Di., 06.02.2018

Tuchmacherstraße „Berliner Kissen“ gegen Temposünder

Spielzonenschild und auch Poller sollen den Verkehr bremsen, funktionieren laut Anwohnern aber nicht.

Spielzonenschild und auch Poller sollen den Verkehr bremsen, funktionieren laut Anwohnern aber nicht. Foto: Alfred Riese

Saerbeck - 

100 Stundenkilometer hatte das schnellste Auto auf dem Tacho, das in den Weihnachtsferien auf der Industriestraße kurz vor der Einfahrt in die Spielzone Tuchmacherstraße gemessen wurde. Nur ein Drittel der knapp 1600 Fahrzeuge in den zehn Tagen der Messung habe das Tempolimit von 30 km/h auf Höhe des Fliesenhandels und des Steinmetzbetriebs dort eingehalten, weist der Bericht der Gemeindeverwaltung aus.

Von Alfred Riese

Er unterstützt damit die Beobachtung von Anliegern, dass Poller und Beete wenig bringen und „dass unverändert mit Geschwindigkeiten um 50 km/h in die Tuchmacherstraße (Spielstraße und zudem Schulweg) eingefahren wird“. Zwei Anlieger schlugen deshalb in einem Bürgerantrag vor, an dieser Stelle ein „Berliner Kissen“ auf die Straße zu setzen.

Alle Fraktionen stellten sich in der jüngsten Sitzung des Planungsausschusses ohne große Diskussion hinter diese Idee. Darüber hinaus möchte die CDU vorhandene Betonpoller nicht entfernen, wie die Gemeindeverwaltung vorschlägt, sondern damit das letzte Stück der Industriestraße zusätzlich enger machen, erklärte der Fraktionsvorsitzende Bernd Willebrandt. Seine Fraktionskollegin Anne Raffel griff die Schilderung aus dem Bürgerantrag auf, dass „vor allem Anwohner im hinterem Bereich der Siedlung“ die Temposündern seien, und bedauerte: „Jetzt müssen wir Nachbarn vor Nachbarn schützen.“

Bauamtsleiter Andreas Fischer wies darauf hin, dass mit einem „Berliner Kissen“ an der Zufahrt zur Tuchmacherstraße ein „Präzedenzfall“ geschaffen werden könnte für „viele Stellen wie diese“. Die Kosten für eine solche Straßenschwelle beziffert die Verwaltung mit 2000 Euro.

Ausprobiert: Vernunft, ein bisschen Mathematik und eine Messfahrt bringen ein eindeutiges Ergebnis. Die gesamte Tuchmacherstraße zu durchfahren, dauert 2 Minuten und 22 Sekunden – wie die Schilder sagen mit Schrittgeschwindigkeit, so genau, wie der Tacho es hergibt. Das ist eine zumutbare Zeit, weil sie der Preis ist für mehr Verkehrssicherheit, gerade für die Kinder, die nicht gerade mit im Auto sitzen. Auf dem nur knapp 100 Meter langen Stück Industriestraße vor der Einfahrt in die Spielzone 50 statt der erlaubten 30 km/h zu fahren, bringt einen Zeitvorteil von knapp fünf Sekunden. Die Unvernunft zu vieler, die ihre Tonne Blech teils viel zu schnell auf dem selben Pflaster bewegen, das auch Kinder benutzen, kostet jetzt wohl 2000 Euro für eine Straßenschwelle, die eigentlich keiner will. Es war richtig von CDU, UWG, SPD und Grünen, dafür ohne viel Federlesen die Hände zu heben. Alfred Riese



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