Do., 01.12.2016

Kreis Steinfurt rüstet den Rettungsdienst auf Mehr Standorte, Personal und Autos

Kreis Steinfurt rüstet den Rettungsdienst auf : Mehr Standorte, Personal und Autos

Im Kreis Steinfurt soll der Rettungsdienst um 20 Kräfte verstärkt werden. Foto: Fotolia.com

Kreis Steinfurt - 

Der Rettungsdienst im Kreis Steinfurt wird in den kommenden zwei Jahren massiv ausgeweitet: Das ist die Konsequenz aus einem Gutachten, das der Kreis in Auftrag gegeben hatte. Es gibt zwei neue Rettungswachen-Standorte, mehr Personal, mehr Fahrzeuge – und noch mehr Kosten.

Von Achim Giersberg

15 statt zwölf Wachenstandorte, erheblich mehr Personal und Fahrzeuge und noch mehr Kosten: Der Rettungsdienst im Kreis Steinfurt wird in den kommenden beiden Jahren massiv ausgebaut. Das ist die Konsequenz aus einem von der Kreisverwaltung in Auftrag gegebenen Gutachten bei der Firma „Orgakom“. Darin stellen die Gutachter permanent steigende Einsatzzahlen fest. 2015 waren das 59 240 Einsätze im Kreisgebiet (ohne Fehlalarme), eine Steigerung von 28,4 Prozent zum Jahr 2010 und von 45,1 Prozent zum Jahr 2005. Auch für 2016 wird eine abermalige Steigerung um 2,6 Prozent erwartet. Ordnungsamtsleiter Helmut Heuing erläuterte am Mittwochabend vor dem Ausschuss für Gesundheit, Soziales, Integration und Bevölkerungsschutz die wichtigsten Neuerungen.

Neue Rettungswachen-Standorte in Altenberge und Mettingen

In Altenberge und Mettingen entstehen zwei neue Rettungswachen; eine dritte neue Rettungswache in Rheine rechts der Ems, wie sie im Vorgängergutachten empfohlen wurde, ist derzeit im Bau. In Altenberge soll künftig ein Rettungstransportwagen, RTW, montags bis sonntags je zehn bis zwölf Stunden stationiert sein. Damit könne auch die benachbarte Wache Borghorst entlastet werden, für die es ansonsten keine Veränderungen gibt. Dort wird nach wie vor ein RTW rund um die Uhr vorgehalten sowie ein Notarzteinsatzfahrzeug, NEF, montags bis freitags je 8,5 Stunden im Standortwechsel mit der Wache Burgsteinfurt. In Mettingen wird künftig in einer neuen Wache ein NEF montags bis freitags je zwölf Stunden stationiert. Davon, so Heuing, soll auch die Rettungswache Ibbenbüren profitieren, deren nördliches Einzugsgebiet von der neuen Mettinger Wache entlastet wird. In Ibbenbüren entfällt deshalb ein nur im Umfang von 40,5 Wochenstunden fallweise eingesetztes zweites NEF. Ansonsten bleiben Struktur und Umfang der Ibbenbürener Wache unverändert: Zwei RTW und ein NEF sind dort rund um die Uhr stationiert.

Die Rettungswache Rheine wird um den Standort rechts der Ems erweitert, wohin das RTW 2 verlegt wird sowie ein NEEF 2, das bisher nur bei Verfügbarkeit unregelmäßig zum Einsatz kam. Die NEF-Vorhaltung in Rheine steigt damit von 168 auf 251 Wochenstunden.

Kleinere Verbesserungen stehen in der Rettungswache Rheine Süd an. Der dortige RTW steht künftig auch am Wochenende je elf oder zwölf Stunden zur Verfügung. Ähnlich in Lengerich: Der dortige RTW 2 steht künftig auch samstags und sonntags je zwölf Stunden zum Einsatz bereit. Die Wache Westerkappeln wird einen zweiten RTW erhalten, das täglich neun bis zehn Sunden einsatzbereit steht. Und nicht zuletzt: Der zweite RTW in Emsdetten wird auch am Wochenende jeweils zwölf Stunden vorgehalten und das NEF statt bisher montags bis freitags je 8,5 Stunden künftig je elf Stunden. Außerdem werden die bisherigen Krankentransportwagen-Kapazitäten, die allerdings nicht Teil der Notfallrettung sind, um Standorte in Altenberge und Westerkappeln erweitert, so dass die KTW-Kapazität von kreisweit 518 auf 602 Wochenstunden steigt.

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20 neue Kräfte erforderlich

Das alles erfordert natürlich zusätzliches Personal. Heuing geht davon aus, dass die bisherige Personalvorhaltung von jährlich 282.400 Stunden um jährlich rund 38.000 Stunden aufgestockt werden muss. Das entspreche mindestens 20 neuen Kräften. Bei den Notärzten, die teilweise von den Krankenhäusern, teilweise aus dem Notarzt-Pool des Kreises gestellt werden, beläuft sich der Mehraufwand auf rund 7250 Stunden pro Jahr, ein Zuwachs von 16 Prozent gegenüber den jetzigen 43.600 Jahresstunden. Die Rekrutierung neuer Kräfte werde eine „Herkulesaufgabe“, meinte Heuing und es sei keineswegs sicher, ob das gelingen werde. Leichter wird der Fahrzeugbestand zu erhöhen sein: Von 17 auf 19 RTW, von sieben plus zwei NEF auf neun vollwertige NEF und von sieben auf zehn KTW. Hinzu kommen neun Reservefahrzeuge (fünf RTW, drei NEF, ein KTW.)

Entsprechend explodieren die Kosten für den Rettungsdienst: Gab der Kreis im Jahr 2010 noch 11,4 Millionen Euro für den bodengebundenen Rettungsdienst (also ohne Hubschrauber) aus, so sind es 2016 schon 25 Millionen Euro, eine Summe, die mit Umsetzung des Gutachtens in den Jahren 2017/18 auf jährlich 30 Millionen Euro steigen wird. Der Kreis bekomm diese Kosen zu 100 Prozent von den Krankenkassen erstattet, mit denen die Ausweitung auch abgesprochen ist. Letztlich zahlen dann die Krankenkassenmitglieder über ihre Beiträge die Kosten der Notfallrettung. 

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