Mo., 02.10.2017

Drei Greenkeeper sind das ganze Jahr über im Einsatz Die Natur gibt den Arbeitstakt vor

 

  Foto: Axel Roll

Burgsteinfurt - 

Von so einem Rasen träumt jeder Gartenfreund: dicht und fest wie ein frisch-grüner Teppich, zu 100 Prozent frei von Unkraut, topfeben und auf den Millimeter genau auf Minimalhöhe getrimmt. Mit den beiden Übungsplätzen hat der Golfplatz im Bagno elf solcher bis zu 400 Quadratmeter großen Aushängeschilder gärtnerischer Rasenpflegekunst. Dass die Golfspieler niemanden anders als sich selbst – kein vorwitziges Löwenzahnblättchen, keine Kuhlen, Hügelchen oder kahle Stellen – für verunglückte Schläge verantwortlichen machen können, das verdanken sie einem eingespielten Dreier-Team, das sich das ganze Jahr über um die Pflege des altehrwürdigen Golfplatzes im Herzen des Steinfurter Erholungsgebietes kümmert. Rudolf Rüße, Theo Stoldreier und Frank Horstmeier. Zweimal die Woche hilft ihnen außerdem Alexander von den Caritas-Werkstätten.

Von Axel Roll

„Heute Morgen werden die Fairways, also die Spielbahnen, gemäht, mittags sind die Grüns an der Reihe, dann kommen die Vorgrüns und die Abschläge“, gibt Rudolf Rüße zu Dienstbeginn um acht Uhr die Parole des Tages aus. Parallel, der Herbst lässt grüßen, wird das Trio noch bis Dezember das fallende Laub auf Trab halten. „Nicht zu vergessen die Eicheln, in diesem Jahr eine echte Plage“, grummelt Rüße.

Er hat die größte Erfahrung, ist seit 39 Jahren auf dem Platz („Mein Gott, wo ist die Zeit geblieben?“) und eigentlich schon längst im Ruhestand. „Ein paar Stunden die Woche mache ich aber immer noch. Ich kann‘s einfach nicht lassen“, grinst der 66-jährige Hollicher und zieht sich die blaue Baseballkappe ins Gesicht. „Du bis ständig draußen in der Natur. Und außerdem weißt Du nie, was der Tag so bringt. Das entscheidet immer das Wetter“, nennt Rudi, wie ihn alle auf dem Golfplatz rufen, die Vorzüge seiner beruflichen Leidenschaft. Auch wenn der ehemalige Landwirt täglich die Golfer hautnah bei ihrem Hobby erlebt – im Gegensatz zu Kollege Theo Stoldreier, der sich schon ein sehr ordentliches Handicap unter 20 erspielt hat, ist er noch nie auf die Idee gekommen, selbst den Schläger in die Hand zu nehmen. „Nee, das ist nix für mich, den weißen Bällen hinterher zu laufen“, winkt Rüße ab und greift stattdessen lieber zum Laubbläser, um Blätter und Eicheln vom Übungsgrün zu pusten.

Mähen, vertikutieren, wässern, beschneiden, düngen („aber nur ganz wenig“), harken, säubern, die Grüns abruten, also von der morgendlichen Feuchtigkeit befreien, aber auch Maschinen wie die bis zu 70 000 Euro teuren Mäher warten – die Arbeit nimmt auf dem Platz kein Ende – ändert sich nur mit den Jahreszeiten. Däumchendrehen, das können die drei Kollegen eigentlich nur im Januar. Rudi Rüße: „Da bauen wir dann Überstunden ab.“

Natürlich sind es die Greenkeeper, die bei ihren Einsätzen rund um die neun Spielbahnen die meisten der weißen Bälle wiederfinden, die die Spieler bei ihren verunglückten Schlägen in der Landschaft verteilt haben. Zwei dieser Irrläufer haben Rudolf Rüße auch schon getroffen. „Einer am Bein, einer an der Brust.“ Das war in beiden Fällen natürlich keine böse Absicht. Die Mitglieder des Golfclubs Münsterland wissen nur zu genau, was sie an ihren Greenkeepern haben. Wie gesagt, sind die Greens nicht richtig gemäht, läuft es bei den Golfern auch nicht rund.



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