So., 15.04.2018

Auftakt der Orgelkonzerte im Dom Hayo Boerema lässt es wagnern

Hayo Boerema

Hayo Boerema Foto: cws

Münster - 

Hayo Boerema ist ein äußerst sportlicher Organist. Das muss er auch sein, zumindest wenn er wie am Samstag im Dom die fünfte Sinfonie von Louis Vierne aufs Programm setzt. Die hat’s nämlich in sich! So entpuppt sich das Carillon-Finale als veritabler Sprint nicht nur über die Manual-, sondern vor allem auch die Pedaltasten. Einen wahren Paukenwirbel legt Vierne seinem Interpreten da in die Füße, oben funkeln derweil schmetternde Akkorde. Eine stimmige Orgelmusik zur Osterzeit.

Von Chr. Schulte im Walde

Was in den vier vorangehenden Sätzen passiert, ist dagegen geprägt von Schwere, von suchender Bewegung, von Dunkelheit, die nach Licht sucht. Dieser Atmosphäre, die viel Biografisches aus dem von Schicksalsschlägen gezeichneten Leben Louis Viernes transportiert, spürt Boerema von Anfang an sehr intim nach. Er lässt die Orgel auch mal ohnmächtig schreien, dann wieder sehnsüchtig nach dem Weg tasten – ein dramaturgisch überzeugend angelegtes Ereignis. Mit spukhaften Momenten setzt das Scherzo einen bizarren Farbtupfer, während es im schwermütigen Larghetto ordentlich „wagnert“.

Das alles ist auch für das Publikum nicht leicht zu entziffern. Wer Viernes Fünfte nicht kennt, wird beim ersten Hören seine Schwierigkeiten mit ihr haben – dort, wo sich Akkorde ineinanderschieben, wo sich die beiden Themen geradezu verstecken. Doch Boerema, Organist an der Laurenskerk in Rotterdam, bemüht sich um Transparenz, auch dank angemessener und die Akustik des Doms berücksichtigender gedrosselter Tempi.

Reines Frohlocken dagegen im eröffnenden „Te Deum“, einem Vorzeigestück des Pariser Komponisten Jean Langlais aus den 1930er Jahren, durchdrungen vom gregorianischen Thema. Langlais ist zweifellos eine zentrale Figur der französischen Orgelszene des letzten Jahrhunderts, wird inzwischen aber etwas stiefmütterlich behandelt. Umso schöner, dass Boerema ihn in Erinnerung ruft. Und auch er selbst stellt sich mit seiner Improvisation über „Regina coeli“ ganz in die französische Tradition, „würzt“ zwischendurch mit kleinen klanglichen Inseln, die von der „Minimal Music“ inspiriert sind. Eine interessante Melange. Und insgesamt ein Auftritt, den das Publikum mit reichlich Beifall belohnt.



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