Di., 18.10.2016

Vier Künstler Manisch groovend: Die neue EP des Dissonant-Labels

Vier Künstler : Manisch groovend: Die neue EP des Dissonant-Labels

Foto: dpa

Minimal Techno auf hohem Niveau. Die neue «Various Artists»-EP auf Dissonant.

Von dpa

Hamburg (dpa) Dissonant, das Label des aus Frankreich stammenden und nun zwischen Ibiza und Singapur pendelnden Techno-Produzenten Marc Antona, veröffentlicht nach einem bisher eher ruhigen Jahr eine neue «Various Artists»-EP mit vier exzellent produzierten Minimal Tracks.

Marc Antona begann seine Techno-Karriere vor zehn Jahren mit einem EP-Beitrag auf dem französischen Label Freak n' Chic. Die Labelmacher waren von seinem Sound offensichtlich so überzeugt, dass sie ihm bereits für die folgenden Produktionen das Sub-Label Micro Fibres einrichteten, auf dem er von 2007 bis 2009 regelmäßig veröffentlichte.

Marc fand dann auf Micro Fibres auch sehr schnell seinen noch heute für ihn typischen minimalen und perkussiv ausgerichteten Sound. Von Beginn an verzichtete er weitgehend auf Melodien, variierte seine Tracks nur wenig, baute häufig endlos lange Breaks ein und vermochte es, trotz dieser minimalistischen Ausrichtung sehr lebendig und organisch zu klingen.

Da sich Marc während seines gesamten musikalischen Schaffens keinen Trends und damit auch keinen kurzzeitig angesagten Sounds verpflichtet sah, können seine Tracks auch nach all den Jahren immer noch ohne Fremdschämen oder Retro-Gefühle aufgelegt werden. Genannt seien nur das wunderbar auf den Punkt gebrachte und effizient pumpende Stück «Day After Day» (2008) oder das äußerst mitreißende und acht Minuten im Prinzip nur auf einer simplen Sequenz rumreitende «Hawah» von 2009.

Im Jahr 2010 gründete Marc dann mit Dissonant sein eigenes Label, auf dem er der Techno-Gemeinde zu Beginn mit seinen äußerst perkussiv ausgerichteten EPs «Rootz», «Not The Fool» und «The Owl» eine sehr große und zudem zeitlose Freude bereitete. Spaß machten auch die feinen «Nelcorpo»-Veröffentlichungen des Künstlerduos Re-Up Anfang des vorigen Jahres, bevor es dann etwas ruhiger um Dissonant wurde. Umso mehr lässt nun die aktuelle auf Vinyl und als Download erhältliche EP hoffen, auf der vier Künstler ganz in der musikalischen Tradition des Labels schön frickelige, detailreich produzierte und wie die Hölle groovende Tracks beisteuern.

Den Anfang auf der A-Seite macht der Label-Chef selbst mit dem Track «Lord of Combines», der um einen leicht verstimmt klingenden Orgelsound kreist und wie gewohnt mit einer detailversessenen Hi-Hat-Programmierung glänzt. Den notwendigen Druck für die Tanzfläche erzeugt dann Jayro, der auf dem folgenden Track «Psicodélica» eine vielschichtig und effizient schiebende Bassarbeit abliefert und dabei mit den heftig verfremdeten Sprachsamples den obligatorischen Wahnsinn aufblitzen lässt, ohne den kaum eine Dissonant-Veröffentlichung auskommt.

Auf der B-Seite sorgt der aus Kolumbien stammende David Gtronic auf «Rana» mit sparsam eingesetzten Sprachsamples, einer stoischen Base Drum und einem schön gemein klingenden Synthesizer-Sound erneut für eine erfreulich wahnsinnige Note. Abschließend liefert Counrad mit «The Human Centipede» einen Track ab, der in der ersten Hälfte mit seinen verhaltenen dubbigen Elementen eine leichte Orientierungslosigkeit vortäuscht, bevor das Stück richtig durchstartet und sich in einen äußerst tanzbaren und lässig groovenden (Dub-Techno) Track verwandelt.

Die neue Dissonant-EP ist exakt die Veröffentlichung, auf die die Fans des Labels in diesem Jahr gewartet haben. Der Chef meldet sich damit endlich mit einer eigenen hochqualitativen Veröffentlichung zurück und hat auch noch drei talentierte Musiker im Gepäck, die sich ganz hervorragend in das bestehende Dissonant-Portfolio einfügen. Davon darf jetzt mehr kommen.



http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4377748?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686136%2F2686170%2F