Mo., 02.10.2017

Küsterfamilie Badde Familien-Ära endet nach 175 Jahren

175 Jahre lang hat die Familie Badde den Küster in der Pfarrei St. Nikomedes gestellt. Mit Monika und Robert Badde endet eine Ära.

175 Jahre lang hat die Familie Badde den Küster in der Pfarrei St. Nikomedes gestellt. Mit Monika und Robert Badde endet eine Ära. Foto: Bischöfliche Pressestelle

Borghorst - 

In der Kirchengemeinde St. Nikomedes steht ein fast schon als historisch zu bezeichnendes Ereignis an: Nach 175 Jahren beenden Robert Badde und seine Frau Monika die Ära der Küsterfamilie. Schon der Urururgroßvater hatte die Stelle inne.

So schnell bringt Robert Badde nichts aus der Ruhe. Hauptsache, die Krawatte sitzt ... Ob beim Klettern auf der Leiter oder beim Kollektieren im Gottesdienst – das modische Accessoire ist in den vergangenen mehr als 40 Jahren zu seinem Markenzeichen geworden.

Als Küster von St. Nikomedes musste er ein Alleskönner sein – liturgisch fit, handwerklich geschickt und kopffest, wenn es mal wieder ins Gewölbe der Pfarrkirche hinaufging. Vom Urururgroßvater bis zum Vater – nach 175 Jahren beenden Robert Badde und seine Frau Monika nun die Ära der Küsterfamilie. Auch wenn die drei erwachsenen Badde-Kinder alle kirchenmusikalisch tätig sind, den Eltern hauptberuflich folgen wollte keiner: „Das ist so in Ordnung“, sagt Monika Badde, die später, als die Kinder aus dem Gröbsten raus waren, ebenfalls eine Sakristan-Ausbildung gemacht hat.

Auf dem Papier ist am 21. Oktober (Samstag) für sie Schluss. Ehemann Robert ist offiziell schon seit 2009 als Rentner nur noch mit ein paar Stunden im Dienst. Doch weil im Spätherbst die Advents- und Weihnachtszeit naht, soll der Wechsel erst zum 1. Januar erfolgen.

Mit ihren Geschichten könnten die Baddes ganze Bücher füllen. Als Robert Baddes Vater 1976 von der Leiter fiel, war für den damaligen Pfarrer Karl Holthaus klar: Der Sohn gibt seinen Küsterdienst in Coesfeld auf und übernimmt in guter Familientradition die Aufgaben in St. Nikomedes. Viel Zeit blieb nicht, der neue Job drängte und Kind Nummer eins ebenfalls. Dass Wohnen und Arbeiten räumlich nah beieinanderlagen, war für die Familie praktisch: „Wir waren immer schnell an der Kirche.“

Die freundschaftlichen Beziehungen zu den Vikaren und Kaplänen der Pfarrei haben die Baddes gerne gepflegt: „Wir hatten oft einen der jungen Geistlichen beim Essen am Tisch sitzen.“

Als Küster muss man flexibel sein. Beerdigungen sind nicht im Voraus planbar. Und auch sonst kommt vieles unverhofft. So wie vor Ewigkeiten eine klemmende Kirchentür an Heiligabend: „Ich habe alles versucht, aber die Tür ging nicht wieder zu.“ Während der damals junge Familienvater verzweifelt probierte, das Gotteshaus abzuschließen, saß Ehefrau Monika mit den ungeduldigen Kindern zu Hause und wartete auf die Bescherung.

Einiges hat sich in den vergangenen Jahrzehnten in der Kirche verändert. Monika Badde fehlen vor allem die feierlichen Messen von früher – mit ordentlichem Orgelbrausen. Sie beschreibt es selbst als „heilige Freude“, die heute oftmals nicht mehr spürbar sei. Und natürlich waren früher mehr Gläubige in den Gottesdiensten. An den Schwund habe man sich schon fast gewöhnt. Trotzdem glaubt die Küsterin, dass sich mit einer schönen Gestaltung der Messen Men-schen bewegen und ansprechen lassen.

Kaum einen Tag hat es in den mehr als 40 Jahren gegeben, an dem Robert Badde nicht wenigstens kurz in seiner Kirche nach dem Rechten geschaut hat. Der Diebstahl des Borghorster Stifts-kreuzes 2013 hat alles Erlebte getoppt: „Das war ein Riesenschock für alle“, sagt auch Monika Badde. Dass das wertvolle Reliquiar Anfang 2017 gefunden wurde, war für beide eine enorme Erleichterung.

Dankbar sind Baddes für die großartige Unterstützung, die sie bekommen haben – egal, was es wann zu tun gab: „Wenn wir um Hilfe gebeten haben, hat nie jemand Nein gesagt.“ Und deshalb laden sie die vielen Unermüdlichen, die stets zur Stelle waren, nach der Vorabendmesse am 21. Oktober zu einem Umtrunk ein. Zuvor treffen sich am Nachmittag alle in der Liturgie Engagierten zu einem Vortrag und Austausch.

Im neuen Jahr freut sich das Paar vor allem auf mehr Freizeit. Sie wollen Städte bereisen und die Enkelkinder besuchen. Ehrenamtlich engagieren werden sie sich selbstverständlich weiter-hin in der Pfarrei. Und wenn Not am Mann ist, springen sie bestimmt das eine oder andere Mal ein ...



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