Mo., 30.10.2017

Fußball: 3. Liga Die 2:6-Blamage in Wiesbaden wirkt bei den Preußen nach

Hängende Köpfe und Ratlosigkeit: Die Preußen nach dem 2:6 in Wiesbaden.

Hängende Köpfe und Ratlosigkeit: Die Preußen nach dem 2:6 in Wiesbaden. Foto: Jürgen Peperhowe

Wiesbaden - 

Die bittere 2:6-Klatsche beim SV Wehen Wiesbaden schmerzt die Preußen auch noch am Tag danach. Beim Fußball-Drittligisten läuft die Suche nach Erklärungen, nach dem blutleeren Auftritt geht keiner zur Tagesordnung über. Eine Trainerdebatte aber wird an der Hammer Straße nicht eröffnet.

Von Alexander Heflik

Der Kapitän rang mit den Worten. Adriano Grimaldi wog das genau ab, was er sagen wollte, einige Sekunden Totenstille. Einerseits stand er da, in der Mixed-Zone der Brita-Arena, gezeichnet von einer fürchterlichen 2:6-Auswärts-Blamage seines SC Preußen Münster beim SV Wehen Wiesbaden. Andererseits wollte er schon das loswerden, was ihn als Spielführer dieser Truppe bewegte. All das, was fehlte, zeigte er kurz auf, sprach von fehlendem Herz, fehlendem Willen und von einer Mannschaft, die nicht auf dem Platz war – also eigentlich ein Paradoxon, aber weil die Münsteraner so uninspiriert kickten und nur so lala präsent waren, als ob da ein Gespenst in Schwarz auf dem Platz gestanden hätte. Grimaldi stellte zum Abschluss eine Art rhetorische Frage: „Alle müssen sich hinterfragen und Gedanken machen, ob das in diesem Geschäft Profifußball so geht?“

Die Antwort war nach dieser Partie selbsterklärend, die Preußen hatten individuell und im Kollektiv versagt. Auf der Tribüne verfolgten der Aufsichtsrats-Vorsitzender Frank Westermann sowie Bernd Niewöhner, Präsidiumsmitglied, diese spielerische Bankrotterklärung. „Ich bin in Schockstarre“, sagte Westermann am Montag. Es war nicht irgendeine Niederlage in der 3. Liga, die man am nächsten Tag vergessen hat. Diese 2:6-Pleite von Wiesbaden war ein kompletter Systemabsturz. Wenn man es nicht besser wüsste, hätte man zum Schluss kommen können, dass die Spieler gegen Trainer Benno Möhlmann agiert hätten. Denn auch das stand fest: Nie und nimmer hat der 63 Jahre alte Fußballlehrer der SCP-Elf das mit auf den Weg gegeben, was am Ende dann dabei rauskam: Nichts.

Lob für die Fans

Erstaunlich war, dass die rund 400 mitgereisten Fans das Team nonstop unterstützen. Später holten sich die Preußen die obligatorische „Ansage“ ab und trotteten ab. Westermann: „Nur das Verhalten der Fans war drittliga-, nein sogar erstligareif.“

Die Preußenspieler jedenfalls hatten das in den Sand gesetzt gegen eine Heimelf, die rustikal und kompromisslos in der Verteidigung agierte und Chancen effektiv nutzte. Das reichte schon. Wiesbaden hatte den Fußball nicht neu erfunden.

Sportchef Malte Metzelder kündigte an, „nicht zur Tagesordnung übergehen zu wollen“. Am übungsfreien Montag, an dem Trainer Möhlmann, wie er sagte, „die Spieler auch gar nicht sehen wollte“, sprachen die für den Sport Verantwortlichen vermutlich lange miteinander. Eine Trainerdebatte eröffnete Metzelder nicht. Denn a.) glauben die Entscheider weiter an den Coach, und b.) ist praktisch kein Cent da, um eine Beurlaubung zu finanzieren, und c.) lebt die Überzeugung von „Möhlmann reloaded“ wie 2016.

Im Vorjahr stand der SCP nach 14 Spieltagen einen Punkt schlechter auf dem vorletzten Rang. Nun ist es ein Zähler mehr, nur die Tordifferenz bewahrt die Preußen als Rang-17. vor einem Abstiegsplatz. Süßes oder Saures? Einfach nur bitter.



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