Fr., 09.02.2018

Informationsveranstaltung zum Gefängnis-Neubau Neue JVA bei Wolbeck: „Das Ding ist durch“

Im Schulzentrum Wolbeck erläutern Niederlassungsleiter Markus Vieth (M.) und JVA-Planer Klaus Siniawa (l.), warum der Bau- und Liegenschaftsbetrieb BLB den Standort an der Telgter Straße für „bestmöglich“ hält.

Im Schulzentrum Wolbeck erläutern Niederlassungsleiter Markus Vieth (M.) und JVA-Planer Klaus Siniawa (l.), warum der Bau- und Liegenschaftsbetrieb BLB den Standort an der Telgter Straße für „bestmöglich“ hält. Foto: Oliver Werner

Münster-Wolbeck - 

Ende Januar hatte der Bau- und Liegenschaftsbetrieb BLB verkündet, wo bis 2024 die neue Justizvollzugsanstalt Münster entstehen soll: Außerhalb Wolbecks, an der Telgter Straße. Bei der ersten öffentlichen Informationsveranstaltung wurden nun viele kritische Stimmen laut.

Von Lukas Speckmann

Lässt sich der Gefängnis-Neubau vor den Toren Wolbecks durch energischen Widerspruch vielleicht noch verhindern? Diese Frage liegt bei der Informationsveranstaltung des Bau- und Liegenschaftsbetriebs BLB im Wolbecker Schulzentrum durchaus in der Luft. Es sind die Ratsherren Horst Karl Beitelhoff (CDU) und Franz Pohlmann (ÖDP), die mit ihren kurzen Statements für ernüchternde Klarheit sorgen: „Wir werden das Ding nicht kippen können“, sagt Beitelhoff. Und Pohlmann unterstreicht, dass der Stadt Münster ohnehin nichts anderes übrig bleibe, als „gemeindliches Einvernehmen“ zu erklären – was sie nach Lage der Dinge allerdings auch bereitwillig tun werde: „Das muss Ihnen allen klar sein.“

Dabei werden gewichtige Argumente gegen den JVA-Neubau am südöstlichen Stadtrand unweit des kleinen Flugplatzes Berdel vorgetragen. Das prominenteste: der Flächenverbrauch. Elf Hektar Acker gehen durch das neue Gefängnis unmittelbar verloren, sieben weitere Hektar direkt nebenan werden zum Sichtschutz-Grünstreifen.

Auswahl-Kriterien kritisch infrage gestellt

„Die Landwirtschaft in Münster hat keine Flächen für Ausgleich und Ersatz“, sagt Susanne Schulze Bockeloh vom Landwirtschaftlichen Kreisverband leidenschaftlich. Versiegelte Fläche in der erforderlichen Größenordnung sei in Münster einfach nicht zu haben gewesen, entgegnet BLB-Leiter Markus Vieth. Man habe verdeckt versucht, an Gewerbefläche zu kommen. Keine Chance.

Infos: Chronologie: JVA Münster: Von der Räumung bis zum neuen Standort

JVA-Planer Klaus Siniawa erklärt akribisch, warum der BLB die Fläche an der Telgter Straße für die „bestmögliche“ hält – und sieht sich mit einer Zuhörerschaft konfrontiert, die die amtlichen Auswahl-Kriterien sehr kritisch infrage stellt. Zum Beispiel den 10,5-Kilometer-Radius rund um das münsterische Gerichtszentrum: Sebastian Seidel, der Bürgermeister von Everswinkel, erinnert an die ehemalige Militärfläche, die seine Gemeinde ohne Weiteres hätte zur Verfügung stellen können. Zu abgelegen, meint der BLB, weit außerhalb des Suchgebiets. Sind aber acht Minuten zusätzliche Fahrzeit ein Ausschlusskriterium? „Der Gefangene hat die Zeit!“, sagt ein Zuhörer unter lautem Beifall.

Hohe Sicherheitsstandards

Ein weiteres Thema ist nicht zu bremsen: Warum wird die JVA nicht am alten Standort an der Gartenstraße gebaut? Wenn es sein muss, halt ein wenig kleiner – oder gar als reines Untersuchungsgefängnis? Gudrun Schäpers vom Justizministerium hält energisch dagegen: Das Land brauche 640 Haftplätze – und zwar an einem einzigen Standort in Münster. Was aus dem alten Gefängnis an der Gartenstraße werde, wisse man nicht, unterstreicht Markus Vieth.

Auch mehrere direkte Anlieger melden sich zu Wort. Manche beklagen sich über die verwirrende Informationspolitik. Andere möchten wissen, mit welchen neuen Nachbarn sie ab 2024 zu tun haben. Ihnen steht JVA-Leiter Carsten Heim Rede und Antwort: In Münster sitzen offenbar nicht die ganz schweren Jungs ein. Eine kleine Minderheit bekomme auch Ausgang – womit man in der Vergangenheit keine schlechten Erfahrungen gemacht habe.

Dennoch: Die Sicherheitsstandards sind – wie üblich – hoch: Mit einer 5,50 Meter hohen Gefängnismauer und Dauerbeleuchtung müssen die Anwohner leben. Bis der geplante Grüngürtel dies alles wirkungsvoll abschirme, würden 20 Jahre vergehen, meint ein Nachbar bissig.

Der BLB will dieser ersten Informationsveranstaltung weitere folgen lassen. Auf der Homepage werde unter der Rubrik „Projekte“ stets der neueste Stand veröffentlicht, heißt es.



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