Mo., 16.11.2015

Tosender Beifall für Al Di Meola im Hot Jazz Club Publikum in Trance lauscht dem Hexer

Zwei Hexenmeister auf der Gitarre (v.l.): Peo Alfonsi und Al Di Meola

Zwei Hexenmeister auf der Gitarre (v.l.): Peo Alfonsi und Al Di Meola Foto: wam

Münster - 

Al Di Meola und der nicht minder fabulöse Peo Alfonsi gaben im Hot Jazz Club ein Konzert.

Von Wolfgang A. Müller

Al Di Meola gehört zu jenen Gitarristen, die im Jargon gern als „Kamerad Fingerflink“ bezeichnet werden: Leute, die schneller spielen als ihr Schatten. Die bloße Fähigkeit, über das Griffbrett zu rasen, dass dem Hörer schwindelig wird, erklärt jedoch nicht seinen Ruf als einer der einflussreichsten zeitgenössischen Jazz-Gitarristen. Und auch nicht die Magie seiner Auftritte.

Schnelligkeit ist keine Hexerei. Doch der US-Amerikaner, der schon in den 70er Jahren mit der Band „Return To Forever“ Meilensteine des Fusion Jazz vorlegte, mit John McLaughlin und Paco de Lucia kurzzeitig ein epochales Gitarrentrio bildete und immer wieder abenteuerlich lateinamerikanische Stile verquickt, ist ein Hexer. Wie sonst könnte man dies erklären: Zwei ausverkaufte Konzerte an einem Tag im Hot Jazz Club, bei denen das Publikum regelrecht in Trance verfällt, die mucksmäuschenstille Andächtigkeit nur unterbrochen von tosendem Beifall.

Bis zur Decke gespitzte Ohren, die einer Musik lauschen, die sich leicht und klar aufschwingt und doch immer durch ihre geradezu aberwitzige Komplexität fordert. So unberechenbar und scheinbar beiläufig wie ein Vogelkonzert im Garten. Di Meola und der nicht minder fabulöse Peo Alfonsi verweben auf ihren Akustikgitarren behände melodische Fäden, konterkarieren mit Dissonanzen, wechseln dynamisch die Muster. Das Programm: eine Quintessenz aus Di Meolas 40-jährigem Schaffen, inklusive furiosen, bisweilen bizarren Hommagen an die Beatles .

Im mäandernden Strom der oft längeren Kompositionen kann man schnell auch mal die Übersicht verlieren. Etwa beim über siebenminütigen, vertrackten „Turquoise“: „Ich bin überrascht“, schmunzelt Di Meola, als das Publikum nach einem hart angeschlagenen, vermeintlichen Schlussakkord applaudiert: „Das war jetzt noch nicht das Ende des Stücks.“ Alles was er täte, sei etwas kompliziert, gibt er zu, als sich eine ähnliche Falle bei „ Adore “ vom aktuellen Album „Elysium“ öffnet. Sein ganzes Leben sei so: „Complicated. But fantastic!“ Als er später die markante Tonfolge der Zugabe „Mediterranean Sundance“ zupft, erfüllt ein kollektiver Stoßseufzer den Raum, der sagen will: Fantastisch, allemal!



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