So., 29.10.2017

Fußball: 3. Liga Konsequenzen bei Preußen denkbar nach Debakel von Wiesbaden

Zum Heulen: Tormann Nils Körber (r.) nach der Partie mit Michele Rizzi (l.) und Moritz Heinrich. Der dreifache Torschütze Manuel Schäffler (kleines Bild rechts) war nur in dieser Szene von Ole Kittner nicht zu stoppen.

Zum Heulen: Tormann Nils Körber (r.) nach der Partie mit Michele Rizzi (l.) und Moritz Heinrich. Der dreifache Torschütze Manuel Schäffler (kleines Bild rechts) war nur in dieser Szene von Ole Kittner nicht zu stoppen. Foto: Jürgen Peperhowe

Wiesbaden - 

So wird das nichts mit dem Klassenerhalt. Preußen Münster bekam beim SV Wehen Wiesbaden auf den Deckel und ließ beim 2:6 defensiv alles vermissen. Die Verantwortlichen rätselten hinterher, wie es dazu kommen konnte. Konsequenzen nicht ausgeschlossen.

Von Alexander Heflik

Als Adriano Grimaldi nach 31 Minuten ein Solo von der Mittellinie startete und am Ende des Sprints nur den Pfosten traf, da war das kein Strohfeuer, nein, nicht einmal ein Hoffnungsschimmer. Denn zu diesem Zeitpunkt zeichnete sich ein Debakel für den SC Preußen Münster beim Gastspiel in der Brita-Arena gegen den SV Wehen Wiesbaden ab. Nach einer halben Stunde ohne einen Anflug von Biss, ohne Zweikampfpräsenz, ohne jede Einstellung, ohne Esprit oder Witz, da lag das Team von Trainer Benno Möhlmann bereits mit 0:3 zurück. Am Ende siegten die Hessen mit 6:2 (4:1), es war die höchste Niederlage der Preußen in der 3. Liga seit 2011. Ein einziges Desaster.

Re-Live

Preußen Münster unterliegt SV Wehen Wiesbaden mit 2:6 - der Spielverlauf zum Nachlesen 

Was war da nur wieder los? Während die Hausherren anfangs nicht nur meteorologisch Rückenwind auf dem Spielfeld hatten, sondern auch durch sechs Siege aus den letzten sieben Partien verspürten, stand der SCP komplett neben sich. Keiner, wirklich keiner erreichte sowas wie drittliga-taugliche Form. Es war keine Systemfrage über 4-1-4-1 oder 08/15, sondern einfach nur die Frage, inwieweit die Preußen bereit waren für eine Punktpartie in der Fremde. Antwort: gar nicht.

Kommentar: Nicht gewappnet für den Abstiegskampf

So steigt der SC Preußen Münster im siebten Jahr der Drittliga-Zugehörigkeit ab. Keine Frage. Die Leistung in Wiesbaden war erschreckend, die Adlerträger gerieten gegen eine gut strukturierte und bissige Heimelf unter die Räder. Ja, man kann verlieren, auch mal höher, aber keine Mannschaft, bestehend aus Berufskickern, darf sich so frühzeitig ihrem Schicksal ergeben, wie es die Preußen getan haben. Entscheidend dabei war nicht einmal, dass die Spieler Fehler machen, die von den gastgebenden Akteuren gnadenlos ausgenutzt wurden. Entscheidend war, dass da keine Mannschaft auf dem Platz stand, in der jeder für jeden in die Bresche sprang. Das ist simples Fußball-ABC, die Basis. Spielerisch hakt es zudem. Münsters im Abstiegskampf? Aber sowas von eindeutig ja. Münster für den Existenzkampf gewappnet? Nach Wiesbaden sind Zweifel angebracht. 

Alexander Heflik

Schon in den letzten Wochen hatte der SCP immer wieder mal schwache Partien, schlechte Halbzeiten oder nicht so runde Auftritte gezeigt. Das aber war ein neuer Tiefpunkt, eine völlig indiskutable Vorstellung, einfach nur Pöhlerei. „Das war von Beginn an desolat. Wir wurden in unsere Bestandteile zerlegt“, bilanzierte SCP-Sportchef Malte Metzelder mit versteinerter Miene. „Wir werden nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Wir werden ganz dringend und intensiv reden müssen.“ Ob es dabei auch um die Rolle von Trainer Benno Möhlmann gehen wird, bleibt offen, ausgeschlossen ist nach dieser Vorstellung gar nichts.

Fotostrecke: 3. Liga - 14. Spieltag Saison 2017/18: SV Wehen Wiesbaden - Preußen Münster

Die Tore fielen wie reife Früchte. Beim 0:1 patzte vor allem Danilo Wiebe, auch Ole Kittner sah in der vierten Minute nicht gut aus, als Manuel Schäffler die Vorarbeit von Agyemang Diawusie verwertete. Beim 0:2 hatte Schäffler nach einer Ecke viel zu viel Platz (16.). Und als nach 26 Minuten das 0:3 fiel, da war das Fiasko fast schon perfekt. Patrick Breitkreutz traf, nachdem Keeper Nils Körber einen Schuss von Robert Andrich prallen ließ. Auch dem 1:4 durch Stephan Andrist (42.) ging ein kapitaler Fehlpass von Sebastian Mai voraus. Schäffler als Initiator, Andrich als Passgeber und der Torschütze bedankten sich artig. Dass Preußen durch Martin Kobylanski (40.) nach Flanke von Philipp Hoffmann und Finte von Adriano Grimaldi auf 1:3 verkürzt hatte – geschenkt.

Das war Katastrophenfußball der Adlerträger.

Jungpapa Kühne zu Gast

Münsters früherer Kapitän und Anführer der Aufstiegself von 2011, Stefan Kühne, blickte beim Gastspiel der Preußen vorbei. Kühne wohnt nicht nur wieder in seiner Geburtsstadt Wiesbaden, sondern ist nun auch Co-Trainer der U-19-Auswahl des SVWW in der A-Junioren-Bundesliga. „Da läuft es super, wir sind als Aufsteiger Sechster“, sagte er. Das Drittliga-Spiel sah er allerdings nur in der zweiten Halbzeit, zuvor hatte er für die U 19 gescoutet. Vor zwei Tagen wuchs im Übrigen die Kühne-Familie an, nach Niklas kam nun Noah auf die Welt. Der angehende Speditionskaufmann, Inhaber der Trainer-A-Lizenz, meinte dazu nur: „Einer von beiden muss es im Profifußball schaffen.“

Es folgte Schongang der Hessen nach der Pause, die durch Niklas Dams (70.) und erneut Schäffler (80.) noch zwei Mal trafen, während Kobylanski zwischenzeitlich nach Grimaldi-Pass auf 2:5 verkürzt hatte (78.). Da war längst alles entschieden, die Preußen waren mausetot, nichts ging mehr, alle sehnten den Abpfiff herbei.

Fotostrecke: Einzelkritik: SV Wehen Wiesbaden vs. SC Preußen Münster

„Ich kann das nicht erklären, warum wir nicht wacher und griffiger sind bei Spielbeginn“, rätselte Coach Möhlmann. Mal wieder. Die Konzentration fehlte an allen Ecken und Kanten, auch das ein „No-Go“ im Profifußball. Sinnbildlich dafür stand auch, dass Tormann Körber mit dem Trikot mit der Nummer 35 von Max Schulze Niehues spielte – der SCP hatte schlicht einen Koffer mit Torwart-Utensilien vergessen. Das passte ins Bild. Fokus im Abstiegskampf ist etwas ganz anderes.

Grimaldis klare Worte

Der Bart ist ab, das war die Erkenntnis beim SC Preußen nach dieser Partie. Und auch bei Kapitän Adriano Grimaldi, der am Donnerstag mit „neuem Look“ auf dem Trainingsplatz erschien. Grimaldi, der mit einem Pfostentreffer nach einer halben Stunde zumindest für etwas Aufregung gesorgt hatte, stellte sich nach der Partie – er nahm sich und seine Mitspieler ins Gebet: „Einmal in vier Wochen eine gute Leistung zu zeigen, wird nicht reichen.“ Da hat er Recht.

Statistik

Aufstellungen

Wiesbaden: Kolke - Kuhn, Mockenhaupt (46. Dams), Ruprecht, Mintzel - Mrowca, Andrich (62. Blacha) - Andrist (75. Mvibudulu), Diawusie - Schäffler, P. Breitkreuz –

Preußen: Körber - Tritz, Kittner, Mai, Menig - Wiebe - Hoffmann (46. Al-Hazaimeh), Braun (46. Rühle), Rizzi, Kobylanski - Grimaldi (82. L. Stoll)

Schiedsrichter: Asmir Osmanagic (Stuttgart)

Zuschauer: 2434

Tore: 1:0 Schäffler (3.), 2:0 Schäffler (16.), 3:0 P. Breitkreuz (27.), 3:1 Kobylanski (40.), 4:1 Andrist (42.), 5:1 Dams (70.), 5:2 Kobylanski (78.), 6:2 Schäffler (80.)

Gelbe Karten: Andrich, Mintzel, Ruprecht, Mvibudulu / Hoffmann (2), Rühle (3)



http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5254598?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686137%2F2686217%2F2820606%2F