Di., 02.01.2018

Unruhen in der Heimat Münsteraner Saeed Samar verfolgt mit Sorge Ereignisse im Iran

Saeed Samar zeigt ein Foto, das ihm ein Bruder aus der iranischen Heimat zugeschickt hat. Der Bruder beteiligt sich an den Protesten.

Saeed Samar zeigt ein Foto, das ihm ein Bruder aus der iranischen Heimat zugeschickt hat. Der Bruder beteiligt sich an den Protesten. Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Der Politologe Saeed Samar lebt seit 38 Jahren in Münster – und ist hier zu Hause. Die zugespitzte Lage im Iran, seiner alten Heimat, treibt ihn in diesen Tagen stark um.

Von Karin Völker

Es ist jetzt fast 38 Jahre her, dass Saeed Samar seine Heimatstadt Schiras im Süden des Iran verlassen hat, um in Münster zu studieren. Er hat sich seither nicht wieder dorthin getraut – der politischen Verhältnisse wegen.

Seit dem Jahreswechsel sitzt der 59-jährige Politologe fast pausenlos vor dem Computer, liest alle verfügbaren Nachrichten aus der Heimat, wo in den Städten jetzt Tausende auf die Straßen gehen. Zu ihnen gehören auch Samars älterer Bruder und dessen erwachsene Kinder. Saeed Samar, der beim evangelischen Kirchenkreis Münster als Flüchtlingsreferent arbeitet, zeigt die Fotos von den Demonstrationen in Schiras, die sein Bruder per „Whatsapp“ aufs Handy geschickt hat – und ist besorgt.

„Ich hoffe, die staatliche Revolutionsgarde Pasdaran wird nicht auf die Demonstranten losgehen“, sagt er. Die Pasdaran, das sei ein „Mörderkommando“. Gleichzeitig keimt ein Fünkchen Hoffnung in ihm – Hoffnung darauf, dass die Proteste friedliche und vielleicht auch kleine demokratische Reformen befördern könnten.

Familie in alle Welt zerstreut

Die Revolution der islamische Mullahs war gerade ein Jahr alt, als Saeed Samar 1980 seine Heimat verließ. Auch er hatte im Iran gegen das Schah-Regime protestiert, hoffte auch damals auf Demokratie in seinem Land. Aus der Ferne beobachtete er dann mit Entsetzen, welche Schreckensherrschaft die neuen geistlichen Führer etablierten. Sein älterer Bruder, der Kritik übte, wurde in den 1980er-Jahren inhaftiert und später wieder freigelassen.

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Die politischen Verhältnisse im Iran haben die Familie Samar in alle Welt zerstreut. Nur drei der acht Geschwister von Saeed Samar leben noch in der iranischen Heimat, ein Bruder ist ebenfalls in Deutschland, drei andere leben in den USA.

"Chance für kleine Verbesserungen"

Für die aktuellen Unruhen sieht Samar in erster Linie die sozialen Verhältnisse im Land als Auslöser. Die Inflation sei atemberaubend, Korruption allgegenwärtig. Für Arbeiter seien beispielsweise Eier mittlerweile unerschwinglich. Menschen aus der Mittelschicht könnten sich Arztbesuche nicht mehr leisten. Saeed Samar hört diese Geschichten per Telefon aus der eigenen Familie.

Ein anderer Bruder in Schiras arbeitet schlecht bezahlt als Taxifahrer. „Solange die Proteste nicht von Interessengruppen aus dem Ausland vereinnahmt und gesteuert werden, gibt es vielleicht eine gewisse Chance für kleine Verbesserungen“, glaubt Saeed Samar. Er fühlt sich mittlerweile „durch und durch als Münsteraner“, betont er.

Seit 35 Jahren ist er hier verheiratet, hat zwei Töchter großgezogen. Das Geschehen im Iran bewegt ihn aber, fast so als wäre er noch dort. Den Bruder, der jetzt wieder mitdemonstriert, hat vor zwei Jahren ein einziges Mal getroffen – der Ältere kam nach Münster zu Besuch.



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