Do., 09.11.2017

Hollicher Mühle bekommt neue Flügel Da passt kein Handtuch mehr zwischen

Mühelos zieht der Kran den 1,2 Tonnen schweren Flügel in die Höhe. Huub Hummelilnk hält auf der Galerie die Sicherheitsleine..

Mühelos zieht der Kran den 1,2 Tonnen schweren Flügel in die Höhe. Huub Hummelink hält auf der Galerie die Sicherheitsleine. Foto: Axel Roll

Burgsteinfurt - 

Dass seine Kollegen so präzise gearbeitet haben und nicht mal mehr ein Handtuch dazwischenpasst, damit hat Gerben Herck nun doch nicht gerechnet. Das weiße Frottee, das eigentlich den Lack des neuen Windmühlenflügels schonen sollte, klemmt in seinem Lager so fest, dass alles Ziehen, Zerren und Gegendrücken mit der Brechstange nichts nutzt.

Von Axel Roll

So hebt der Mühlenbauer in geschätzten 20 Metern Höhe gezwungenermaßen den Daumen. „Hoch, hoch.“ Und wie von Geisterhand gezogen, schwebt die 1,2 Tonnen schwere Flügelkonstruktion mit Hilfe des mächtigen Krans wieder gen Himmel. Herck zieht das Handtuch heraus, senkt den Daumen und zack, sitzt das 25 Meter lange Monstrum wieder an Ort und Stelle. Jetzt noch schnell die Keile mit dem Vorschlaghammer in Position bringen, das Brett gegen das Verrutschen anschrauben – und schon sitzt Flügel Nummer eins bombenfest in der Nabe. „Deubelschlag, hätte nicht damit gerechnet, dass das so schnell geht“, staunt Hans Knöpker vom Förderkreis der Hollicher Mühle. „Das ist für uns Routine“, zuckt Gerben Herck mit den Schultern. Er macht seit 25 Jahren nichts anderes als Mühlenbau. Allerdings ist der Betrieb aus dem niederländischen Lochem nicht nur auf Wind-, sondern auch auf Wassermühlen spezialisiert. In Hollich dauert es keine drei Stunden, bis das Wahrzeichen der Burgsteinfurter Bauerschaft wieder komplett aussieht.

Fotostrecke: Neue Flügel für die Hollicher Mühle

Der zweite Flügel flutscht nämlich quasi wie von selbst in sein Lager. Diesmal verzichtet der Mühlenbauer auf das Handtuch. Trotzdem. Herck und Kollege Huub Hummelink werden noch einige Tage zu tun haben, um die Hollicher Mühle wieder fit zu machen. Nach den Flügeln ist das Stertwerk dran, das wie Flügel und Schindelhaut in fast 30 Jahren unter Wind und Wetter kräftig gelitten hat. „Wenn dann noch die Außenhaut saniert wird, haben wir hoffentlich die nächsten Jahre Ruhe“, deutet Hans Knöpker auf die unterste Schindelreihe auf der Galerie, die offensichtlich kräftig unter Zahnausfall leidet.

Huub Hummelink schleppt derweil die Holzlatten für die Segelgatter auf die Galerie. Auch die werden nicht verschraubt oder genagelt. „Wir verkeilen alles“, sagt Hummelink und greift in die Kiste mit den kleinen Holzklötzchen. Nur die Keile selbst werden mit einem Nagel gegen das Verrutschen gesichert. Hummelink weiß: „Das sitzt bombenfest.“



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