Do., 22.09.2016

Richter sieht „keine günstige Sozialprognose“ für 25-Jährigen Senf-Trick: Täter muss ins Gefängnis

 

  Foto: Mike Oelerich

steinfurt/rheine - 

Im Mai soll der Angeklagte mehrmals versucht haben, Senioren mit einem Trick-Diebstahl um ihre Geldbörse zu erleichtern. Die Taten sollen unmittelbar vor der Verurteilung wegen weiterer Delikte geschehen sein.

Von Monika Koch

Wegen versuchten Trickdiebstahls mit Senf wurde am Dienstag gegen einen 25-jährigen Flüchtling aus Steinfurt, der aus Nordalgerien stammt, am Amtsgericht Rheine verhandelt.

Der Angeklagte wurde aus der Untersuchungshaft vorgeführt. Die Staatsanwaltschaft warf ihm drei Versuche am 2., 3. und 24. Mai in Steinfurt vor, bei denen er Rentnern Senf auf die Kleidung gespritzt haben soll, um sie zu reinigen und dabei ihre Geldbörse zu stehlen. Sie scheiterten allesamt. Bei der ersten Senfattacke wurden er und seine Komplizen – zum Teil noch unbekannt – beobachtet und flüchteten. Beim zweiten und dritten Versuch trafen sie auf Rentner, die darüber in der Zeitung gelesen hatten, sich sofort heftig wehrten und Abstand nahmen. Den Tätern blieb nur die Flucht, der Angeklagte konnte aber in Borghorst ermittelt werden. Der Strafrichter in Rheine verurteilte ihn nach seinem Geständnis zu acht Monaten ohne Bewährung, weil er keine günstige Sozialprognose sah.

„Ich entschuldige mich, es tut mir leid, ich habe noch niemals wegen Straftaten vor Gericht gestanden“, so der Angeklagte. „Sie wurden doch am 3. Mai 2016 wegen gemeinschaftlichen Diebstahls und versuchten gemeinschaftlichen Diebstahls zu sechs Monaten mit Bewährung verurteilt, am 18. Februar haben Sie zudem einen Strafbefehl über 300 Euro wegen Diebstahls bekommen“, hielt ihm der Richter vor. Da habe er nur Schmiere gestanden, so der Angeklagte. „Haben Sie bewusst ältere Menschen ausgesucht?“ fragte der Richter. „Ich habe die gar nicht ausgesucht“, antwortete der 25-Jährige, er sei nur dabei gewesen.

Seit November 2015 sei er in Deutschland. Auf seine Zukunftspläne angesprochen, sagte er: „Ich will hier etwas Geld verdienen und dann zurück zu meiner Familie“. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft hatte sogar ein Jahr und sechs Monate ohne Bewährung beantragt, „weil der Angeklagte die Justiz durch sein Verhalten verspottet“. Die Verteidigung hielt eine milde Bewährungsstrafe für ausreichend. Schließlich habe der Angeklagte die Taten eingeräumt und den Rentnern damit eine Aussage vor Gericht erspart. Es sei fraglich, ob sie ihn wiedererkannt hätten.

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