Mi., 06.12.2017

Der Film „Alle Jahre wieder“ läuft wieder Obligatorisches Leckerli

Der Film „Alle Jahre wieder“ läuft wieder – im Schlosstheater, wo Christian Tenfelde treue Fans begrüßen kann.

Der Film „Alle Jahre wieder“ läuft wieder – im Schlosstheater, wo Christian Tenfelde treue Fans begrüßen kann. Foto: wam

Münster - 

„Ein Film, den es nicht alle Jahre gibt!“, verheißt der Untertitel des Original-Plakats aus dem Jahre 1967. Doch was vor 50 Jahren eher augenzwinkernd gemeint war, gilt heute umso weniger: Ulrich Schamonis „Alle Jahre wieder“ stellt im Adventskalender der Münsteraner ein längst obligatorisches Leckerli dar: Es ist ein Kultstreifen mit treuer Fan-Gemeinde. Dass ein Film, der durchritualisiertes Alltagsleben karikiert, selbst zyklisch zelebriert wird, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

Von Wolfgang A. Müller

„Der Film gehört für viele zum Weihnachtsprogramm wie ‚Dinner For One‘ zu Silvester“, bemerkt Christian Tenfelde, Leiter des Kinos Schlosstheater. Seit 20 Jahren zeigt hier der Filmclub der Filmwerkstatt Münster das satirisch aufgeladene Sittenbild westfälischer Provinz und kleinbürgerlicher Befindlichkeit. Der mehrfach ausgezeichnete „ultimative Münster-Film“, so Filmwerkstatt-Geschäftsführer Winfried Bettmer, war seinerzeit „eher aus dem Sichtfeld geraten“, bis ein Treffen mit den Brüdern Ulrich und Peter Schamoni auf dem münsterischen Filmfestival seine bemerkenswerte Renaissance einleitete.

Wie die Schamonis und Hauptdarsteller Hans Dieter Schwarze hat auch ihr Protagonist, der Werbetexter Hannes, seine Jugend in der Domstadt verbracht. Zu Weihnachten kehrt er regelmäßig zu Familie und Frau, von der er getrennt lebt, zurück. Ein Ritual, dem weitere, in der alten Heimat bis zum Stumpfsinn konservierte folgen: Besäufnis mit alten Klassen- und Kriegskameraden, Krippenspiel, Tanzschulball. Gerade die quasi-dokumentarische Dreharbeit vermittelt dabei immer wunderbar zwischen Milieuzeichnung und Karikatur. Ein „Heimatfilm“ – aber mit viel Selbstironie: „Die Personen sind auch in ihrem Elend noch liebevoll gezeichnet“, unterstreicht Winfried Bettmer.

„Der Film vermittelt mir immer wieder das Gefühl: Das ist eine enge Welt gewesen“, sagt eine Kinobesucherin, die die 1960er Jahre in Münster als eigensinniger Twen erlebt hat. „Alle Jahre wieder“ frischt ihre Erinnerungen an dieses Lebensgefühl auf. Zwei jüngere Frauen im Publikum beschäftigt derweil das im Film abgebildete Verhältnis der Geschlechter, die Qualität der Schnittfolgen – und die Vermutung, dass einiges der skizzierten Mentalitäten immer noch durchaus aktuell ist. Im Zweifel gelten die trockenen Kommentare des Musiklehrers Dr. Bierbaum im Film, die geflügelte Worte wurden: „Entweder es regnet hier, oder die Glocken läuten. Oder es wird mal wieder ’ne Kneipe eröffnet.“

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Weitere Termine: am 10. (11 Uhr), 11. (19 Uhr), 17. (11 Uhr), 18. (19 Uhr), 25. (12.30 Uhr) und 26. Dezember (11 Uhr) im Schlosstheater, Melchersstraße.



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