Do., 24.03.2016

Hollicher Hermann Ascheberg wanderte 1855 aus In Holzschuhen nach Amerika

Nach 141 Jahren  kehrte ein Paar Holzschuhe von Amerika über den großen Teich wieder zurück nach Hollich. Wie ihren Augapfel behütet Annegret Arning die inzwischen über 160 Jahre alten Gegenstände von Ihrem Ururgroßonkel Hermann Ascheberg.

Nach 141 Jahren  kehrte ein Paar Holzschuhe von Amerika über den großen Teich wieder zurück nach Hollich. Wie ihren Augapfel behütet Annegret Arning die inzwischen über 160 Jahre alten Gegenstände von Ihrem Ururgroßonkel Hermann Ascheberg. Foto: hjp

Burgsteinfurt - 

Unter dem Thema „Von Steinfurt in die Welt – Auswanderer“ steht der dritte Geschichtstag des Kulturforums Steinfurt in Zusammenarbeit mit den Heimatvereinen und weiteren Partnern, der am 9. April im Borghorster Heimathaus und am 10. April im Behördenhaus an der Hohen Schule in Burgsteinfurt eröffnet wird. Die Geschichtswerkstatt des Stadtmuseums beteiligt sich mit einer Ausstellung. Es werden einige Auswanderungsgeschichten von Burgsteinfurter Familien, unter anderem der Familie Ascheberg illustriert.

Von Hermann-Josef Pape

„Auf nach Amerika“ – der Traum von einem besseren Leben trieb auch Hermann Ascheberg aus Hollich 1855 an, die große Fahrt übers Wasser zu wagen. Hier seine Geschichte:

Die alte Fußbekleidung ist nicht Bestandteil von Kostümen oder für die Aufführung von traditionellen Holzschuhtänzen, die Annegret Arning stolz in ihren Händen hält. Anders als bei Tongefäßen oder Münzen ist das tatsächliche Alter von Klompen schwer zu bestimmen. Nicht so bei diesen über 160 Jahre alten Holzschuhe ihres Ururgroßonkels Hermann Ascheberg. Handwerklich hergestellte Holzschuhe waren bis zum Zweiten Weltkrieg die Fußbekleidung für die einfachen Menschen auf dem Land. Über den Träger des hölzernen Schuhwerks wusste Annegret Arning, geborene Ascheberg, viel zu berichten.

„Nach der Auswanderung meines Ururgroßonkels Hermann Ascheberg im Jahre 1855 nach Amerika hatte man lange Jahre von ihm nichts mehr gehört. 1900 ist sein Bruder Gerd auf dem Elternhof meines Ururgroßonkels in Hollich 25, heute 55, ledig verstorben.

Auf dem Sterbebett hatte er noch gesagt, dass er Geld versteckt habe. Damals hatte man ja eine alte Eichentruhe mit Geheimfächern. Darin hatte er das Bargeld versteckt, das man nach seinem Tod fand. Bis heute ist nicht bekannt, woher er das Geld hatte, da er keinen Beruf ausübte. Er war halt der Öhm auf dem Hof. Später fand man seine Verfügung, in der er bestimmte, dass das Geld gedrittelt werden sollte – für das Anwesen zu Hause, für den Auswanderer Hermann und für seine Zwillingsschwester Maria Ascheberg, die 1863 Gerrit Vennemann, wohnhaft in Hollich 39/1 (ab 1935 Nr. 44), geheiratet hatte. Diese Anordnung wurde durchgeführt“.

Der Geldsegen aus der Truhe muss wohl beträchtlich gewesen sein, erklärt Annegret Arning, denn vom häuslichen Anteil konnte der Neubau Hollich 55 bezahlt werden. Aus Amerika erhielten die Burgsteinfurter Angehörigen zum Leidwesen jahrzehntelang keine Bestätigung der Überweisung. „Als Kind habe ich immer wieder zu Hause gehört, dass wir im weiten Amerika Verwandte haben. Später fand ich dazu Unterlagen, die ich deuten konnte. Meinen Großvater Johann Ascheberg habe ich darauf öfters angesprochen. Ich vergesse nicht, wie er darauf ärgerlich reagierte: Dao smeet he siene Kippse up de Grund un siär: „Wicht swig still, de sint allbineen in’n Ozean vödrunken.“

„Da habe ich gedacht, das kann doch nicht wahr sein. Ich hatte immer noch nicht die Hoffnung aufgegeben, von den Verwandten in Amerika was zu erfahren.“ Findet man nach so langer Zeit noch Spuren des Aschebergers? Wie ist es ihm in der Neuen Welt ergangen, wo haben seine Angehörigen gelebt?

„1987 erhielt ich eine Anfrage von Bernhard Overesch, Hollich 17 und Bernhard Dauermann, Hollich 68, ob ich Verwandte in Lafayette im Bundesstaat der Vereinigten Staaten von Amerika habe“, erzählt Annegret Arning weiter. „Ganz zufällig fanden sie dort auf dem Friedhof mehrere Grabsteine mit meinem Mädchennamen Ascheberg. Und siehe da, die Ascheberg-Linien in Burgsteinfurt erfuhren nach mehr als 130 Jahren, wo der 1855 ausgewanderte Hermann eine neue Heimat gefunden hatte.

Bei den weiteren Nachforschungen mit Brief- und Telefonkontakten hat uns Pfarrer Wilfried Mahler sehr geholfen. 1996 machten wir uns – meine Mutter, Onkel und Tante, mein Mann Willi und ich – auf den Weg nach Amerika zu einem großen Familientreffen mit rund 180 Teilnehmern. Zum Schluss der Feierlichkeiten schenkte mir die Urenkelin von Hermann Ascheberg das Paar Holzschuhe, mit der der Auswanderer 1855 amerikanischen Boden betrat. Des weiteren gab sie mir nach 96 Jahren ein Bestätigungsschreiben, dass das Geld ein Jahr nach seinem Tod im Jahre 1900, angekommen sei. Im darauf folgenden Jahr 1997 waren die Nachfahren des Ausgewanderten zu einem Gegenbesuch auf dem Ur-Hof der Aschebergs in Hollich zu Gast.“

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