Mo., 04.01.2016

Rock-Hits durch den Wolf gejazzt Das eintägige Festival „Jazz Inbetween“ bot als größte Attraktion eine Janis-Joplin-Huldigung

Mit der ungewöhnlichen Kombination Trompete und Harfe begeisterten Eric Vloeimans und Remy van Kesteren (oben).

Mit der ungewöhnlichen Kombination Trompete und Harfe begeisterten Eric Vloeimans und Remy van Kesteren (oben). Foto: Henryk Walkowski

Münster - 

Das Klacker-Geräusch hochklappender Theatersitze bleibt aus. Zu fesselnd, zu witzig, zu spritzig feiern am Sonntagabend neun französische Jazzmusiker das viel zu kurze Lebenswerk von Rocklegende Janis Joplin. Während in früheren Jahren zu vorgerückter Stunde die ersten Zuhörer schon das letzte Konzert bei Jazz Inbetween in Münster verließen, hält es sie dieses Mal auf den Sitzen. Für nicht wenige geht es um die Musik ihrer Jugend, für alle um eine spannende Annäherung an ein Stück jüngerer Musikgeschichte.

Von unseremRedaktionsmitgliedHilmar Riemenschneider

Deep Purple, Led Zeppelin haben sich schon andere Jazzer vorgenommen. Nun geht es um „Janis the Pearl“ – Janis Joplin und ihre Songs. Das Orchester um Vibraphonist Franck Tortiller treibt es heftig, doch respektvoll. Die Musiker bedienen sich mit fetzigen Gitarren-Riffs, schmissigen Bläsersätzen und groovenden Rhythmen bei Funk, R’n’B, Latin, Rock. Die Blues Brothers bleiben zwar meist in Hörweite, doch die vier Bläser auf der Bühne in Münster sind kein schmückendes Beiwerk, eher die Zähne im Jazz-Wolf, durch den einige von Joplins alten Rock-Hits gedreht werden. Allerdings nicht alle, manche entwickeln dagegen fast romantische und überraschend eingängige Charakterzüge. „Mercedes Benz“ mutiert vom einst quengelnden Bluesrock zur fröhlichen und gelösten Big-Band-Version. Dass alle diese Variationen funktionieren, liegt maßgeblich auch an Jacques Mahieux als Sänger mit Tom-Waits-Attitüde.

Die 30 Minuten Pause vor diesem Konzert sind elementar, weil das Publikum aus einer anderen Hör- und Musikwelt kommt: Harfe und Trompete – gespielt vom niederländischen Duo Remy van Kesteren und Eric Vloeimans – bringen eine überraschende Klangfarbe auf die Bühne. So abwechslungsreich dies klingt, so vertraut wirkt es trotzdem nach kurzer Zeit. Beide Künstler leben die musikalischen Stimmungslagen gemeinsam aus – indes nicht nur die den Instrumenten gemeinsame melancholisch-romantische Tonfarbe. Wenn van Kesteren seine Harfe mit Flamenco- oder Bossa-Rhythmen von aller Lieblichkeit befreit, erahnt man, warum er Abstand von klassischen Harfen-Kompositionen wie Smetanas Moldau gesucht hat. Mit Vloeimans von unterkühlt bis quirlig-facettenreichem Stil hat er den passenden Partner gefunden.

Es sind vor allem diese beiden Konzerte, die von der siebten Auflage von Jazz Inbetween in Erinnerung bleiben. Dabei gelingt es auch dem Sextett um die polnische Sängerin Natalia Mateo am Beginn des Abends, das Publikum für sich zu gewinnen – allerdings erst mit dem vorletzten Stück des Sets. Die ausnahmslos jungen Musiker prägen eine frische und eigene Spielweise des Jazz mit slawischen Motiven, sehr zurückgenommen, stets im Team agierend. Vor allem Gitarrist Dany Ahmad bestimmt die musikalischen Räume. Die reservierte Darstellung der sechs Musiker spiegelt das Publikum, bis Fabian Ristau mit humorvoll gebremstem Schlagzeugsolo das Eis schmelzen lässt. Besser spät als nie.

Zum Thema

Vom 28. bis zum 30. Januar findet im Theater Münster das WDR3-Jazzfest statt.



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