Fr., 13.01.2017

Nach neun Jahren auf dem Chefposten: Anne Raffel gibt den Vorsitz der Saerbecker CDU ab Ein lange angekündigter Abschied

Laptop, Aktenordner und die Tageszeitung auf dem Tisch: Anne Raffel, im Januar 2017 ausscheidende Vorsitzende der CDU-Ortsunion Saerbeck.

Laptop, Aktenordner und die Tageszeitung auf dem Tisch: Anne Raffel, im Januar 2017 ausscheidende Vorsitzende der CDU-Ortsunion Saerbeck. Foto: Alfred Riese

Nach neun Jahren gibt Anne Raffel den Vorsitz der Saerbecker CDU ab. Am kommenden Donnerstag wählen die Mitglieder auf einer Versammlung bei Ruhmöller Raffels Nachfolger. Mitten im Rennen aufzugeben, die vergangenen Kommunalwahlen sind noch nicht mal zwei Jahre her – da muss es doch gewichtige Gründe geben, die sie unserem Mitarbeiter Hans Lüttmann erläuterte.

Nach neun Jahre geben Sie Ihr Amt also ab, hätten Sie nicht wenigstens die zehn voll machen oder bis zur nächsten Wahl weitermachen können?

Anne Raffel : Ach, wissen Sie, man soll aufhören, wenn es da noch einige Menschen gibt, die traurig darüber sind. Aber nein, Quatsch, natürlich gibt es einen sehr guten Grund, jetzt das Amt abzugeben: die Bundestagswahl im September, die meine ganze Energie und Arbeit als Referentin für Anja Karliczek erfordert. Sie erhielt 2013 zwar 47,9 Prozent der Erststimmen und konnte den Wahlkreis mit einem Vorsprung von über elf Prozentpunkten, direkt gewinnen – aber Steinfurt III ist kein sicherer CDU-Wahlkreis.

Wie haben Ihre Parteifreunde denn reagiert, als Sie Ihren Rückzug bekanntgaben?

Anne Raffel: Angekündigt hatte ich das ja schon vor zwei Jahren, also war niemand überrascht. Mein Rückzug wird ja auch kein heftiger Einschnitt, ich gebe die Verantwortung nach und nach ab. Und ich weiß, dass ich keine große Lücke hinterlassen werde. Ohne Team ist eine Vorsitzende nichts, und wir haben ein tolles Team.

Da schwebt Ihnen doch sicher schon ein Nachfolger vor?

Anne Raffel: Das streite ich gar nicht ab, aber am kommenden Donnerstag haben die Mitglieder das Wort, und ich bin sicher, dass sie eine gute Wahl treffen werden.

Wie war das denn damals vor neun Jahren, wie sind Sie an das Vorsitzenden-Amt gekommen?

Anne Raffel: Oh je, das war schon turbulent. Albert Plagemann, mein Vorgänger, verabschiedete sich kurz vor der Wahl nach Emsdetten, da kam Alfons Günnigmann auf mich zu und sagte: „Du musst das jetzt machen!“ Und am selben Tag, als ich gewählt wurde, unglaublich, aber es war genauso, an dem Tag erhielt ich eine Jobzusage im Team von Markus Pieper. Einen sanften Übergang ins Saerbecker Vorsitzendenamt gab es also nicht, morgens standen einige Kisten mit Plagemanns Unterlagen in meinem Carport, und dann ging es los – mit Job, mit Amt und drei schulpflichtigen Kindern.

Lassen Sie uns mal auf die Saerbecker Kommunalpolitik blicken. Ich muss vorwegschicken, dass ich in all den Jahren etliche Kommunalgremien kennengelernt habe; aber in Saerbeck fällt mir besonders auf, dass Hauen und Stechen, um das mal flapsig zu formulieren, so gut wie nie stattfindet.

Anne Raffel: Das kann ich mit einem Wort erklären: Respekt. Egal, zu welcher Partei wir gehören, wir wollen doch alle dasselbe: dass es voran geht mit Saerbeck. Es ist doch nicht unser Job, Sandkastenspielchen zu veranstalten, wir wollen alle dasselbe – nur aus unterschiedlichen Motiven.

Und wie weit sind Sie da gekommen?

Anne Raffel: Die Wirtschaft brummt, die Gemeindefinanzen sind in Ordnung, ich bin überzeugt, dass die mageren Jahre überstanden sind.

In denen es nicht immer Spaß machte, den Saerbeckern zu erklären, warum sie den Gürtel noch enger schnallen sollten.

Anne Raffel: Ja, aber wir wollten auf keinen Fall in die Haushaltssicherung abrutschen, und das hieß nun mal sparen bis ultimo. Überall haben wir zurückgefahren, nur das Mehrgenerationenhaus und die Jugendarbeit waren und sind tabu.

Was sagen Sie denn, um auf ein ganz aktuelles Thema zu kommen, was sagen Sie zur Nordumgehung?

Anne Raffel: Das Thema beschäftigt uns ja schon lange, und ganz ehrlich: Ich habe kaum noch damit gerechnet, dass die Nordumgehung im Bundesverkehrswegeplan diese Priorität bekommt. Wer im Dorf wohnt, freut sich über die Aussicht auf weniger Durchgangsverkehr und mehr Sicherheit auf den Schulwegen, aber natürlich kann ich auch die Landwirte verstehen. Ich wollte auch nicht, dass da eine große Straße durch meinen Vorgarten gebaut wird. Aber wie der Bürgermeister ja schon sagte, das Heft des Handelns haben wir jetzt nicht mehr in der Hand.

Zurück nach Ibbenbüren in Anja Karliczeks Büro. Was haben Sie denn da groß zu tun?

Anne Raffel: Eine ganze Menge. Mein Tag fängt mit Zeitung- und Pressespiegellesen an, nicht eine, sondern alle, die für den Kreis von Belang sind. Sehen Sie, wenn Anja Karliczek eine soziale Einrichtung, ein Unternehmen oder was auch immer besucht, dann muss sie doch wissen, wo dort der Schuh drückt; die Menschen, die uns einladen, die wollen doch was von uns, da sollten wir ihre Sorgen und Wünsche schon ziemlich gut kennen.

Wünsche – ein gutes Stichwort zum Schluss. Was wünschen Sie Ihrem Nachfolger?

Anne Raffel: Geduld, Gelassenheit und die Fähigkeit, nicht alles persönlich zu nehmen. Der Parteivorsitz macht ja nicht immer Spaß, aber im Blick zurück überwiegt doch die Freude, gemeinsam einiges im Dorf bewegt zu haben. Was ja nicht aufhören wird, meine Mandate im Kreis und in der Gemeinde gebe ich ja nicht auf.

Und noch mal Wünsche: Was wünschen Sie sich?

Anne Raffel: Eine gute Zeit, einen erfolgreichen Wahlkampf und danach einen schönen Urlaub.



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