Mi., 10.01.2018

Neues Album der Donots Perfekt auf den Punkt gebrachter Punkrock

Donots (v.l.):  Guido Knollmann, Alex Siedenbiedel, Ingo Knollmann, Jan-Dirk Poggemann und Eike Erwig haben nicht nur in Münster ihr Studio vollendet, sondern darin auch ihr neueste Album aufgenommen.

Donots (v.l.):  Guido Knollmann, Alex Siedenbiedel, Ingo Knollmann, Jan-Dirk Poggemann und Eike Erwig haben nicht nur in Münster ihr Studio vollendet, sondern darin auch ihr neueste Album aufgenommen. Foto: Carsten Vogel

Münster - 

Ein Besuch bei den Donots ist mittlerweile selbst ein Heimspiel. Sicher, einiges hat sich verändert: Eine Hälfte wohnt in Köln, die andere in Münster und Guido in Ibbenbüren. Das Studio in Münster ist fertig, die Band singt seit dem letzten Album „Karacho“ deutsch.

Von Carsten Vogel

Hatte das Einfluss auf die Albenverkäufe? Für Gitarrist Alex Siedenbiedel spielen eher andere Kriterien eine Rolle: „Als wir mal als Zuschauer auf einem Festival waren, haben sich Fans für die Platte bedankt und gesagt, dass der eine oder andere Song ihr Jahr bereichert habe.“ Seitdem hätten sich auch viel mehr Fans Songzeilen als Tattoo stechen lassen, bestätigt Sänger Ingo Knollmann.

Natürlich spielt das bessere Verständnis der Texte eine Rolle, was möglicherweise auch die Zuschauer-Emotionen bei Konzerten multipliziert: „In Dresden war es damals so laut, die haben die Bude auseinandergenommen“, erinnert sich Bassist Jan-Dirk Poggemann.

Fotostrecke: Das 1000. Donots-Konzert

Ein Gespräch über das neue Album „Lauter als Bomben“, das am Freitag erscheint: Der Titel ist eine Anspielung auf die britische Band The Smiths, oder? „Es gibt noch mehrere Anspielungen. Ich mag es, Selbstreferenzielles, aber auch Hutzieher-Zeilen mit in die Songs einzubauen. Es gibt unter anderem noch kleinere Bausteine mit Hinweisen auf Monty Python, Douglas Adams und Jim Morrison“, sagt Ingo.

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Beim Thema Smiths und deren Frontmann Morrissey schweift das Gespräch ab. Der Sänger, der ein aktuelles Album herausgebracht hat, aber immer mehr durch islamfeindliche Sprüche auffällt. Was macht das mit Fans der ersten Stunde? Darf man die Musik noch hören?

Ingo erinnert sich an ein Interview, in dem Max Gruber, Mastermind der Band Drangsal, angibt, sich mittlerweile dafür zu schämen, ein Tattoo mit dem Titel des ersten Morrissey-Solo-Albums „Viva Hate“ hat stechen zu lassen. Und er ergänzt, dass das neue Album der US-amerikanischen Band Brand New eigentlich sein Lieblingsalbum des vergangenen Jahres sei, wäre nicht bekannt geworden, dass Sänger Jesse Lacey zwei Frauen mehrfach sexuell missbraucht haben soll.

Themen wie Nationalismus und #Metoo-Debatte beschäftigen die Band: Die Donots sind und waren immer eine politische Band, die Stellung bezieht und mit der man sehr schnell tiefgründige Gespräche führen kann. Das Quintett verliert aber dabei nie seinen Humor. Alex ergänzt, wohl wissend, dass der Vergleich eklatant hinkt: „Die Brötchen eines sensationellen Bäckers, der dann eine ältere Frau umbringt, haben ja trotzdem geschmeckt.“ Lachen. Zurück zum Titel des Donots-Albums.

Wie ein Mixtape

Schlagzeuger Eike Herwig schiebt nach, dass sie direkt am Tag nach der Bombendrohung bei „Rock am Ring“ gespielt und sich zweimal überlegt haben, ob sie den Song „Keiner kommt hier lebend raus“ anstimmen sollen. Feingefühl, Tonalität, Empathie: Auch nach 25 Jahren sind es stets neue Herausforderungen, die die Donots reizen und die zugleich Ansporn sind, nicht immer in den gleichen Rhythmus zu verfallen.

Überraschende Momente spiegeln sich auch im Songwriting wider. Als Guido Knollmann wie üblich seine Gitarren-Akkorde mit einer App aufzeichnen wollte, kam seine vierjährige Tochter dazu: „Genau in dem Moment als ich spiele, fängt sie an zu sülzen. Und ich dachte: Toll, was hat die für einen Flow. Besser als jeder Hip-Hopper.“

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ein Mixtape, das einem nicht um die Ohren fliegt.“ Ein Werk, das einem aber zum Glück auch nicht mehr aus den Gehörgängen gleiten will.



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