Mi., 30.11.2016

Azubi mit Spitzenleistung Kein Beruf für Jedermann

Jano Gommer (l.) mit seinem Chef Markus Dartmann im Abschiedsraum des Bestattungsunternehmens. Dort werden die Verstorbenen aufgebahrt, damit sich die Angehörigen von ihnen verabschieden können.

Jano Gommer (l.) mit seinem Chef Markus Dartmann im Abschiedsraum des Bestattungsunternehmens. Dort werden die Verstorbenen aufgebahrt, damit sich die Angehörigen von ihnen verabschieden können.

Burgsteinfurt - 

Jano Gommer hat einen ganz anderen Berufsweg eingeschlagen, einen, von dem man gemeinhin meint, dass junge Leute ihn nicht unbedingt wählen: Gommer ist Bestatter. Und nicht nur irgendeiner: Hat der Mitarbeiter des Burgsteinfurter Bestattungshauses Dartmann doch jüngst beim Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks im Bezirk der Handwerkskammer Münster den ersten Platz unter den Auszubildenden seines Fachs belegt.

Von Ralph Schippers

Dunkler Anzug, dezente Krawatte, gepflegtes Äußeres: Jano Gommers Erscheinungsbild spiegelt Diskretion und Seriosität wider. Der 24-Jährige könnte glatt als Jungunternehmer oder Banker durchgehen. Doch er hat einen ganz anderen Berufsweg eingeschlagen, einen, von dem man gemeinhin meint, dass junge Leute ihn nicht unbedingt wählen: Gommer ist Bestatter. Und nicht nur irgendeiner: Hat der Mitarbeiter des Burgsteinfurter Bestattungshauses Dartmann doch jüngst beim Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks im Bezirk der Handwerkskammer Münster den ersten Platz unter den Auszubildenden seines Fachs belegt.

Für Gommer galt es, vor den Prüfern eine Arbeitsprobe zu absolvieren. „Ich musste unter anderem einen Brief aufsetzen, ein Trauergespräch führen und eine Dekoration erstellen“, berichtet der Bestatter. Auf Landesebene schaffte Gommer wenig später zudem einen beachtlichen zweiten Platz.

Leistungen, auf die auch sein Chef Markus Dartmann stolz ist. Dem Geschäftsführer des Burgsteinfurter Traditionsunternehmens fiel es leicht, den gebürtigen Neuenhauser als Mitarbeiter zu übernehmen. Aber nicht nur deswegen: „Ich habe schon beim Praktikum von Jano gemerkt, dass er der Richtige für uns ist“, so Dartmann.

Jano Gommer hat schon früh angefangen, sich für den Beruf des Bestatters zu interessieren. Kein Wunder, arbeitet doch sein Vater in dem gleichen Beruf. „Ich habe schon früh im elterlichen Betrieb ausgeholfen“, berichtet der 24-Jährige. Nach Abschluss der Höheren Handelsschule begann er indes zunächst ein Studium des Eventmanagements in Berlin. Er habe jedoch schnell gemerkt, dass eine traditionelle Handwerksausbildung der bessere Weg für ihn sei. „Ich habe mich dann bundesweit um eine Ausbildungsstelle als Bestattungsfachkraft beworben“, so der junge Mann. Einen Ausbildungsberuf, den es im übrigen offiziell erst seit 2003 gibt. Auch heute noch ist der Beruf des Bestatters frei, er kann auch ohne Ausbildung oder Prüfung ausgeübt werden. Gommer indes bevorzugte eine Fachausbildung mit Abschlussprüfung.

Auf das Burgsteinfurter Unternehmen Dartmann ist er über eine Internet-Recherche gestoßen. Nach besagtem Praktikum war für beide Seiten dann klar: Das Ausbildungsverhältnis kann beginnen.

Eigentlich habe er zunächst gar nicht ausbilden wollen, erinnert sich Markus Dartmann. Hintergrund sei die Tatsache gewesen, dass Ausbildungskräfte im Bestattungswesen mehr als die Hälfte ihrer Lehrzeit nicht im Betrieb, sondern in der Berufsschule verbringen. Das mache es schwierig, den Neulingen die Philosophie des Unternehmens näher zu bringen, so Dartmann.

Im Fall von Jano Gommer war diese Skepsis unbegründet. Der junge Mann hat sich bereits zur etablierten Kraft bei Dartmann entwickelt, gehört fest zum fünfköpfigen Team. Und der Bestattungsunternehmer weiß: „Die Nachfrage nach qualifizierten Kräften steigt auch in unserer Branche stetig an.“

Und Gommer selbst? Was mag der junge Mann an seinem Beruf? „Es gibt immer neue Situationen, die es zu meistern gilt“, schätzt der 24-Jährige die besonderen Herausforderungen, die der Bestatter-Beruf mit sich bringt. „Man ist viel mit Menschen in Kontakt, unterstützt bei der Trauerarbeit“, betont Gommer. Und er ergänzt: „Es kommt viel Dankbarkeit zurück.“

Mitunter belaste die Arbeit natürlich auch. Vor allem, wenn man zu einem Unfallort gerufen werden oder einen Verstorbenen abholen müssen, der sich das Leben genommen hat. „Man weiß nie, was einen erwartet“, hat Gommer gelernt. Er habe anfangs ausgetestet, ob er diesen Situationen gewachsen ist. „Man schaut, ob man das aushalten kann, was es mit einem macht, ob man abschalten kann oder nachts sogar davon träumt“, erzählt er. Es könne auch sein, dass er aktiv das Gespräch mit dem Vater oder anderen Kollegen sucht.

Voraussetzung sei in jedem Fall, dass man bei der Wahl dieses Berufes ehrlich gegenüber sich selbst ist. Wer das nicht sei, steige früher oder später wieder aus. Anders Jano Gommer: Er hat schon sein nächstes berufliches Ziel im Auge und möchte Bestattermeister werden.



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