Di., 06.02.2018

Fußball: 3. Liga Preußen sind aktuell nur schwer auszurechnen

Das Große und das Ganze im Blick: Marco Antwerpen betont, dass die vielen Reaktionen auf Michele Rizzis Viererpack „gut für sein Selbstvertrauen und damit gut für uns“ waren.

Das Große und das Ganze im Blick: Marco Antwerpen betont, dass die vielen Reaktionen auf Michele Rizzis Viererpack „gut für sein Selbstvertrauen und damit gut für uns“ waren. Foto: Jürgen Peperhowe

Münster - 

Die Ungewissheit in der Aufstellung der Preußen hat die letzten drei Gegner offenbar nachhaltig aus dem Rhythmus gebracht. Trainer Marco Antwerpen variiert gerne. Nicht durchgehend, sondern eher dosiert, dafür aber aktuell sehr effektiv.

Von Thomas Rellmann

Ein komplett gerades Bild gibt diese Spezialwertung noch nicht ab. Gewinnt etwa der Karlsruher SC sein Nachholspiel beim VfL Osnabrück am Valentinstag, würde sich die Rückrundentabelle der 3. Liga nach vier Partien nachträglich gravierend verändern – in dieser wären die Badener nämlich an Stelle von Preußen Münster Erster.

Preußen verschaffen sich Luft

Dazwischen liegt jedoch auch noch Runde fünf der zweiten Saisonhälfte, die den SCP am Samstag zum 1. FC Magdeburg führt. Aber so oder so steht fest, dass die Richtung stimmt an der Hammer Straße. Bisher hat kein Team in diesem Kalenderjahr mehr Zähler gesammelt als der einstige Abstiegskandidat, der sich mit aktuell acht Zählern Vorsprung auf Rang 18 doch schneller als erwartet Luft verschafft hat.

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All diese Feststellungen sind eng mit dem neuen Trainer verknüpft. Marco Antwerpen hat die Mannschaft Mitte Dezember übernommen und sie in den vergangenen zweieinhalb zu vier guten Leistungen und zuletzt drei Siegen in Serie geführt. Sein Erfolgsrezept hat Sportdirektor Malte Metzelder kürzlich schon ansatzweise verraten: die vielen kleinen Veränderungen von Spiel zu Spiel. „Wir wollen ja nicht ausrechenbar sein“, sagt der Chefcoach, den viel mehr die Fragen nach den Qualitäten des Gegners oder wie diese zu bekämpfen sind beschäftigen als die Überlegung, welcher seiner Schützlinge aufgrund welcher Parameter irgendwie in die Startelf gehören müsste.

An Rizzi geht kaum ein Weg vorbei

An Michele Rizzi wird der 46-Jährige am Samstag (14 Uhr) beim 1. FC Magdeburg dennoch kaum vorbeikommen. Nach seinem Viererpack dürfte der Mittelfeldspieler, den Antwerpen ohnehin im Winter als Teil seiner Achse auf dem Schirm hatte, in die Anfangsformation rücken. Die naheliegendste Variante sähe vor, dass er wie an der Weser nach 45 Minuten Martin Kobylanski ersetzt.

Doch mittlerweile kann sich die Konkurrenz nie ganz sicher sein, wie Münster aufläuft. So ist auch die Option einer Dreierkette, wie beim 1:0 gegen die Würzburger Kickers erfolgreich getestet, denkbar. Gegen die großgewachsenen Christian Beck und Julius Düker kann etwas mehr Kopfballstärke mit Ole Kittner nicht schaden. Doch dann müsste natürlich ein weiterer Platz geschaffen werden in einer zuletzt funktionierenden Truppe.

Fotostrecke: Saison 2017/18: 23. Spieltag: Werder Bremen II - Preußen Münster

„Die Mannschaft muss aufnahmefähig und -bereit sein“, sagt der SCP-Trainer. „Wir haben früh festgestellt, dass sie das ist. Nur so funktionieren Umstellungen.“ Zu außerplanmäßigen Änderungen dürfte sich Antwerpen vorerst nicht gezwungen sehen. Sein Vorzeigekrieger Fabian Menig („Er zieht einfach jeden Zweikampf“) tritt zwar mit Achillessehnenproblemen aktuell etwas kürzer, soll aber für die FCM-Partie, zu der die Preußen bereits am Freitagmorgen anreisen und dann vor Ort trainieren, fit werden.

So bleibt es dabei, dass der lange gesetzte Stéphane Tritz mit Eigengewächs Lennart Stoll um einen Kaderplatz ringt. Der Franzose gehört wie auch der zuletzt nicht berücksichtigte Tobias Warschewski – jedenfalls individuell betrachtet – nicht zu den Gewinnern. Auch Sebastian Mai (Gesäßmuskelentzündung), der weiter viel Ruhe braucht, konnte sich noch nicht zeigen. Antwerpen aber betont gelassen: „Wir haben einen kleinen Kader und brauchen alle.“

Gespräche über die Zukunft laufen an

Vertragsinhalte von Fußballprofis sind in den vergangenen Jahren immer komplexer und verrückter geworden. Dass sich etwa der Kontrakt von Preußen-Stürmer Tobias Rühle am Samstag in Bremen um ein Jahr (aber nur für die 3. Liga) verlängerte, lag an seinem genau 16. Einsatz in der Startelf dieser Saison und geht damit auf eine längst übliche Klausel zurück. Ähnliche Vereinbarungen besitzen weitere Spieler im SCP-Kader. Das hat Sportdirektor Malte Metzelder bestätigt, und das ahnt auch Trainer Marco Antwerpen: „Ich will aber nicht wissen, für wen das gilt.“ Als Coach möchte er sich von solchen Aspekten in keiner Weise bei seiner Aufstellung beeinflussen lassen. Er und Metzelder haben sich in den vergangenen Tagen zusammengesetzt, um zu besprechen, welche Akteure mit auslaufenden Arbeitspapieren in Kürze zu Gesprächen gebeten werden sollen. Eile hatte das Duo nicht, schließlich benötigte der neue Mann an der Seitenlinie ein paar Spiele, um Eindrücke zu festigen. Neben den Leihspielern Nils Körber und Nico Rinderknecht enden im Sommer auch die Verträge von Ersatzkeeper Luis Klante, Sebastian Mai, Ole Kittner, Jeron Al-Hazaimeh, Stéphane Tritz, Sandrino Braun, Danilo Wiebe, Philipp Hoffmann und Adriano Grimaldi. Wessen Karten gut stehen und wessen schlecht, lässt sich anhand der jüngsten Aufstellungen abschätzen. Ein Spezialfall ist Langzeitpatient Benjamin Schwarz, der wieder im Lauftraining ist und noch überlegt, ob er seine Karriere fortsetzt.

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