Mi., 06.12.2017

Dortmund-Ems-Kanal Kritische Vermutung widerlegt: Keine Vier-Tage-Woche beim Kanalausbau

Aktuell werden von einer Stahlbaufirma aus Magdeburg die einzelnen Elemente für die neue Laerer-Landweg-.Brücke auf einer Baustelle am Ufer zusammengebaut. Die Arbeiter machen freitags früher Schluss, weil sie einen weiten Heimweg haben.

Aktuell werden von einer Stahlbaufirma aus Magdeburg die einzelnen Elemente für die neue Laerer-Landweg-.Brücke auf einer Baustelle am Ufer zusammengebaut. Die Arbeiter machen freitags früher Schluss, weil sie einen weiten Heimweg haben. Foto: hpe

Münster - 

Der Ausbau des Dortmund-Ems-Kanals verzögert sich um weitere vier Jahre. Und viele, die regelmäßig an der Kanalpromenade spazieren gehen, wollen einen Grund für die lange Bauzeit ausgemacht haben. Nur von Montag bis Donnerstag würden Arbeiter gesichtet, dann gebe es regelmäßig ein „langes Wochenende“, so die Beobachter.

Von Helmut Etzkorn

Dem Eindruck der Vier-Tage-Woche beim Kanalbau widerspricht Projektleiter Heinz-Jakob Thyßen vom Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) in Rheine. „Ganz im Gegenteil, manchmal sind die Arbeiter auch am Samstag aktiv, wenn dies im Bauzeitenplan notwendig ist“, so Thyßen.

Ausnahmen gebe es allerdings. Die Stahlbauer beispielsweise, die aktuell mit dem Neubau der Laerer Landweg-Brücke beschäftigt sind, kommen aus Magdeburg. Um nicht in den Wochenend-Berufsverkehr zu geraten, werde dann schon mal bereits am Donnerstag oder Freitag zeitig am Vormittag Feierabend gemacht, so der WSA-Sprecher. Zum Ausgleich würden diese Firmen auch schon mal bis 18 oder 19 Uhr in der Woche arbeiten.

Nicht genug Personal für die Bauausführung

Weil die Behörde aktuell nicht genug Personal für die Bauausführung und Planung hat, verzögert sich der Gesamtausbau der Kanal-Stadtstrecke Münster um knapp vier Jahre auf 2026. Stadtverwaltung und Politik reagierten mit Unverständnis auf eine entsprechende Mitteilung aus Rheine, die vor zwei Wochen bekannt wurde. Ursprünglich sollten die Arbeiten bis Ende 2022 abgeschlossen sein.

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Im kommenden Jahr soll allerdings die Laerer Landweg-Brücke wie geplant fertig sein, es folgen bis 2020 die WLE-Brücke und die Kanalbrücke Wolbecker Straße.

Kritik am Kanalausbau

Erneut Kritik am Sinn des Kanalausbaus gibt es von Prof. Dr. Johannes Schwanitz vom Institut für technische Betriebswirtschaft an der Fachhochschule Münster. Für Schwanitz geht das Projekt „völlig an der logistischen Realität vorbei“ und sei eine reine Verschwendung von Steuergeldern in Höhe von 400 Millionen Euro. Deshalb würde sich auch keiner der betroffenen Betriebe entlang des Kanals über die erneuten Verzögerungen beschweren.

Schwanitz: „Es gibt de facto keinen Bedarf an Großmotorschiffen, die eine große Menge Schüttgüter an die rund 36 kleinen Entlade-Stationen entlang des Kanals verteilen. Das können die aktuell 40 Schiffe, die den Kanal täglich befahren, ohne Probleme schon heute leisten.“ Laut Schwanitz sei in der Prognose sogar von rückläufigen Güterströmen auszugehen, auch werde die aktuelle Kapazität „bei Weitem nicht ausgeschöpft“.



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