So., 15.04.2018

English Drama Group präsentiert „Pomona“ in der Studiobühne In einer düsteren und komischen Welt

Fay (Ruth Schepers) wurde von Charlie (Frederik Clausen, rote Jacke) und Moe (Uwe Rasch) entführt. Sie soll getötet werden.

Fay (Ruth Schepers) wurde von Charlie (Frederik Clausen, rote Jacke) und Moe (Uwe Rasch) entführt. Sie soll getötet werden. Foto: Heike Eickhoff

Münster - 

Moe und Charlie schlagen sich, ein Messer blitzt auf, Blut fließt. Moe drückt Charlie das Messer in die Hand, schreit und schimpft wüst, will unbedingt mit dem Messer attackiert werden. Am Ende liegt jedoch Charlie blutüberströmt auf dem Boden.

Von Heike Eickhoff

Die Zuschauer halten den Atem an – die Premiere der English Drama Group in der neuen Studiobühne hatte es in sich. Eine Zukunftsvision zum Gruseln, manchmal aber auch zum Lachen: Pomona.

Irgendwo mitten in Manchester soll der Stadtteil Pomona, gebaut aus Beton und umgrenzt von Kanälen, liegen. Menschen verschwinden dort, so auch die Zwillingsschwester der jungen Ollie, die sich nach Pomona begibt, um die Schwester zu suchen. Skurrile Gestalten und verschachtelte Erzählebenen ziehen die Zuschauer sofort in den Sog des Bühnenwerks von Alistair McDowall. Die English Drama Group schafft es am Samstag, diese düstere und trotzdem urkomische fiktive Welt brillant in Szene zu setzen. Zehn schwarz lackierte Holzquader, ein wenig zugespielte Musik und die auf den Punkt gebrachte, oft karge Beleuchtung (Sarah Thiel und Henning Seidel) zaubern die bizarre Atmosphäre der Betoninsel Pomona. Die Zuschauer sitzen an drei Seiten um die in die Mitte verlegte Bühne herum, so wirkt das Geschehen hautnah.

Iris Adamzick (Regie) hat den Handlungsbogen straff geführt, das Stück zerfasert nicht und behält bis zum Ende seine Spannung. Frank Bonczek, Elvin Vincent und Alexandra Andreou komplettieren das Team hinter der Bühne.

Auf der Bühne besticht Ollie (Sonja Zeggel, die zugleich die namenlose Zwillingsschwester gibt) durch freundliche Natürlichkeit. Sie versucht, in die wirre Welt von Pomona einzudringen, weil sie dort ihre Schwester vermutet. Die sehr militärisch wirkende Gale (Mirja Wenker) scheint die Chefin des finsteren Viertels zu sein, ordnet Gewalttaten an und muss am Ende doch vor der süßen, Zöpfe tragenden Keaton (Philine Bamberger) kuschen. Charlie (Frederik Clausen) und Moe (Uwe Rasch) faszinieren nicht nur in der erstklassig gearbeiteten Kampfszene. Wenn sie gerade nicht Gales brutale Befehle ausführen, zeigen sie, fast schüchtern, Gefühle und sehr viel Angst. Zeppo (Richard Pollex) sorgt als verschrobener alter Mann und am Ende als Möwe für den Humor der Inszenierung, Fay (Ruth Schepers) begehrt gegen Gales grausame Herrschaft auf und soll deshalb sterben – eine rührende Heldin.

Doch möglicherweise ist alles nur ein fantasievolles Rollenspiel statt einer grausigen Gegenwelt im Betonghetto? Auf jeden Fall ist diese Inszenierung sehenswert und bietet erstklassiges Amateurtheater. Allerdings sind fundierte Englischkenntnisse notwendig.

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Weitere Aufführungen am 21., 22., 28. und 29.4. in der Studiobühne, Domplatz 23, 20 Uhr



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