Do., 09.11.2017

Gedenkfeiern zu den Pogromen vom 9. November 1938 Nicht annähern, sondern abgrenzen

In Burgsteinfurt gestalteten Schüler des Gymnasiums Arnoldinum die Gedenkfeier, die traditionell an der Kautenstege stattfand.

In Burgsteinfurt gestalteten Schüler des Gymnasiums Arnoldinum die Gedenkfeier, die traditionell an der Kautenstege stattfand. Foto: rs

Steinfurt - 

„Wehret den Anfängen“ – bei den Gedenkveranstaltungen zur Pogromnacht am 9. November 1938 war der Tenor in Borghorst und Burgsteinfurt der selbe. Christoph Strässer, Ex-SPD-Bundestagsabgeordneter aus Münster, rief die Menschen an der Stelle, an der vor 79 Jahren die jüdische Synagoge in Borghorst in Flammen aufging, dazu auf, alles dafür zu tun, „dass die Menschenrechte nicht noch einmal mit Füßen getreten werden“. Es gelte, den Rechtsstaat mit allen Kräften zu verteidigen.

In beiden Stadtteilen nahmen die Redner am Donnerstagabend Bezug auf den um sich greifenden Populismus. Christoph Strässer: „Es darf keine Annäherung an solche Kräfte geben, sondern nur Abgrenzung.“ Bei der vom Borghorster SPD-Ortsverein und der Initiative Stolpersteine organisierten Gedenkveranstaltung wandte sich Strässer auch an die Kräfte in der Gesellschaft, die eine Leitkultur fordern: „Wir haben eine Leitkultur. Sie steht in Artikel eins des Grundgesetztes und lautet: Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

Bevor die Teilnehmer an der Lechtestraße den Opfern des Nationalsozialismus mit einer Schweigeminute gedachten, hatte Josef Bergmann als Sprecher der Stolpersteine die Namen aller jüdischgläubigen Borghorster in den 30er Jahren vorgelesen. Für die musikalische Begleitung zeichnete Johanna Bülter verantwortlich. Stellvertretender Bürgermeister Klaus Meiers hatte die Gäste begrüßt: „Sie setzen ein deutliches Zeichen gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit.“

In Burgsteinfurt hatten Schüler des Gymnasiums Arnoldinum die Gedenkveranstaltung am Standort der ehemaligen Synagoge gestaltet. „Es ist wichtig, dass gerade junge Leute die Geschichte wachhalten“, betonte Ursula Kunze von der Initiative Stolpersteine Burgsteinfurt, die für die Organisation verantwortlich zeichnete. Kunze hob damit wie Christoph Strässer auf aktuelle bundespolitische Entwicklungen ab: „Es sitzen Volksvertreter im Bundestag, die Menschen ausgrenzen und sie diskriminieren.“

Die Gymnasiasten trugen Zeitzeugenberichte zu den Geschehnissen am 9. November 1938 in Burgsteinfurt vor. Obwohl der diensthabende Polizeibeamte das Unrecht hautnah miterlebte, griff er nicht ein – auch weil der damalige Bürgermeister ihm sagte, dass die Gewalt gegen die jüdischen Mitbürger „von oben“ angeordnet worden sei.

Bevor die Gedenkfeier in der Kleinen Kirche mit Lesungen und Musik fortgesetzt wurde, gaben die Jugendlichen die Familiengeschichte der Steinmanns in Burgsteinfurt wieder, die seinerzeit ein Geschäft am Markt hatten. Nur drei Familienmitglieder überlebten den Holocaust.



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