Fr., 15.12.2017

Konzert zum Ausklang des Luther-Jahres „Lass’ uns nicht versinken“

Der Hochschulchor unter Marion Wood

Der Hochschulchor unter Marion Wood Foto: Günter Moseler

Münster - 

Streitbar und strittig – bis heute: Martin Luther. Zum Reformationsjubiläums hatte die Musikhochschule „Zum Ausklang des Martin-Luther-Jahres“ ein Konzert initiiert, das die von Luther geschätzte „musica practica“ aufs Schönste präsentierte.

Von Günter Moseler

Es begann mit der Motette „Non moriar, sed vivam“ von Ludwig Senfl, deren polyphone Linienführung und trostreiche Textdeutung vom Hochschulchor unter Marion Wood mild gesungen wurde. Johann Walters Choral-Vertonung der Luther-Texte „Eine feste Burg ist unser Gott“ sowie „Christ lag in Todesbanden“ ließen die protestantische Zähigkeit in Glaubensfragen schier unüberhörbar werden.

Luther sah sich als Mann der Zukunft. Die Uraufführung (!) dreier Lieder von Winfried Michel (Jahrgang 1948) auf Texte aus Luthers „Tischreden“ nahmen Luthers Spur in die Zukunft auf. Eine tastende, tonal angelehnte Musik, deren zerklüftete Gesangslinie im freien Fall zwischen ausgedehnten Pausen doch nie ihren Ariadnefaden verlor. Ines Krome sang ihren Part souverän und verlieh ihm jene Dichte, die Glaubens- und Lebenswelt kategorisch in eins sich denkt. Der trotz kleiner Klangeffekte eher konventionelle Klavierpart wurde von Clemens Rave mit Finesse ausgespielt.

Schwarzen Pädagogen-Humor spendierten Auszüge aus Martin Agricolas „Musica instrumentalis Deudsch“ (1528/45) von Matthias Pannes genussvoll rezitiert: „Wolltest Knäblein, nicht ... /erlernen gute Kunst und Tugend / So bleib ein Esel nun fortan / wie du Narr hast gefangen an.“ Ein Oratorien- und Blockflötenensemble intonierte Praetorius‘ „Christ unser Herr zum Jordan kam“ mit konzentriertem Elan, bevor Gudula Rosas langer Atem auf der Blockflöte durch Jacob van Eycks strapaziöse Figural-Variationen über „Onse Vader in Hemelryk“ tanzte. Michels Vertonung „Mitten“ für Sopran und Streichtrio beschloss den Abend: Zerbrechliche Klangschollen, über deren gefahrvolle Reibungen Heide Bertram ihren klangschönen Sopran manövrierte. Ihr Gesang fieberte übers geräuschvolle Kreischen ins Schluchzen bis in absolute Stille hinein: „Du ewiger Gott / lass’ uns nicht versinken / in des bitteren Todes Not“.



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