Di., 29.03.2016

Von Menschen und Haien Der Hai-Flüsterer

Mit Tigerhai Emma auf Du und Du: Jupp Kerckerinck zur Borg schwimmt mit ihnen und kämpft dafür, sie mehr zu schützen als zu fürchten.

Mit Tigerhai Emma auf Du und Du: Jupp Kerckerinck zur Borg schwimmt mit ihnen und kämpft dafür, sie mehr zu schützen als zu fürchten. Foto: R.Terpstra

Kreis Steinfurt - 

Steven Spielbergs Film „Der weiße Hai“ sorgte 1975 für volle Kinokassen und löste eine Massenpanik an Stränden aus, sobald eine Hai-Flosse von Urlaubern gesichtet wurde. Doch Haie sind gar keine Menschenfresser. „Der weiße Hai bei Spielberg war eine Maschine“, betont Josef Baron Kerckerinck zur Borg aus Greven. Der 76-Jährige weiß, wovon er spricht.

Von Peter Sauer

Denn Haie sind seine Freunde. Bevor der „Hai-Flüsterer“ in der nächsten Adam Riese Show (29. Mai im Theater im Pumpenhaus in Münster – es gibt noch wenige Karten!) zu Gast ist, erläuterte er uns seine Faszination für Haie – bevor er bald wieder mit ihnen durch die Tiefen der Weltmeere taucht.

Hand aufs Herz: Was machen die meisten Menschen mit 76 Jahren? Sie lassen es eher ruhig angehen, blicken aufs Leben zurück und gönnen sich Müßiggang und Ruhe. Nicht so Jupp Kerckerinck zur Borg. Lieblingsbetätigung des Greveners: Schwimmen mit Haien! Echten!

Im Gespräch mit dieser Zeitung erläutert der gebürtige Baron seine Lebensliebe. Zurück liegen die Zeiten, als er eine Werbefirma leitete, die erste kommerzielle Wildfarm in New York gründete und für Fiat und Alfa Romeo Tourenwagenrennen fuhr. Mit 60 setze er sein Leben auf Neustart, fing mit dem Tauchen an, in und um Harbour Island, Bahamas: „Die Unterwasserwelt ist einmalig. Beim Tauchen fühlt man sich wie frei fliegend“, schwärmt er, während im Grevener Kamin das Holz knistert. Mit 63 überredete ihn seine zweit-jüngste Tochter Philipa, von Beruf Meeresbiologin, zum Tauchen mit Haien. Zunächst in einem Käfig nahe der Isla Guadalupe, im mexikanischen Pazifik, wo er die Gelegenheit hatte weiße Haie aus nächster Nähe zu sehen. Mittlerweile taucht der 76-Jährige ganz ohne Schutz.

Buchtipp

Jupp Kerckerinck zur Borg: Haie: Eine Liebesgeschichte; Reprint 2016; ISBN 978-3-939838-40-1

Er tauchte in der ganzen Welt mit Karibischen- und anderen Riffhaien, Bullen-, Zitronen-, Ammen, Silberspitzen-, Hammer- und mit seinen besonders geliebten Tigerhaien. Mit ihnen im offenen Meer zu schwimmen und zu entdecken wie sie etwa wunderschöne Korallenriffe am Leben erhalten, ist für ihn nunmehr unverzichtbar. Aber auch der unbedingte Wille, so viel wie möglich über sie zu erfahren, prägt sein Leben seitdem. „Ein Hai ist für mich das faszinierendste und missverstandenste Tier der Welt.“ Während der bislang mehr als 150 Tauchgänge in allen Weltmeeren erlernte er die Körpersprache und besonderen Fähigkeiten der Haie.

„Tigerhaie ziehen Membranen übers Auge als Schutz“, erläutert er. „Haie können über Lorenzinischen Ampullen (Sinnesorgane unter der Haut) den Herzschlag eines Menschen spüren – ohne ihn zu berühren.“ Haie sind unglaublich neugierig. Im Umgang mit ihnen erlernte Kerckerinck zur Borg besondere Coolness und Respekterweisungen unter Wasser: „Ein Hai kam auf mich zugeschwommen. Kam von der Seite. Ein bis zwei Meter von mir entfernt. Hat beigedreht. Schwamm 45 Minuten neben mir her. Am nächsten Tag erlebte er die gleiche Situation mit demselben Hai. Als ob er schon auf ihn gewartet hatte, wie ein guter Kamerad. Der Grevener gründete den gemeinnützigen Verein „Sharkprotect“ ( www.sharkprotect.com) und schrieb ein Buch samt Hai-Lexikon. Mit Erfolg. Kerckerinck zur Borg ist mittlerweile Präsident des Shark Research Institutes in Princeton, New Jersey. Gerne möchte er nachfolgende Generationen informieren: „Mit meinen Erlebnissen, Filmen und Fotos biete ich mich für Vorträge in Schulen an – kreisweit.“

Die Stirn des lebenslustigen „Hai-Flüsterers“ aus Greven wirft tiefe Sorgenfalten. Denn er will Haie auch beschützen. Böse Monster gebe es nur in Kinoschockern wie Steven Spielbergs „Der weiße Hai“, denn: „Menschen entsprechen gar nicht dem Beuteschema von Haien. Die beißen nur zu, wenn sie gefoppt oder mit der Hand gefüttert werden, meistens für ein lausiges Handy-Selfie. Die Folge dieser Überheblichkeit: Hai beißt Mensch. Dieser stirbt an Blutverlust. Er wird keineswegs aufgefressen. Die wahren Barbaren sind für den 76-Jährigen jene Menschen, „die jährlich 70 bis 100 Millionen Haie grausam abschlachten“. Die meisten für Haiflossen-Suppe in China oder für einen obskuren Hochzeitsbrauch. Bei lebendigen Leibe werden den Haien die Flossen abgeschnitten. Sie verenden grausam am Meeresboden.

Und was macht man nun, wenn man einen schlechten Tag erwischt hat und ein Hai kommt mit Brustflossen nach unten (Zeichen für Aggressivität) auf einen zu? „Ganz ruhig verhalten“, empfiehlt Jupp Kerckerinck zur Borg, „auf keinen Fall herumstrampeln oder gar wegschwimmen. Stattdessen immer den Blickkontakt suchen, bis sich der Hai gelangweilt davonmacht“. Das machen Haie häufiger, weiß der 150-fache Hai-Taucher.

Der Kontakt mit den Haien hat sein Leben verändert. Von Hause war er früher Jäger und Angler. Beides ist jetzt Tabu. Er lebt bewusster, gerade im respektvollen Umgang zwischen Tier und Mensch. Mit bald 77 springt er einige Male pro Jahr ins Meer, um mit den Haien zu schwimmen. Am 19. April geht es wieder los.

Zum Thema

Live-Erlebnis: Jupp Kerckerinck zur Borg ist Gast in der Adam Riese Show : Sonntag, 29. Mai, 19 Uhr, Theater im Pumpenhaus, Gartenstraße 123, Münster. Weitere Gäste: Martin Reinl/Ilka Luza. Karten: WN-Ticket-Shop, Prinzipalmarkt 13-14; Jörgs CD-Forum, Alter Steinweg 4 oder www.cd-forum.com.

www.adamriese.net

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