Mi., 06.12.2017

Anlieger der Tabakfabrik wehren sich gegen Neubaupläne Qualm in der Bude

Die alte Tabakfabrik Rotmann soll zu einem schicken Wohnquartier umgebaut werden. Ärger gibt es jetzt um die geplanten beiden Neubauten, die den Nachbarn zu mächtig erscheinen.

Die alte Tabakfabrik Rotmann soll zu einem schicken Wohnquartier umgebaut werden. Ärger gibt es jetzt um die geplanten beiden Neubauten, die den Nachbarn zu mächtig erscheinen. Foto: Drunkenmölle

Burgsteinfurt - 

Dass bei einer Tabakfabrik Rauch irgendwie eine Rolle spielt, ist erst einmal nichts Ungewöhnliches. Im Fall der lange stillgelegten Tabakfabrik Rotmann waren es am Dienstagabend allerdings die Nachbarn, die für gehörig Qualm in der Bude sorgten – um den Ärger, den der geplante Umbau zu einem stilvollen Wohnquartier heraufbeschwören hat, lax zu umschreiben.

Von Axel Roll

Gegen die Umnutzung der malerischen Backsteingebäude in gediegene Eigentumswohnungen hat niemand etwas. „Überhaupt wollen wir gar nichts verhindern“, stellte Dietmar Dertwinkel als Sprecher der Nachbarschaft aus dem Neubaugebiet Spinnerei Rolinck klar. Allerdings die geplanten Neubauten der Investoren Max und Christoph Schulte zwischen Fabrik und Baugebiet, die wollen die Anlieger in ihrer Größe und Masse nicht akzeptieren, wie sie bei der Präsentation der Pläne vor den Mitgliedern des Planungsausschusses nur zu deutlich machten. Das brachte wiederum Investor Christoph Schulte unter die Decke. „Wenn sich das alles nicht rechnet, dann machen wir wieder eine Spedition aus der Fabrik“, drohte er.

So versuchten Verwaltung und die Fraktionen erst einmal, die Wogen zu glätten. CDU-Fraktionschef Norbert Kerkhoff: „Es ist ja noch nichts passiert.“ Um sich ein Bild von der Situation vor Ort zu machen, wurde eilig ein Besichtigungstermin – an einem Samstagmorgen – verabredet.

Die Anlieger lassen die beiden geplanten Mehrfamilienhäuser wie das aus der Zigarettenwerbung bekannte HB-Männchen in die Luft gehen. Rund 25 Wohnungen sollen entstehen und das hinter zum Teil 16 Meter hohen Wänden, auf die dann das Baugebiet Spinnerei Rolinck blickt. Dietmar Dertwinkel nannte drei Gründe, die das Projekt aus Sicht der Anlieger inakzeptabel erscheinen lassen: So eine massive Bauweise gebe es sonst nur an zwei weiteren Stellen in Burgsteinfurt: am Y-Haus und weiter oben an der Ochtruper Straße. Außerdem könne es nicht sein, dass erst das Baugebiet genehmigt werde, in dem die Hausbesitzer die teuersten Grundstückspreise Burgsteinfurts gezahlt hätten. Dann entstehe im Nachgang plötzlich ein Quartier mit dreieinhalbgeschossigen Gebäuden. Folge: „Unsere Häuser verlieren bis zu einem Drittel an Wert.“ Schließlich ständen die drei Geschosse im eklatanten Widerspruch zur Bebauung im Umfeld. „Dort gibt es überall maximal zwei Geschosse.“

Jirka Lux, Architekt des Investors, hielt der Kritik entgegen, dass seine Planung die Zustimmung des Gestaltungsbeirats erhalten habe. Außerdem seien größtmögliche Abstände zur Grundstücksgrenze eingehalten worden.

Wie gesagt, die Mitglieder des Ausschusses verschaffen sich Anfang Januar selbst einen Eindruck (13. Januar, 10 Uhr) von der Gesamtsituation. Um das Bild möglichst plastisch vor dem inneren Auge erscheinen zu lassen, schlug Günther Gromotka (CDU) vor, doch vom Bauhof Stangen in den Boden rammen zu lassen, die die Höhen der geplanten Mauern zeigen. „In der Schweiz macht man das immer so.“



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