Di., 18.11.2014

SPD-Bundestagsabgeordnete informieren über ärztliche Versorgung auf dem Land Kein Rezept gegen Landarzt-Mangel?

Was ist noch leistbar bei der ärztlichen Versorgung besonders auf dem Land, fragten Dirk Heidenblut und Ingrid Arndt-Brauer von der SPD-Bundestagsfraktion.

Was ist noch leistbar bei der ärztlichen Versorgung besonders auf dem Land, fragten Dirk Heidenblut und Ingrid Arndt-Brauer von der SPD-Bundestagsfraktion. Foto: red

Saerbeck - 

Im Fernsehen ist davon wenig zu spüren, aber im wirklichen Leben kann der drohende Landarzt-Mangel bald zu einem großen Problem werden. Das hatten die Saerbecker Sozialdemokraten schon im Kommunalwahlkampf als Thema entdeckt. Jetzt holten sie zwei Bundestagsabgeordnete ins Dorf, um sachkundig über das Thema zu informieren.

Von Alfred Riese

Im Kommunalwahlkampf wollte die Saerbecker SPD mit dem Thema ärztliche Versorgung im ländlichen Raum punkten. Dass sich da bundesweit und auch im kleinen Dorf ein Problem entwickelt, liegt auf der Hand, wenn man nur nach dem Lebensalter der Ärzte vor Ort fragt. Wie vielschichtig die Gründe dafür sind, zeigte am Montagabend ein Infoabend der Reihe „Fraktion vor Ort“ der Bundestags-SPD mit Ingrid Arndt-Brauer (MdB). Und wie viel Emotion damit verbunden ist: Der Weg vom Detail langer Wartezeiten auf Facharzttermine bis zur Generalkritik am Gesundheitssystem war kurz.

Zwar ist ein „Versorgungsstärkungsgesetz“ auf dem Weg, wie Dirk Heidenblut, SPD-Bundestagsmitglied aus Essen und Referent, den 60 Zuhörern meist fortgeschritteneren Alters erklärte. Das Paket aus Bürokratieabbau, Erleichterungen für Krankenambulanzen und die Gründung medizinischer Versorgungszentren auch in kommunaler Trägerschaft, Strukturfonds und Abbau von Überversorgung in Ballungsräume – „es wird nicht reichen“, prophezeite der SPD-Politiker.

Bei konstanten Zahlen von Studienanfängern würde die Menge der Nachrücker für Praxen auf dem Land gegen null gehen, stellte Werner von Tils, Allgemeinmediziner in Rheine , fest. Junge Ärzte wollen häufig nicht freiberuflich arbeiten, sondern angestellt, nicht Voll-, sondern Teilzeit. „Wir müssen dafür sorgen, dass die allgemeinmedizinische Praxis ein attraktiveres Feld wird“, schloss er.

Aus der Praxis berichtete Thomas Winter , einer von mehreren Ärzten in der Saerbecker Praxis Möhlenkamp: Nachfolgeprobleme bei Kollegen, Patienten aus Dörenthe und Riesenbeck, die dort ohne nahen Arzt dastehen, Budgetdruck bis hin zum Regress aus dem privaten Portemonnaie, Patientenpauschalen von unter 40 Euro pro Quartal. Er akzeptierte das romantische Bild vom allzeit rufbereiten Landarzt im 24-Stunden-Einsatz aus TV-Serien nicht. Er sei gerne Landarzt, habe aber auch zwei Kinder. „Warum sollte ein junger Kollege sich das antun, wenn er anderswo mehr Geld verdient und mehr Freizeit hat“, fragte Winter. Applaus bekam er für seine Forderung, die Politik müsse dafür sorgen, dass die Unterschiede der Behandlung zwischen Kassen- und Privatpatienten nicht zu groß werden. Komplizierter war sein Plädoyer dafür, die Kassenzahlungen nicht ab dem 1001. Patienten zu kappen. Auch das Versprechen der Politik, alles Machbare auch zu leisten, sah er nicht mehr ausreichend finanziert und forderte mehr Ehrlichkeit – oder mehr Geld.

Thomas Winter sah aber auch Lichtblicke. „Es hilft, wenn ich jungen Kollegen erzähle, dass es Spaß macht, auf dem Land mit Kindern und jungen Leuten zu arbeiten, wenn man sieht, wie Menschen gesund wiederkommen“, sagte er. Und verstecken müsse sich das deutsche Gesundheitssystem keineswegs.

Der Saerbecker SPD-Ortsverband will das Thema beim nächsten Stammtisch am 2. Dezember (19 Uhr, Bierbar Markt 23) weiter bearbeiten.



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