Do., 01.02.2018

Bissiger Burgsteinfurter vor Gericht Polizist ins Bein gebissen: „War im Verteidigungsmodus“

 

  Foto: dpa

Steinfurt - 

In der Neujahrsnacht 2016 war ein damals 36-jähriger Burgsteinfurter gar nicht einverstanden damit, dass Polizisten ihn nach einer Silvesterparty zur Blutprobe mitnehmen wollten: Schon beim Einsteigen in den Polizeiwagen schlug und spuckte er um sich, als ihm in der Zelle auf der Polizeiwache Rheine das Blut abgenommen werden sollte, biss er einem der Beamten gar in die rechte Wade.

Von Bernd Schäfer

Begonnen hatte der Vorfall, der gestern vor dem Steinfurter Amtsgericht verhandelt wurde, mit einer feuchtfröhlichen Feier an der Ochtruper Straße in Burgsteinfurt. Dort sollte der Angeklagte ein Kind sexuell misshandelt haben – ein Vorwurf, der später nicht mehr aufrecht erhalten werden konnte. An dem Tag hatten die Verwandten des Kindes jedenfalls die Polizei gerufen, um den Mann abzuholen. Der war inzwischen eingeschlafen – der Blutalkoholtest ergab, dass er zur Zeit der Tat etwa 2,7 Promille Alkohol im Blut gehabt haben musste.

Als die Beamten den schlafenden Mann weckten, war der zunächst kooperationsbereit, erst als es ums Einsteigen in den Polizeiwagen ging, rastete er aus. „Normalerweise bin ich ein ziemlich ruhiger Mensch“, erklärte der Angeklagte zu dem Vorfall, an den er sich nur noch bruchstückhaft erinnern könnte. „Aber niemand hat mir erklärt, warum ich festgenommen wurde. Da war ich dann plötzlich im Verteidigungsmodus.“ Nach Anhörung der Zeugen hielt der Richter diese Aussage glaubwürdig, auch deshalb, weil der in Russland geborene Mann die deutsche Sprache noch nicht hundertprozentig beherrscht.

Bei der Verhandlung zeigte er sich reumütig: „Ich will mich nochmal entschuldigen“, sagte er zu den als Zeugen geladenen Polizisten. „Es tut mir leid, dass ich euch so viel Arbeit gemacht habe.“

Aufgrund der verminderten Schuldfähigkeit verurteilte ihn der Richter wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung zu einer Geldstrafe in Höhe von 50 Tagessätzen, insgesamt 2000 Euro.



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