und Weite eines Insellebens, das seinen ganz eigenen Rhythmus hat.

Im Zusammenspiel mit atmosphärischer Musik, Jan Maertens kunstvoller Lichtregie und langsamen, javanesischen Tanzbewegungen versteht es Eko Supriyanto, eine spannungsvolle, naturverbundene Atmosphäre zu vermitteln. Mal hockt der Tänzer im Dämmerlicht auf dem Bühnenboden, versunken in ein weißes Tutu und sich langsam seitwärts bewegend wie ein Krebs, mal erinnert er an einen Dämon oder an eine hinduistische Gottheit.

Diabolisch und unberechenbar wirkt diese Figur, wenn sie weiße Blütenblätter aus dem Staub aufliest und in den Mund stopft, die Zunge herausgestreckt und kauend wie ein Tier. Mit seinen weit aufgerissenen Augen wirkt das Gesicht wie eine albtraumhafte Fratze.

Eko Supriyanto verfügt über eine bemerkenswerte Bühnenpräsenz, mit der er traditionellen Tanz auf konzentrierte Weise zum Ausdruck bringt. Wenn er mit seinen Füßen in Staub steht, durch die Bewegung weiße Spuren auf den schwarzen Bühnenboden zeichnet oder schnörkellose Kreise zieht, werden Lebenswege plastisch. Bedrohlich wirken dagegen Momente, in denen er mit geballten Fäusten auftritt und sich in seinem Körper eine Energie zu sammeln scheint, die nur gewaltsam zurückgehalten werden kann. Eko Supriyanto eröffnet die ganze Bandbreite eines Menschenlebens, rückt seine Schutzlosigkeit wie auch destruktive Kräfte ins Rampenlicht, um dann wie in Trance auf ein unbekanntes Ziel zuzusteuern. Dass es ihm dabei gelingt, traditionellen Tanz zeitgenössisch zu inszenieren, hat Seltenheitswert – großer Applaus.



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