Di., 09.01.2018

Auswahl an bezahlbaren Grundstücken zu begrenzt Kein Grundstück gefunden

Auch auf das Café Scharlau hatte die Genossenschaft anfänglich ein Auge geworfen. Letztlich kamen die Verhandlungspartner aber nicht zusammen.

Auch auf das Café Scharlau hatte die Genossenschaft anfänglich ein Auge geworfen. Letztlich kamen die Verhandlungspartner aber nicht zusammen. Foto: Axel Roll

Steinfurt - 

Anfänglich sah es für die „SteinWoge“ recht gut aus. Das erste Grundstück in der Innenstadt konnte 2016 noch nicht erworben werden, da das Kapital noch nicht vollständig vorhanden war.

Für ein zweites Grundstück in Innenstadtnähe waren die Vorabsprachen getroffen, erste Gespräche mit der Stadtverwaltung geführt und Entwürfe für sechs Wohnungen (vier im Sozialen Wohnungsbau) sowie die Grundstücksvermessungen umgesetzt worden. Die zukünftigen Mieter waren begeistert. Kurzfristig hat der Eigentümer im Dezember sein Angebot jedoch zurückgezogen.

Die Mitglieder der „Steinwoge“ hatten vereinbart, dass die Genossenschaft aufgelöst wird, wenn bis zum 31. Dezember 2017 kein Grundstück erworben wird. Diese Situation ist nun eingetroffen.

Ziel der Wohnungsgenossenschaft „SteinWoge“ war die Umsetzung von bezahlbarem Wohnraum für Steinfurter Bürger. Die Idee wurde geboren, weil die Höhe der Mieten im Wohnungsbau in den vergangenen Jahren in Steinfurt erheblich gestiegen sind. Der Quadratmeterpreis bei Neubauten beträgt zurzeit zwischen 7,50 und elf Euro.

Dies sei für junge Erwachsene in den ersten Berufsjahren, für Familien mit Kindern mit Durchschnittsgehältern, für Alleinstehende mit Kindern oder für Rentner nicht bezahlbar, sagen die SteinWoge-Mitglieder.

Es werde nicht für die Mehrheit der Bevölkerung gebaut, sondern renditeorientiert für Personen ohne Kinder, für Rentner, die eine Immobilie verkaufen oder ein hohes Einkommen haben. Die Wohnungsgenossenschaft mit 32 Mitgliedern und dem bisher eingezahlten Kapital von rund 126 000 Euro sollte eine Antwort auf diese Kritik sein. „Doch es zeigte sich, dass es trotz engagierter Suche schwierig ist, bezahlbare Grundstücke im Zentrum oder in naher Umgebung zu erwerben, die für die Mieter attraktiv sind“, sagt Ingeborg Rowedda aus dem SteinWoge-Vorstand. „Die Auswahl ist mehr als begrenzt.“

Trotz des Scheiterns der Wohnungsgenossenschaft sind alle Mitglieder überzeugt, dass die Gründung und Entwicklung der Idee ein Gewinn war. Die Zusammenarbeit war hervorragend. Die Einarbeitung in die Materie Sozialer Wohnungsbau, Genossenschaften, Baurecht, Marktmechanismen und die Planungen von Wohnungen für unterschiedliche Altersgruppen und Einkommen möchte keiner missen. „Die Genossenschaft hat für eine bessere Wohnsituation für die Bürger vor Ort gekämpft. Nach wie vor ist diese Zielsetzung aktuell und wichtig. Wohnen ist ein Grundrecht und damit eine kommunale Aufgabe“, heißt es in dem Auflösungsschreiben.

Die Genossenschaftsmitglieder hoffen, dass die Stadt diese Idee der Wohnungsgenossenschaft aufnimmt, Grundstücke erwirbt und durch eine Genossenschaftsgründung den Wohnungsmarkt mitsteuert. Die Mitglieder der SteinWoge wären die ersten, die hierfür Anteile zeichnen würden. Mit diesem Wunsch schloss die Vorsitzende des Aufsichtsrats Sonja Minnebusch die letzte Mitgliedsversammlung.



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