Fr., 29.01.2016

Ledder Werkstätten Büffeln für den „Angelschein“

Büffeln für den Fischereischein: Michael Holtmann (hinten. links). die LeWe-Mitarbeiter Thomas Adick und Heinrich Robertus (hinten, von rechts) mit den behinderten Kursteilnehmern.

Büffeln für den Fischereischein: Michael Holtmann (hinten. links). die LeWe-Mitarbeiter Thomas Adick und Heinrich Robertus (hinten, von rechts) mit den behinderten Kursteilnehmern. Foto: jbi

Kreis Steinfurt/Lengerich - 

Eine Premiere im Kreis Steinfurt: 14 Frauen und Männer mit geistigen und psychischen Behinderungen bereiten sich zur Zeit auf einen Prüfung vor. Sie wollen den „Angelschein“ erwerben.

14 Frauen und Männer mit geistigen und psychischen Behinderungen blicken konzentriert im „Blauen Haus“ auf ihre Unterlagen. Alle sind in den Ledder Werkstätten (LeWe, Tecklenburg) beschäftigt und chronisch behindert. „Bauen Sie eine Rute zum Fang von Karpfen mit dem notwendigen Zubehör waidgerecht zusammen“, lautet die Anforderung von Michael Holtmann. Der 54-jährige Grevener, seit Jahrzehnten erfahrener Angler und Ausbilder, schult die Gruppe – eine Premiere.

60 Fragen aus sechs Sachgebieten. Davon sind mindestens 45 (darunter mindestens sechs aus jedem Gebiet) binnen einer Stunde richtig zu beantworten. Hinzu kommen 15 Minuten praktische Prüfung. Ohne gründliche Vorbereitung, die in den Abendkursen der Vereine mehrere Wochen dauert, geht es nicht: Die Fischerprüfung, landläufig Angelschein, macht man nicht mal eben so.

Schließt das Angelbegeisterte, die beispielsweise an Legasthenie leiden oder eine Lernschwäche haben, aus? Hört Inklusion am Angelteich auf?

Markus Schmid kommt nach vorne, legt Rolle, Schnur, Köderkarte und alles andere zur Rute. „Prima“, lobt Holtmann. So geht das, mit Pausen, den ganzen Vormittag über. Die Gruppe arbeitet sich durch Allgemeine Fischkunde, befasst sich mit Naturschutz, Schonzeiten für bestimmte Arten und natürlich der Praxis.

Dazu hat Holtmann ein Dutzend Ruten mitgebracht, verschiedene Haken, Kunstköder und Bleie ordentlich aufgereiht. Das Schaubild zeigt Raubfische, also geht es an die Montage einer Rute für Hecht. Immer praxisnah, in einfacher Sprache, mit vielen Wiederholungen und in seiner ruhigen Art vermittelt der Ausbilder Wissen. Das braucht Zeit, aber alle freuen sich auf die Schulungstage im „Blauen Haus“ in Lengerich.

Wer an deutschen Gewässern fischen will, muss die Fischerprüfung bestehen. Von Amts wegen: „Wir kommen mit einem Prüfungsteam. Das besteht aus einem Prüfer und zwei ehrenamtlichen Beisitzern“, berichtet Joachim Ternes, beim Kreis Steinfurt zuständig für die Untere Fischereibehörde. Es ist wie beim Führerschein: Bei der Prüfung gibt es kein Pardon. Die Fragen, die vorgegebene Zeit, alles identisch, ob mit oder ohne Behinderung. Neben der deutlich längeren Ausbildung ist am Prüfungstag selbst jedoch eine Hilfe zulässig: Die Prüfung werde in deutscher Sprache abgehalten. Aber für Menschen ohne Lesefähigkeit oder ausländische Mitbürger sei es gestattet, dass ihnen in einem separaten Raum die Fragen vorgelesen werden, so Ternes. Darin liegt die Chance für einen Teil der 14 Petrijünger; Holtmann ist optimistisch, dass alle die Prüfung im Februar schaffen können.

Die Gruppe plane eine Abschlussfahrt und eine Fahrt zum Osnabrücker Ausrüster, berichten Heinrich Robertus und Thomas Adick. Die beiden LeWe-Mitarbeiter begleiten den Kursus und freuen sich über den tollen Zusammenhalt der Gruppe. Sie denken schon über Angelausflüge an andere Gewässer nach, denn die Lizenz zum Fischen ist jetzt für 14 Menschen mit Behinderung zum Greifen nah.

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