Fr., 23.09.2016

Behinderten-Versorgung Stationäre Plätze fehlen

Kreis Steinfurt - 

Im Kreis Steinfurt, insbesondere in Rheine, fehlen stationäre Plätze für die Betreuung von Behinderten. Grund ist ein Moratorium zwischen LWL und Freien Trägern aus 2012, auf stationäre Plätze zu Gunsten des Ausbaus ambulanter Strukturen zu verzichten.

Von Achim Giersberg

Im Kreis Steinfurt fehlen stationäre Plätze für die Behindertenbetreuung. Vor allem für geistig und psychische behindere Menschen gibt es einen Engpass in der stationären Versorgung. Jürgen Kockmann, Abteilungsleiter Behindertenhilfe Westfalen beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe, LWL, sprach vor dem Ausschuss für Soziales und Gesundheit am Mittwochabend von einer „deutlichen Unterversorgung“, vor allem für Menschen mit einem hohen Hilfebedarf.

Alleine in Rheine fehlen derzeit akut sieben stationäre Plätze, mittelfristig sogar 18 Plätze, womit sich Angehörige an den LWL und die NRW-Behindertenbeauftragte Elisabet Veldhues gewandt hatten. Auch die Statistik spricht eine klare Sprache. So gab es zum 31. Dezember 2015 im Kreis Steinfurt 1,61 stationäre Wohnplätze für geistig Behinderte pro 1000 Einwohner; in ganz Westfalen-Lippe waren es 1,94 Plätze. Ähnliche Unterschiede gibt es bei den stationären Wohnplätzen für psychisch Behinderte, Suchterkrankte und Menschen mit körperlichen Behindrungen. Insgesamt gibt es im Kreis für diese vier Behindertengruppen 2,29 stationäre Wohnplätze pro 1000 Einwohner, während es in Westfalen-Lippe mit 2,78 deutlich mehr sind.

Ursache ist wohl ein Moratorium zwischen den Freien Trägern und dem LWL aus dem Jahr 2012. Darin wurde festgelet, dass es zunächst für die Dauer von 5 Jahren keinen Ausbau von stationären Plätzen im Kreis Steinfurt geben sollte, ebenso wenig wie eine Verlagerung stationärer Plätze von außerhalb in den Kreis. Statt dessen sollte die „Ambulantisierung“ durch Umstrukturierung von Wohngruppen forciert werden.

Veldhues zeigte sich gestern im Gespräch mit dieser Zeitung „entsetzt“ über das Moratorium. Weder die Kreispolitik noch die betroffenen Eltern und Angehörigen hätten davon gewusst. Schon in der Sitzung hatte Veldhues gefordert, das Moratorium zu ignorieren und sofort mit der Vorbereitung für die Schaffung neuer Plätze zu beginnen. Für Behinderte sei es unzumutbar, in Großeinrichtungen gebracht zu werden, die oft mehrere hundert Kilometer von ihrer Heimat entfernt seien. Damit verlören sie familiäre Kontakte und ihr gesamtes soziales Umfeld. Vielmehr müssten Plätze von außerhalb in den Kreis Steinfurt verlagert oder hier neu geschaffen werden.

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