Mi., 14.02.2018

„Art & Antik“-Messe in der Halle Münsterland Alte Klasse trifft frisches Design

Aus Angola stammt diese Chockwe-Maske, die auf der „Art & Antik“ am Stand von KK Kiez Kabinett aus Berlin stilvoll in einem Lichtring präsentiert wird. 14 000 Euro soll sie kosten.

Aus Angola stammt diese Chockwe-Maske, die auf der „Art & Antik“ am Stand von KK Kiez Kabinett aus Berlin stilvoll in einem Lichtring präsentiert wird. 14 000 Euro soll sie kosten. Foto: Gunnar A. Pier

Münster - 

Es weht ein frischer Wind durch die 42. Auflage der „Art & Antik“ in Münster. Damit ist nicht der Wind gemeint, der die Besucher am Eröffnungstag auf dem Platz vor der Messehalle Süd der Halle Münsterland empfängt. Die Zeichen stehen bei der einstigen Antiquitätenmesse auf Modernisierung.

Von Petra Noppeney

Dies zeigt sich nicht nur in einem vom Kunsthandel dominierten Angebot. Schon im Foyer stößt der Besucher auf eine „Preview“, die zeigt, was hier im kommenden Jahr verhandelt wird: Der Designmarkt wird Einzug halten.

Preisverfall bei Antiquitäten

Es sei der ausdrückliche Wunsch der Halle Münsterland und „vielleicht auch eine Notwendigkeit“, so sagt der Kurator der Musterausstellung mit dem Titel „Master Pieces“, Ludger Sandknop, die „Art & Antik“ ins moderne Zeitalter zu führen. Das heißt: 2019 soll in der Ausstellungshalle eine Verkaufsmesse stattfinden, bei der neben den Antiquitätenhändlern mit ihren Stücken auch Aussteller und Produzenten ihre Design-Produkte präsentieren.

Fotostrecke: Messe "Art & Antik" 2018 in der Halle Münsterland

Warum diese Erweiterung notwendig ist, erläutert am Mittwoch Projektleiterin Jeanette Bouillon: „Die Entwicklung auf dem Kunstmarkt“, sagt sie, „ist von einem augenblicklichen Preisverfall bei den Antiquitäten gekennzeichnet“. Die Generation der Sammler, die einst alte Schätzchen erwarb, so Bouillon, habe inzwischen ein hohes Alter erreicht. Der Markt werde zurzeit geflutet mit Antiquitäten, vor allem aus dem Möbel-Bereich. Dies wiederum führe zu einem Preisverfall, der dem Handel zusetze. Gründe genug, zu neuen Messe-Ufern zu streben.

„La ­Chaise“-­Originalsessel auf Segelstoff

Während bei den Antiquitäten im Bereich Silber, Schmuck, Uhren, Kunsthandwerk und Möbeln der Fokus auf dem 18. und 19. Jahrhundert liegt, lockt im Foyer das Design mit Stücken aus dem 20. und 21. Jahrhundert. Ein „La ­Chaise“-­Originalsessel etwa, entworfen von den Brüdern Eames, ist hier auf einem neuen Teppich aus Segelstoff platziert, bemalt in Vintage-Technik. Alt mit Neu kombiniert, Namhaftes mit Unbekanntem – das ist offenbar bei der Wohnungseinrichtung der letzte Schrei. Vorträge dazu werden während der Messetage die „Preview“ abrunden.

Crossover von historisch und exzentrisch

Doch auch in der Messehalle ist manch erstaunliches „Crossover“ von historischen Möbeln mit exzentrischen Deko-Stücken zu entdecken, wie Experte Dr. Jürgen Krause am Stand vom Kunsthandel Dénes Szy aus Düsseldorf erfreut erläutert. Vor ihm stehen zwei Großplastiken aus Keramik auf dem Biedermeiertisch, „Der Drache“ und „Der Spott“, beides Figuren aus dem Leipziger „Porzellan Palais“, das 1921 eröffnet wurde.

Exemplarische Wohnräume eingerichtet

Und noch ein Trend lässt sich auf der „Art & Antik“ ausmachen: Die Stände mancher Anbieter sind wie exemplarische Wohnräume eingerichtet – wie beim Berliner „KK Kiez Kabinett“ etwa, einem von sechs neuen Ausstellern neben 60 altbekannten. Vintagemöbel der 50er und 60er Jahre werden hier mit zeitgenössischer Kunst und afrikanischer Stammeskunst kombiniert. „Die klassische Galerie, wie wir sie bislang kennen“, so Händler Tobias Hirschmann, „ist überholt. Heute zeigen wir, wie man die Kunst ins Leben integrieren kann.“

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