Do., 22.09.2016

Bekommt jetzt Prof. Wetters Konzept eine neue Chance? Nahwärme steht vor dem Aus

Je tiefer der Rot- oder Orangeton,  desto höher ist der Wärmebedarf der Häuser, zeigt diese Wärmebedarfsdichtekarte von Saerbeck. Ältere Häuser im Gebiet Emsweg (unten links) oder Eschgarten (unten rechts) sind deshalb gute Kandidaten für eine Nahwärmeversorgung, die relativ neuen Baugebiete im Norden und Südwesten (hellgrün) weniger.

Je tiefer der Rot- oder Orangeton,  desto höher ist der Wärmebedarf der Häuser, zeigt diese Wärmebedarfsdichtekarte von Saerbeck. Ältere Häuser im Gebiet Emsweg (unten links) oder Eschgarten (unten rechts) sind deshalb gute Kandidaten für eine Nahwärmeversorgung, die relativ neuen Baugebiete im Norden und Südwesten (hellgrün) weniger. Foto: Alfred Riese

Saerbeck - 

Das Nahwärmeprojekt „KWK-Modellkommune“ in seiner bisherigen Form steht vier Jahre nach seinem Start vor dem Aus. Mit Ach und Krach würde es sich so gerade eben rechnen. Nach Abschluss der letzten Feinkalkulation listet Bürgermeister Wilfried Roos allerdings eine Druckseite mit Risiken, Einschränkungen und Nachteilen auf. Seine Empfehlung in der Sitzung des Planungsausschusses am Mittwoch: Trotz des Sieges im Landeswettbewerb, trotz des Titels „KWK-Modellkommune“ und auch bei der Aussicht auf bis zu 13 Millionen Zuschüsse keinen Förderantrag stellen. Roos blieb sich in Sachen Klimapolitik und Nachhaltigkeit allerdings treu.

Von Alfred Riese

Das Nahwärmeprojekt „KWK-Modellkommune“ in seiner bisherigen Form steht vier Jahre nach seinem Start vor dem Aus. Mit Ach und Krach würde es sich so gerade eben rechnen. Nach Abschluss der letzten Feinkalkulation listet Bürgermeister Wilfried Roos allerdings eine Druckseite mit Risiken, Einschränkungen und Nachteilen auf. Seine Empfehlung in der Sitzung des Planungsausschusses am Mittwoch: Trotz des Sieges im Landeswettbewerb, trotz des Titels „KWK-Modellkommune“ und auch bei der Aussicht auf bis zu 13 Millionen Zuschüsse keinen Förderantrag stellen. Roos blieb sich in Sachen Klimapolitik und Nachhaltigkeit allerdings treu. Das Ende des einen Nahwärme-Projekts könnte die Wiedergeburt eines anderen sein. Eine Entscheidung über den Ausstieg aus dem Projekt „KWK-Modellkommune“ wurde n die Ratssitzung am nächsten Donnerstag vertagt.

Seit 2012 ist Nahwärmeversorgung ein Thema in Saerbeck. Das Dorf sprang im Landeswettbewerb des grünen Umweltminister Johannes Remmel ins Finale, wurde eine von sechs Kommunen, die Zugriff auf 20 Millionen Fördergelder bekommen sollten. Aber seit der Bund 2014 das Erneuerbare-Energien-Gesetz änderte und damit die Kalkulationsgrundlage erschoss, ist der Wurm drin. Alle Reparaturversuche nutzten wohl zu wenig.

Hendrik Baschek, Leiter regenerative Energie bei der Gelsenwasser AG als Kooperationspartner der Gemeinde bei den Nahwärmeplänen, fasste dort zusammen, was er zwei Wochen zuvor bereits den politischen Vertretern bei einer Ratsinfoveranstaltung erklärt hatte. Die Gelsenwasser AG hatte im Februar die Arbeit des vorherigen Partners, der Fernwärme Niederrhein, übernommen und die Kalkulation überarbeitet. Das Ergebnis: Für 15 Millionen Euro Investitionskosten gäbe es maximal 245 Hausanschlüsse ohne die Möglichkeit des Ausbaus. Die Netzverluste auf der Strecke aus dem Bioenergiepark, wo die Abwärme herkommen sollte, sind höher als gedacht, der Wärmebedarf der Kunden niedriger. Es gibt Bürgschaftskosten und Risiken bei den Vertragslaufzeiten, dafür fallen Erträge und Renditen niedrig aus. Für Bürgermeister Roos reichte das nicht, und auch aus der Politik gab es keine Gegenrede.

Nur 220 Häuser und wackelige Kalkulation – „wir müssen den Mut haben jetzt zu sagen: Leider geht es nicht“, erklärte Anne Raffel (CDU). „Nach den bisher aufgelaufenen Kosten ist es Zeit, den Deckel draufzumachen“, schloss sich Mechthild Lüggert (UWG) an.

Zumindest Bürgermeister Roos und Prof. Christoph Wetter von der FH in Steinfurt wollen indes am Ziel einer klimaneutralen, wirtschaftlichen Wärmeversorgung festhalten. Änderungen der Rechtslage würden demnach ein Konzept von Prof. Wetter aus dem Jahr 2014 reanimieren: kleinteiliger Ausbau, nach und nach und mit dezentralen Blockheizkraftwerken, als Bürgergenossenschaften mit Eigenverbrauch des Stroms. Das wurde damals zugunsten der Abwärmenutzung aus dem Bioenergiepark verworfen, die Wiederkehr überraschte jetzt die Politik und fing sich erste skeptische Reaktionen der CDU ein. Fördermittel gäbe es, sagte Roos, „die Ideen sind noch nicht zu Ende“. Immerhin: Saerbeck hat als letzte der sechs KWK-Modellkommunen das Handtuch geworfen.

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