So., 11.02.2018

Schlüsselübergabe auf dem Prinzipalmarkt Prinz Christian erobert das Rathaus

Schlüsselübergabe auf dem Prinzipalmarkt: Prinz Christian erobert das Rathaus

Münsters Rathaus ist fest in närrischer Hand: Prinz Christian (Lange) hat am Sonntag Oberbürgermeister Markus Lewe entmachtet, der nur widerwillig den Schlüssel herausrückte. Foto: Ralf Repöhler

Münster - 

Der Oberbürgermeister wollte sich freikaufen. Eine Übernachtung ohne Frühstück bot Markus Lewe dem Prinzen und seinen beiden Adjutanten an – in den drei Wiedertäufer-Käfigen am Turm von St. Lamberti. Vielen Dank für die Aussicht, aber Prinz Christian ließ sich so nicht locken – er eroberte entschlossen und wortgewaltig das Rathaus.

Von Ralf Repöhler

Der OB fiel in die Hände dreier Krankenschwestern, die eine Zwangsjacke für ihn hatten, und wurde am Ende auf einem Strohlager aus der Stadt gebracht. Doch bitte der Reihe nach. Seine Tollität Prinz Christian I. (Lange), seines Zeichens Unternehmer in der Pflegebranche, fuhr mit einem Rot-Kreuz-Landrover vor dem Rathaus vor – seine beiden Adjutanten Thorsten Geu­ting und Dirk Meyer-Potthoff trugen rote Sanitäter-Jacken – im Anhänger drei Krankenschwestern.

Krankenschwestern warteten auf flüchtenden Lewe

Der neue Präsident des Bürgerausschusses Münsterscher Karneval (BMK), Dr. Helge Nieswandt, hatte klipp und klar auf der neuen Bühne versprochen: „Wir werden den OB aus dem Rathaus hinausfegen.“ „Pfleger Markus“ (Lewe) und seine Frau Maria warteten in weißen Kitteln, mit Stethoskop um den Hals und orangefarbenen Perücken auf dem Kopf („Überbleibsel aus Wolbeck“) vergeblich auf die Alten Räuber als Leibgarde.

Den Prinzen wollte Lewe noch schnell mit einer Fahrt durch das wegen der vielen Umleitungen „verrücke Labyrinth“ zwischen Wolbeck und Hiltrup verwirren, doch Christian I. behielt das Rathaus fest im Blick. Der OB flüchtete zum Sentenzbogen, wo die Krankenschwestern bereits auf ihn warteten.

Rathausschlüssel unfreiwillig übergeben

„Markus, geh‘ in Kur und überlass‘ mir das Rathaus“, rief ihm Prinz Christian von der Bühne aus zu und schlug ihm nach den schwarz-grünen Chaostagen vor, „eine Auszeit zum Vergessen“ einzulegen. Davon indes wollte Lewe nichts wissen. „Ich bin doch selbst Pfleger aus der Narrenanstalt“, dachte er wohl an ein Miteinander von OB und Prinz. Doch der ließ sich nicht erweichen. „Drei hübsche Krankenschwestern pflegen dich jetzt bis Silvester(n).“

Als Lewe schließlich das Narrenvolk befragte („Wollt‘ Ihr die Narretei?“) und auch noch ein kollektives „Ja“ erntete, ahnte er – der Schlüssel ist weg. „Heute weise ich dich in die Kur ein“, sagte der Prinz. Um 13.18 Uhr – 22 Stunden vor Beginn des Rosenmontagszuges – rief Christian I. mit dem Rathausschlüssel in der Hand: „Da ist das Ding!“

Prinz verlas seine Regierungserklärung

Vom Sentenzbogen las der Prinz seine Bulle (Regierungserklärung) vor. Darin ordnet er unter anderem an, dass die Zentrale Ausländerbehörde doch in Münster entsteht (für die Einigung gebe es den Westfälischen Friedenspreis 2.0), der Aasee zum Spaßbad und die alte Justizvollzugsanstalt zu einer Wagenbauhalle wird.

OB Lewe solle als Pflegekraft während der tollen Tage die pflegerische Versorgung der Münsteraner sichern. Und während der Prinz mit den Garden Prinzenlieder schmetterte, landete Lewe samt Gattin und mit den Krankenschwestern im Strohlager auf dem Anhänger. 

Kommentar: Bühnenreife Premiere

Am frühen Morgen fuhr noch der letzte Bus über den Michaelisplatz. Kurze Zeit später stand zwischen Rathaus und „Escada“ bereits eine überdachte Riesenbühne in Blickrichtung zu St. Lamberti. Dieser neue Standort für die Tänze, Lieder und Reden ist gelungen, weil die gute Stube nun wirklich in sich geschlossen ist. Die Besucher der Schlüsselübergabe zwischen Rathaus und Lamberti werden von den Giebelhäusern eingerahmt. Das neue Stellkonzept, um das sich Vizepräsident Robert Erpenstein verdient gemacht hat, bescherte dem neuen Vorstand des Bürgerausschusses Münsterscher Karneval um Präsident Dr. Helge Nieswandt eine bühnenreife Premiere. Ärgerlich ist der Mangel an öffentlichen Toiletten. Die Anlage am Domplatz war für viele überraschend geschlossen, nicht wenige Karnevalisten wurden kalt erwischt.

Rosenmontagszug auf dem Schlossplatz

Am Rosenmontag startet als Höhepunkt des närrisches Treibens der Rosenmontagszug um 12.11 Uhr auf dem Schlossplatz. Über 100 Motivwagen, Fußgruppen und Spielmannszüge sind dabei. 100.000 Besucher werden erwartet.

 

 

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