Mo., 12.02.2018

Rosenmontagszug in Münster Ein jecker Glanztag für Prinz Christian

Der Höhepunkt für jeden Prinzen: Christian Lange erreicht auf seinem Prunkwagen mit den Adjutanten Dirk Meyer-Potthof (l.) und Thorsten Geuting den Prinzipalmarkt. Auf dem Bürgerausschuss-Kommandowagen (kl. Bild) freuen sich (v.l.) Vizepräsident Heinz Mecklenborg, Zugkommandant Lothar Hitziger, Bob Volmer und Präsident Dr. Helge Nieswandt.

Der Höhepunkt für jeden Prinzen: Christian Lange erreicht auf seinem Prunkwagen mit den Adjutanten Dirk Meyer-Potthof (l.) und Thorsten Geuting den Prinzipalmarkt. Auf dem Bürgerausschuss-Kommandowagen (kl. Bild) freuen sich (v.l.) Vizepräsident Heinz Mecklenborg, Zugkommandant Lothar Hitziger, Bob Volmer und Präsident Dr. Helge Nieswandt. Foto: Matthias Ahlke / Helmut Etzkorn

Münster - 

Das Wetter spielte mit und die lokalen Wagenbauer haben zumindest einige Themen ziemlich kreativ umgesetzt: Der Rosenmontagszug in Münster erfüllt fast alle Erwartungen von Organisatoren und Zuschauern.

Von Helmut P. Etzkorn

Für Bob Volmer, Chef der niederländischen „Gaffel Aöskes“, ist es eine Premiere: Erstmals darf der Boss aller niederländischen Wagenbauer, die mit ihren bunten Fantasie-Spaßmobilen seit Jahrzehnten den Umzug in Münster bereichern, selbst einmal hoch oben auf dem Kommandofahrzeug des Bürgerausschusses Münsters Straßenkarneval erleben und sich im wahrsten Sonne des Wortes einen Überblick über Westfalens größte Straßenkarneval-Sause verschaffen. Neben ihm stehen noch zwei Neue: Dr. Helge Nieswandt hat vor einigen Monaten die Regie im Bürgerausschuss übernommen, und Lothar Hitziger feiert als neuer Zugkommandant seine Rosenmontags-Premiere.

Fotostrecke: Rosenmontag in Münster: Die ersten Jecken kommen

Gutes Wetter, gute Stimmung

Was fällt ihnen auf? Die berittenen Fanfaren aus Freckenhorst sind eine ge lungene „Startformation“ ganz vorn im Zug. Und schon am Schlossplatz, wo sich die ­Wagen aufstellen, sind die Besatzungen gut drauf. „Wetter spielt mit, Sonne und kalt. Was wollen wir mehr“, meint Henk Grootjans. Mit seinen „Martinikerlkes“ ist er um kurz nach 5 Uhr in ­Losser aufgebrochen. Und das Motto der Truppe „Feuer und Flamme für den Karneval“ passt.

Münsters Wagenbauer sind in diesem Jahr einen Tick kreativer unterwegs, Themen wie die Diskussion um ein neues Preußen-Stadion (Schweine-Schinken-Schützen), „Fake-News“ (Obergeister), und die Reaktivierung der Westfälischen Landeseisenbahn (Schlossgeister) sind ziemlich originell umgesetzt worden. Die Holländer beschäftigen sich farbenfroh mit den „Skulptur-Projekten“.

 

Fotostrecke: Der Rosenmontagszug in Münster rollt durch die Innenstadt

 

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Keine längeren Pausen

„Die Qualität ist besser als in den vergangenen Jahren“, so Hitziger. Die Narrenzunft Aasee steckt 80 Akteure in schmucke Kostüme und könnte so Motivation für ­andere Gesellschaften sein, mehr Fußgruppen in den Rosenmontagszug zu schicken. Der Zug selbst rollt recht zügig und ohne längere Zwangspausen, die Qualität des süßen Wurfmaterials scheint zu stimmen. Bis auf die Billiglutscher wird fast alles aufgehoben, auch erste Fanartikel für die Fußball-Weltmeisterschaften werden ins närrische Volk geworfen.

Fotostrecke: Der Rosenmontagszug - Blick vom Rathaus-Balkon

Prinz Christian strahlt mit der Sonne um die Wette. Als das Narrenoberhaupt mit seinem Prunkwagen auf die „Zielgerade“ am Prinzipalmarkt einbiegt, jubeln ihm die Massen zu. „So einen Tag vergisst man im ganzen Leben nicht“, meint Lange.

Die Zuschauer machen Party, und viele feiern beispielsweise auf dem Alten Steinweg abseits der Zug­strecke. Vielleicht auch, weil noch immer viele Wagen wenig kreativ gestaltet durch Münster rollen.

Kommentar

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Trump und der Raketenmann fuhren in Wiedertäuferkäfigen bei den närrischen Weibern mit, die „Schweine“ sorgten sich um Preußens „Antikstadion“, und die Leydensgenossen verdonnerten sich selbst zu ­„lebenslänglich Münster“ – aber bitte nicht im neuen Knast von Wolbeck.

Endlich gab es sie, wenn auch nicht ganz so frech und nur dosiert – die großen und lokalpolitischen Themen in Münsters ­Rosenmontagszug. Das schwarz-grüne Rathausbündnis hatte trotzdem Glück: Die Chaostage rund um die Ansiedlung der Zentralen Ausländerbehörde fanden ebenso wenig im Zug statt wie das Koalitionsgeschachere von CDU und SPD in Berlin.

Trotzdem: Die thematische Tendenz bei den ­Motivwagen ist steigend. Und: Die Wagenbauer geben sich mehr Mühe im Detail. Die einfallslosen Bretterbuden werden weniger. Clever war die Idee der neuen Bürgerausschuss-Spitze, die bunten Fantasiewagen aus Losser münsterischen Themen zuzuordnen – wie etwa den Skulptur-Projekten.

Die Polizei will 110 000 Besucher gesehen haben. Es waren weniger, der BMK selbst ordnet die Zahl mit Blick auf spärlich besetzte Straßenränder niedriger ein. Schade, denn der Rosenmontagszug 2018 hätte nicht nur wegen des strahlenden Sonnenscheins mehr Zuschauer verdient gehabt.

 Ralf Repöhler

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