Do., 22.09.2016

Fußball: 3. Liga Rückendeckung für Preußen-Trainer Horst Steffen

Dramatisch: Horst Steffen rätselt über die Leistung seiner Mannschaft .

Dramatisch: Horst Steffen rätselt über die Leistung seiner Mannschaft . Foto: Jürgen Peperhowe

Münster - 

Es wurde auch trainiert am Tag nach der Pleite in Frankfurt. Zunächst und vor allem wurde aber auch gesprochen: Klartext war angesagt, damit auch der letzte versteht, worum es am Samstag im Spiel gegen Werder Bremen II geht.

Von Alexander Heflik

Um kurz nach 14 Uhr marschierten die Preußenspieler am Donnerstag aus der Kabine zum Trainingsplatz, gesprochen wurde nicht viel, die Stimmung war im Keller, Lockerheit: Fehlanzeige. Denn die meisten wussten wohl auch, dass gleich vor der Übungseinheit ein Donnerwetter folgen würde. Selbst die Langzeitverletzten Simon Scherder und Philipp Hoffmann hatten sich eingefunden. Wohlweislich trotteten die Adlerträger dann auch noch in Richtung Mittelkreis, damit kein Außenstehender den Inhalt der Aussprache mitbekommen sollte. Es wurde etwas lauter, aber vor allem deutliche Worte gesprochen.

Also, sprach wohl Sportvorstand Carsten Gockel, dass das jetzt so auf keinen Fall weitergeht. Ein paar Minuten führte das Präsidiumsmitglied seine Gedanken aus, am Ende gab es sogar kurz Applaus. „Details aus einer internen Besprechung nenne ich nicht“, sagte Gockel. Aber schon direkt nach der Partie hatte er den bedingungslosen Einsatz, die Bereitschaft, das Aufbäumen vermisst – das dürfte wohl auch angemerkt worden sein. Die Vorstellung von Frankfurt war eine Blamage auch für den Verein.

Solche Ansprachen von Funktionären aus Präsidium oder Aufsichtsrat finden in der Regel selten bis nie statt. Sie sind eines der allerletzten Mittel, um auch den letzten Träumer eines Teams in der Krise zu erreichen. Denn: „Es ist die Aufgabe des Trainers, regelmäßig mit der Mannschaft zu sprechen“, meint auch Gockel. Nun war das anders. Denn nach dem 1:4 von Frankfurt und der Zementierung des letzten Ranges, tat das Not. Ein Signal ans Team. So, und das ist die Botschaft des Tages, reicht das nicht für die 3. Liga.

Schlechte Starts

Selten ist der SCP in den vergangenen Dekaden so schlecht in eine Saison gestartet wie dieses Jahr. Drei Saisonstarts mit schlechter Erinnerung:

►  1990/91: In der 2. Bundesliga findet sich der SCP auf Platz 19 mit 5:11-Punkten (7 Zähler bei Drei-Punkte-Regelung) wieder – und stieg ab.

►  2003/04: Unter Trainer Peter Vollmann peilt der SCP einen „Platz im gehobenem Mittelfeld“ der Regionalliga Nord an. Nach acht Spieltagen hat der SCP sechs Punkte gesammelt, nach 15 Spieltagen insgesamt acht und war Vorletzter, Vollmann wurde durch Werner Moors ersetzt. Neun Punkte (!) Rückstand auf das rettenden Ufer wurden aber bis Saisonende aufgeholt.

►  2013/14: Nach dem verpassten Zweitliga-Aufstieg startet Münster mit sieben Punkten aus acht Spielen und ist Viertletzter – Pavel Dotchev muss gehen. Münster beendet die Saison als Sechster unter Ralf Loose.

Bereits am frühen Morgen hatte das SCP-Präsidium die Trainerdiskussion um Horst Steffen für sich als beendet erklärt – zumindest bis zum kommenden Samstag. Da spielt der SCP vor heimischen Publikum gegen Werder Bremen II, wieder eine Partie, in der der sogenannte Bock umgestoßen werden kann.

Fotostrecke: FSV Frankfurt - Preußen Münster - die Einzelkritik

Die englische Woche mit den Partien gegen Magdeburg (2:3), in Frankfurt (1:4) und dann gegen Bremen war sowieso als Hinführung auf eine Zwischenbilanz eingestuft worden. „Ja“, sagte Gockel einige Stunden vor dem Training auf die Frage, ob der 47-Jährige das Team betreuen werde gegen Werder. Frankfurt hat die vorher maue Trainerdiskussion wie mit einem Brandbeschleuniger befeuert. Denn weniger schmerzte die Niederlage gegen Frankfurt als vielmehr die Art und Weise.

Analyse

Warum funktionieren die Führungsspieler nicht? Fehlt Qualität? Detailanalyse zur Lage der Preußen

Kommentar: Ab sofort geht es auch um Horst Steffen

Auch Horst Steffen ergriff auf dem umzäunten Übungsplatz das Wort und erklärte gestenreich seine Sicht. Der kurze Applaus durfte wohl als Zeichen der Mannschaft gewertet werden, dass sie die Dimension, den Ernst der Lage erkannt hat. Alles andere als ein Sieg am Samstag gegen Werder zählt nicht. Für Steffen, für die Spieler, für das Umfeld geht es ans Eingemachte. Ausreden abgelehnt.

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