Mi., 04.10.2017

Malerin Julia Drahmann Was gehört zu einem Gesicht?

Julia Drahmanns Bilder wirken extrem realistisch – beziehen ihren Reiz aber gerade daraus, dass sie anders als Fotos aufs Wesentliche reduziert sind.

Julia Drahmanns Bilder wirken extrem realistisch – beziehen ihren Reiz aber gerade daraus, dass sie anders als Fotos aufs Wesentliche reduziert sind. Foto: Bernd Schäfer

Burgsteinfurt - 

Manche der Bilder wirken realistisch wie hoch aufgelöste Fotografien. Und doch auch wieder irgendwie anders, ohne dass auf den ersten Blick klar ist, warum. Und genau das verleitet zum zweiten, längeren Blick auf das Bild.

Von Bernd Schäfer

Julia Drahmann geht es ganz bewusst um das Spiel mit Identität und Identitätslosigkeit – obwohl ihre Porträts die auf ihnen dargestellten Personen genau abzubilden scheinen, sind die Gesichter doch wieder so reduziert, dass es fast unmöglich ist, ihnen reale Menschen zuzuordnen.

Die Anregungen für ihre Bilder holt sich die 29-Jährige (fast-)gebürtige Burgsteinfurterin („Ich bin in Osnabrück geboren, aber meine Eltern sind nach Burgsteinfurt gezogen, als ich gerade ein paar Tage alt war“) oft aus Modezeitschriften. „Und dann schaue ich: Was interessiert mich an einem Gesicht – was braucht es, was braucht es nicht?“, beschreibt Julia Drahmann die Entstehung ihrer Porträts, von denen die meisten in Ölfarben auf Leinwand entstehen. Das sei der Unterschied zum klassischen Porträt: „Hier geht es nicht ums Erkennen einer bestimmten Person.“ Die Leinwand als Untergrund übe ebenfalls eine ganz besondere Wirkung aus: „In den Zeitschriften werden die Bilder, die ich als Vorlagen nehme, in der Regel nur konsumiert. Dadurch, dass sie auf Leinwand gebannt werden, verweilt man vor ihnen.“

Zusätzliche Eindringlichkeit erhalten die von ihr dargestellten Menschen dadurch, dass es als Hintergrund nur eine Farbfläche gibt – nichts lenkt das Auge des Betrachters vom Elementaren ab.

Die mittlerweile in Münster lebende Malerin, die 2012 den Kulturpreis des Kreises Steinfurt erhielt und als Lehrerin für Kunst und Geschichte am Arnold-Janssen-Gymnasium tätig ist, hat aber auch noch eine ganz andere Ausdrucksseite: Dann arbeitet sie nur wenige Details von Gesichtern fein heraus, der Rest scheint mit groben Pinselstrichen wie hingeworfen. „Dabei löse ich mich dann komplett von der Vorlage“, beschreibt Julia Drahmann.

Auch in diesen eher experimentellen Arbeiten sind die Gesichter – meist von Frauen – zentraler Bestandteil des Motivs, allerdings wesentlich verfremdet.

Eine Auswahl der Bilder von Julia Drahmann ist noch am kommenden Samstag und Sonntag (7. und 8. Oktober) jeweils von 11 bis 17 Uhr im Huck-Beifang-Haus zu sehen.



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