Mi., 24.01.2018

JVA-Neubau Die neue Gefängnis-Adresse lautet „Telgter Straße“

Auf diesem Acker östlich der Telgter Straße und südlich eines kleinen Wäldchens soll die neue Justizvollzugsanstalt Münster am äußersten Stadtrand entstehen.

Auf diesem Acker östlich der Telgter Straße und südlich eines kleinen Wäldchens soll die neue Justizvollzugsanstalt Münster am äußersten Stadtrand entstehen. Foto: mlü

Münster-Wolbeck - 

Nach Jahren der Spekulation endlich Gewissheit: Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW lüftete das Geheimnis um den geplanten Standort für den Neubau der Justizvollzugsanstalt (JVA). Das Gefängnis soll an der Telgter Straße entstehen, genau genommen im nordöstlichen Kreuzungsbereich von Telgter Straße und Freckenhorster Straße. Unsere Zeitung sammelte Stimmen zu der Neuigkeit.

Von Iris Sauer-Waltermann, Martin Kalitschke

► „Keine Berührungsängste“ hat Bezirksbürgermeister Rolf Schönlau in Bezug auf die geplante Einrichtung. „Ich habe 30 Jahre lang bei der Westfälischen Wirtschaftsakademie am Stühmerweg gearbeitet und dabei auf die Mauer des münsterischen Gefängnisses geschaut“, berichtet er. Um seine Sicherheit habe er sich nie Sorgen gemacht, und dies sehe er in Wolbeck genau so.

Außerdem könne der Standort durchaus Vorteile für die örtliche Wirtschaft bringen: „Eine JVA braucht auch Brot und Brötchen und viele andere Dinge, die zugeliefert werden müssen.“ Es sei gut, dass die jahrelange Suche nun erfolgreich abgeschlossen ist. „Der Wunsch der Bürger nach Sicherheit und Schutz vor Straftätern bedingt auch die notwendige Existenz von Justizvollzugsanstalten.“

► Erfreut hat Oberbürgermeister Markus Lewe auf die Nachricht reagiert. „Eine neue JVA stärkt den Justizstandort Münster. Ich gehe davon aus, dass der BLB die Bürger zeitnah und umfassend über den vorgesehenen Standort und die Planung für den Neubau informieren wird“, so Lewe. Für das anstehende Verfahren, das „gemeindliche Einvernehmen“ mit der Stadt herzustellen, sei eine zeitnahe, qualifizierte Information der Bezirksvertretung Südost und der Fachgremien des Rates erforderlich. „Ich gehe davon aus, dass der bisherige JVA-Standort nach dem Umzug für eine städtebauliche Weiterentwicklung der Stadt Münster zur Verfügung stehen wird“, so Lewe.

► „Niemand möchte  ein Gefängnis vor der eigenen Haustür haben“, bringt Ratsherr Horst Karl Beitelhoff seine Kritik auf den Punkt. Ein Unding sei gewesen, „die Bürger vor vollendete Tatsachen zu stellen“. Nun gelte es jedoch, in die Zukunft zu sehen: „Ich fordere den Bau- und Liegenschaftsbetrieb dringend auf, vernünftig und absolut transparent sowie ohne Wenn und Aber über alle Planungsstände zu informieren“, so der Ratsherr. „Das ist ein Muss.“

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► Nach Einschätzung der CDU-Ratsfraktion hat die neue Landesregierung die jahrelange „Hängepartie“ um die Justizvollzugsanstalt in Münster zügig beendet. „Die JVA gehört zu Münster als Oberzentrum der Region und wichtiger Justizstandort. Bei der Umsetzung der Pläne muss das Land die Bürgerschaft und die Kommunalpolitik einbeziehen. Der bisherige Gefängnisstandort sollte künftig für Wohnungsbau, Büros, Kunst und Kultur genutzt werden“, so Fraktionschef Stefan Weber.

► Positiv fällt die Reaktion der SPD aus. „Es ist gut, dass der Bau- und Liegenschaftsbetrieb endlich Klarheit über den Standort eines Neubaus geschaffen hat. Das war lange überfällig“, so SPD-Ratsherr Marius Herwig. Er erwarte, dass die Bürger nun „schnell und vollumfänglich“ informiert werden. „Nur wenn man Transparenz schafft, kann auch Akzeptanz in der Bevölkerung erreicht werden. Das bisherige Verfahren, in dem vier Monate verschwiegen wurde, wo der Neubau denn hinkommen soll, war jedenfalls dafür sicher nicht beispielgebend“, so Herwig weiter. 

► Die münsterischen CDU-Landtagsabgeordneten Simone Wendland und Stefan Nacke betonten auch die wirtschaftliche Bedeutung der Standortentscheidung. „Die neue JVA bedeutet nicht nur den Erhalt von 300 sicheren Arbeitsplätzen im öffentlichen Dienst“, so Nacke, sondern auch Aufträge für Handwerker und Zulieferer aus der Umgebung. 

► „Wolbeck wird die JVA verkraften“, kommentiert der SPD-Ratsherr Marius Herwig die Standort-Entscheidung. Auch er sieht durchaus „Chancen für örtliche Betriebe“. Froh ist er, „dass die Gerüchteküche endlich ein Ende hat“. Es seien auch falsche Gerüchte in Umlauf gewesen. „Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb hat die Bekanntgabe des Standorts zu lange aufgeschoben“, beklagt er. Künftig sei „unbedingte Transparenz und eine stringente Informationspolitik“ gefordert, so Herwig.

► Vornehmlich in die Zukunft blickt der Vorsitzende des landwirtschaftlichen Ortsvereins Südost, Martin Homann-Niehoff. Seine Sorge gilt vor allem den landwirtschaftlichen Nutzflächen: „Der Bezirk Münster-Südost wurde durch die Umgehungsstraße schon schwer gebeutelt“, gibt er zu bedenken. „Hier dürfen als Ausgleichs- und Ersatzflächen für die JVA nicht noch weitere gute Ackerflächen wegfallen“, lautet sein Appell an die Verantwortlichen.

 

Infos: Chronologie: JVA Münster: Von der Räumung bis zum neuen Standort

 

Kommentar zum JVA-Standort Wolbeck

Seit Jahren spukt das Thema JVA-Standort durch Wolbeck. Nachdem 2014 das Aus für Handorf vorlag, brodelte die Gerüchteküche. Wolbeck sollte heißer Favorit sein, aber niemand verriet Genaues.

Dass der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW erst am 23. Januar 2018 den endgültigen Standort bekannt gibt, ist kein Ruhmesblatt in Bezug auf gelungene Öffentlichkeitsarbeit. Viele Bürger fühlen sich schlichtweg übergangen und reagierten gereizt. Zu Recht.

Jetzt ist es an der Zeit, die Vorzeichen zu ändern. Nur wenn ab sofort stringent über Zeitplan und Details des Projekts informiert wird, kann das Vertrauen der Bürger zurückgewonnen werden. Zumindest ansatzweise.

Iris Sauer-Waltermann



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