Fr., 06.10.2017

Interview mit Ferdi Brust „Nach vorne kommen“

Nach acht Jahren gibt Ferdi Brust aus gesundheitlichen Gründen den Vorsitz des Seniorenbeirats ab.

Nach acht Jahren gibt Ferdi Brust aus gesundheitlichen Gründen den Vorsitz des Seniorenbeirats ab. Foto: Axel Roll

Steinfurt - 

Im Seniorenbeirat war er von Beginn an „der erste Mann“: Nach acht Jahren legt Ferdi Brust das Amt des Ersten Vorsitzenden nieder. Redaktionsmitglied Axel Roll zog mit dem rührigen Borghorster Bilanz und fragte ihn auch, was er künftig auf der Agenda hat.

Von Axel Roll

Herr Brust, wie lange waren Sie eigentlich Vorsitzender des Seniorenbeirats?

Brust: Acht Jahre. Ich war gleich bei der ersten Wahl mit dabei. Aufgrund meiner Herkunft als Rheinländer war ich erst sehr skeptisch, ob ich dort überhaupt eine Chance habe. Schließlich war ich umringt von lauter Paohlbürgern. Die haben mich aber mit offenen Armen aufgenommen. Nur Dank der großen Unterstützung, die ich in dem Gremium erfahren habe, konnten wir so viel gemeinsam bewegen.

Wie kam es jetzt zu dem doch relativ unerwarteten Rücktritt?

Brust: Mein plötzlicher Abgang hat gesundheitliche Gründe. Probleme mit dem Herzen, um es genau zu sagen. Ich fühle mich nicht krank, habe mich aber entschlossen, dem Herrgott nicht allzu viel abzuverlangen. Bislang hat er mich nämlich ganz gut begleitet.

Acht Jahre sind als Vorsitzender eine lange Zeit. Beim Blick zurück stellt sich die Frage: Sind Sie mit dem Erreichten zufrieden?

Brust: Wer zufrieden ist, der wird nichts mehr erreichen. Man muss immer schauen, dass man nach vorne kommt. Wir haben sicherlich gute Sachen angestoßen, auf die wir auch stolz sein können.

Welche Projekte waren das?

Brust: An erster Stelle nenne ich das Toilettengebäude auf dem Friedhof Haselstiege, das wir realisieren konnten. Dann wären die Geländer am Rathaus-Eingang zu nennen. Schließlich Maßnahmen wie Bordsteinabsenkungen und Ähnliches. Und nicht zu vergessen die zahlreichen Informationsveranstaltungen, zum Beispiel zum Thema E-Bikes oder Patientenverfügung, die wir in den Stiel gestoßen haben. Das wichtigste Projekt ist aber sicherlich der Bürgerbus, der vom Seniorenbeirat angestoßen wurde. Zusammen mit dem leider viel zu früh verstorbenen Herbert Hille konnte ich dabei maßgeblich tätig werden.

Wie würden Sie die Wahrnehmung des Seniorenbeirates in der Öffentlichkeit beschreiben?

Brust: Sie ist nicht so wie sie sein sollte. Woran das liegt, weiß ich nicht. Über die Gründe haben wir im Seniorenbeirat schon oft diskutiert. Vielleicht sind die Senioren in Steinfurt sehr zufrieden. Vielleicht sind sie aber auch betriebsblind und sehen einfach nicht, was verbesserungswürdig ist. Wir bekommen jedenfalls aus dem Kreis der Senioren sehr wenig bis gar keine Anstöße, dieses oder jedes zu ändern.

Kann man daraus schließen, dass die Situation der älteren Menschen in der Stadt gar nicht so schlecht ist?

Brust: Das möchte ich nicht unbedingt sagen. Die Situation der Senioren ist in der gesamten Bundesrepublik nicht so, wie wir es uns wünschen. Bei vielen Projekten sind uns die Hände gebunden, weil die Verantwortlichen auf die schlechte finanzielle Situation der Stadt verweisen. Ob viele Ältere deswegen abwinken und sagen, ach komm, lass laufen, nutzt sowie nichts, könnte ich mir auch sehr gut vorstellen.

Sie sprechen es gerade an. Weil Ihr Gremium nur beratend tätig sein kann, sind Sie auf eine gute Kooperation mit Rat und Verwaltung angewiesen. Hat die so geklappt, wie Sie sich das vorstellen?

Brust: Ich muss sagen, wir haben bei der Verwaltung immer ein offenes Ohr. Gerade bei Frau Bögel-Hoyer. Es hapert, wie ich schon sagte, eigentlich immer nur am Geld. Ein anderes Argument sind die bestehenden Gesetze, die eine Umsetzung unserer Anliegen unmöglich machen. Für uns stellt sich dann die Frage, ob es Kann- oder Muss-Bestimmungen sind. Beispiel Bordsteinabsenkungen: Wir hätten sie gerne ebenerdig, die Verwaltung sagt, dass sie mindestens eine Kantenhöhe von zwei bis drei Zentimetern haben müssen. Wir wissen aber, dass Münster die Absenkungen kantenfrei baut. Für Rollstuhl- oder Rollator-Fahrer ein Riesen-Vorteil. Übrigens in Borghorst vor der Bauhaus-Apotheke zu sehen.

Schauen wir in die Zukunft. Welche Felder müsste der Seniorenbeirat künftig noch beackern?

Brust: Das schöne alte Pflaster in der Altstadt müsste rollatorgerecht gestaltet werden. Aber da sind wir wieder beim Geld. 40 000 Euro sind kein Pappenstiel, das wissen wir auch. Mit weitaus bescheideneren finanziellen Mitteln wären aber die bestehenden Querungshilfen optisch deutlicher hervorzuheben. Ein bisschen Farbe könnte da schon helfen.

Was macht ein Ferdi Brust, nachdem er seinen Vorsitz beim Seniorenbeirat niedergelegt hat?

Brust: Er bleibt Vorsitzender des Bürgerbusvereins. Dafür schlägt mein Herz ganz besonders heftig. Außerdem bleibe ich im Seniorenbeirat bis zur nächsten Wahl, nur eben als einfaches Mitglied. Dann habe ich noch eineinhalb Traktoren. Das Fahren damit entschleunigt und macht riesig Spaß. Übrigens genauso wie das Schrauben.



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