Di., 02.01.2018

Tierische Landschaftspfleger Heckrinder pflegen Landschaft

Ein Kalb bei der Fellpflege. Zurzeit gibt es viel Nachwuchs in den beiden Herden in den Rieselfeldern.

Ein Kalb bei der Fellpflege. Zurzeit gibt es viel Nachwuchs in den beiden Herden in den Rieselfeldern. Foto: kaj

Münster-Coerde - 

1994 kamen die ersten Heckrinder in die Rieselfelder. Sie sind kein Selbstzweck, sondern haben eine wichtige Aufgabe: Sie halten die Landschaft des Naturschutzgebiets offen.

Von Katrin Jünemann

Demnächst sind noch Mal die Cowboys im Einsatz: Jedes Jahr müssen die Heckrinder in den Rieselfeldern eine Blutprobe abgeben, damit untersucht werden kann, ob die Herden gesund sind. Getestet wird auf das Bovine Herpesvirus, erklärt Dr. Hans-Uwe Schütz von der Biologischen Station.

Es gibt zwei Herden auf zwei Flächen: Die Leitbullen sind Bruno und Emil. Die Anfangsbuchstaben ihrer Namen lassen erkennen, dass sie nicht aus den Rieselfeldern stammen. Denn alle Heckrinder, die dort geboren sind, tragen eine Namen, der mit „R“ anfängt: So heißen die Töchter von Rosa zum Beispiel Rosarot und Rös­chen.

Eine Rieselie gibt es auch und sogar eine Rudolfia: Zwei Tage nach ihrer Geburt, als niemand so ganz nah dran kam, wirkte sie noch wie ein Rudolf. Das änderte sich bald, so erhielt sie ihren ein wenig ungewöhnlichen Namen.

Zur Blutabnahme werden die Rinder nacheinander in die Fanganlage getrieben. Einfach ist das nicht: „Man muss sie erst mal reinkriegen. Sie wissen ganz genau, wenn es zur Sache geht“, sagt Schütz, der froh ist, wenn die ganze Angelegenheit über die Bühne ist. Denn die Rinder sind alles andere als handzahm und wiegen auch einiges.

Ein Teil der Rinder ist schon erfasst, aber etliche fehlen noch auf der Liste. Nur im Winter, wenn es kalt ist, lassen sich die Rinder einfangen, denn an der Fanganlage gibt es Futter. Sitzen sie dort fest, kann der Tierarzt die Spritze aufziehen.

Angelockt werden die Rinder zum Beispiel mit Rübenmelasse: Das gibt es sonst nie. Und im Sommer steht auf den Weiden genug, da lassen sie sich in der Nähe der Fanganlage höchstens zufällig blicken. Im Winter indes wird zugefüttert: Alle zwei bis drei Tage ein Rundballen Heu beziehungsweise Silage von eigenen Flächen.

Heckrinder eigneten sich für die Rieselfelder, weil sie Nässe gut vertrügen, erklärt Uwe Schütz. „Heckrinder sind weniger anfällig für Hufkrankheiten und sehr robust.“ Die ersten Rinder standen auf Flächen an der westlichen Seite der Coermühle, zwischen Wöstebach und der Biologischen Station, die heute unter Wasser stehen. Zur Unterhaltung der Herde habe sich seinerzeit auch der Freundes- und Förderkreis der Rieselfelder gegründet, berichtet Schütz.

Heute befinden sich die 39 Rinder verteilt auf zwei Flächen im Naturerlebnisgebiet östlich der Coermühle.

Demnächst sollen sie auf drei Flächen verteilt werden. Sobald klar ist, dass die dritte, für die Rinder vorgesehene Fläche frei vom Jakobs-Greis-Kraut (Jakobs-Kreuz-Kraut) ist: eine für Rinder potenziell – je nach Dosis – tödliche Pflanze. Fast sechs Jahre habe das gedauert, sagt Uwe Schütz. Denn gespritzt wird nicht im Naturschutzgebiet.

Also hieß es, regelmäßig vor der Blüte mähen und immer wieder über die Fläche gehen, ausstechen. Die Fläche konnte in dieser Zeit nicht genutzt werden: weder als Weide, noch zur Heu-Gewinnung.

Die jungen Bullen werden in den Rieselfeldern etwa zwei Jahre alt. Dann müssen sie die Herde verlassen, damit es keinen Stress mit dem Leitbullen gibt. Entweder werden sie in andere Herden zur Auffrischung des Bestands vermittelt oder sie werden geschlachtet. Da haben es die Kühe zweifellos besser: Die älteste Kuh ist momentan 13 Jahre alt.



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