So., 04.02.2018

Ausnahmesituation Andrea Wesselmann macht Mut

Andrea Wesselmann ist katholische Krankenhausseelsorgerin im UKM Marienhospital.

Andrea Wesselmann ist katholische Krankenhausseelsorgerin im UKM Marienhospital. Foto: Bischöfliche Pressestelle / Gudrun Niewöhner

Borghorst - 

Für viele Menschen ist krank sein, eine Ausnahmesituation. Andrea Wesselmann ist im Steinfurter UKM Marienhospital eine wichtige Ansprechpartnerin und sucht das Gespräch mit den Patienten.

Der Arbeitstag endet für Andrea Wesselmann fast immer in der Krankenhauskapelle: „Dann spreche ich ein Gebet und komme zur Ruhe.“ Bevor sie sich auf den Heimweg macht, zündet die Krankenhausseelsorgerin im Steinfurter UKM Marienhospital eine Kerze an, manchmal auch mehrere, wenn sie es Patienten versprochen hat.

Seit zwei Jahren ist die 52-Jährige für die Kranken, deren Angehörige, aber auch für das Klinikpersonal da. Sie macht Mut, betet, segnet, schweigt – je nachdem, was die Situation erfordert. Um das zu erkennen und richtig zu reagieren, nimmt Andrea Wesselmann bis Ende des Jahres an einer Fachqualifikation für Krankenhausseelsorger teil, die das Bistum Münster erstmals anbietet.

Die verheiratete Mutter dreier erwachsener Kinder wollte gerne in die Klinikseelsorge. Nach einer Zeit als Pastoralreferentin im Gemeindedienst bot sich die Gelegenheit im Marienhospital. „Krank sein ist für viele eine Ausnahmesituation“, weiß Andrea Wesselmann aus Gesprächen: Gerade an den „Schnittstellen und Lebensbrüchen“ der Menschen sei es wichtig, als Kirche präsent zu sein.

Dass andere in dieser Phase für sie da sind, schätzen Patienten. Loswerden können, was einem auf der Seele liegt – die gelernte Krankenschwester ist eine geduldige Zuhörerin: „Vielen tut es gut, mit jemanden von außen, der eine Schweigepflicht hat, über Ängste, Sorgen und Nöte zu sprechen.“ Bei der 52-Jährigen fühlen sich viele frei, trauen sich, von ihren Gefühlen zu erzählen.

Zwischen 9 und 11.45 Uhr ist Andrea Wesselmann jeden Tag im Haus unterwegs: „Zuerst gehe ich auf die Intensivstation.“ Beim Pflegepersonal erkundigt sie sich, wie die Nacht war. Anschließend schaut sie an jedem der 19 Intensivbetten vorbei. Danach geht es auf eine der acht anderen Stationen.

„Dass jemand mich wegschickt, kommt sehr selten vor.“ Wenn gewünscht, bleibt sie. Die Seelsorgerin sucht vorsichtig den Kontakt, drängt sich nie auf. Die Konfession spielt bei ihren Besuchen am Bett keine Rolle. Sie kommt als gläubige Christin. Möchte jemand lieber ihren evangelischen Kollegen sprechen, ruft sie ihn.

Als Seelsorgerin ist Andrea Wesselmann das Gesicht der katholischen Kirche im Krankenhaus: „Gerade in schweren Zeiten stellen sich viele existenzielle Fragen: Woher komme ich? Wohin gehe ich?“ Wenn es passt, bietet sie den Patienten an, ihre Sorgen und Bitten mit ihnen oder stellvertretend vor Gott zu bringen. Doch nicht immer sind fromme Worte angebracht: „Man entwickelt ein Gespür für die Situation und für das, was guttun könnte.“

In dem neu zu gründenden Ethik-Komitee des UKM Marienhospitals wird sie künftig einen Platz haben. Dieses Gremium aus Vertretern der verschiedenen klinischen Berufsgruppen entwickelt Richtlinien für wiederkehrende ethische Fragen und erarbeitet Handlungsempfehlungen für Einzelfälle. Dabei kann es um die Frage gehen, ob ein hochbetagter Sterbender noch künstlich ernährt werden soll oder wie damit umzugehen ist, wenn Angehörige trotz aussichtsloser Lage immer neue Therapien fordern. Damit Andrea Wesselmann die christlichen Positionen einbringen kann, erwirbt die Krankenhausseelsorgerin zurzeit in der Fachqualifikation besonders Kenntnisse zu medizin- und rechtsethischen Themen.

Dass ihr kleines Büro etwas abseits hinter der Krankenhauskapelle liegt, davon war Andrea Wesselmann anfangs wenig begeistert. Inzwischen empfindet sie den Weg durch die Kapelle als wohltuend: „Hier kann ich meinen Tag abgeben.“



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