Di., 15.08.2017

Aufarbeitung beginnt Nach Fan-Krawallen: DFB ermittelt, Polizei erhebt Vorwürfe

Aufarbeitung beginnt : Nach Fan-Krawallen: DFB ermittelt, Polizei erhebt Vorwürfe

Foto: Axel Heimken

Ein brennendes Banner auf der Tribüne, Leuchtraketen im Fanblock: Am Tag nach den Krawallen beim DFB-Pokalspiel in Rostock beginnt die Aufarbeitung. Eine entscheidende Frage: Wie konnten verbotene Materialien ins Stadion gelangen?

Von dpa

Rostock (dpa) - Nach den Zuschauer-Krawallen beim Pokal-Duell zwischen Hansa Rostock und Hertha BSC hat der DFB-Kontrollausschuss Ermittlungen gegen beide Fußball-Clubs aufgenommen. Beiden Vereinen drohen nun harte Sanktionen.

Die Verantwortlichen des Drittligisten von der Ostsee und des Berliner Bundesligisten zeigten sich hilflos ob der Fan-Eskalation am Montagabend. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) äußerte sich schockiert und forderte Konsequenzen. Die Rostocker Polizei erhob schwere Vorwürfe gegen Hansa.

Beim Erstrundenspiel im DFB-Pokal hatten Berliner Anhänger immer wieder Feuerwerkskörper und auch Raketen gezielt Richtung Rostocker Zuschauer gezündet. Die Hansa-Fans setzten ein vor etwa drei Jahren entwendetes großes Hertha-Banner und Sitze in Brand. Schiedsrichter Robert Hartmann musste die Partie zweimal unterbrechen, einmal für zwei Minuten, in der 76. Minute sogar für 18 Minuten.

Es liege «die Vermutung nahe, dass das Banner über vereinseigene Strukturen und mit Wissen von Vereinsoffiziellen ins Stadion gelangen konnte», sagte Rostocks Polizeichef Michael Ebert. Obwohl die Partie als Hochsicherheitsspiel eingestuft worden war, konnten die Auseinandersetzungen nicht verhindert werden.

Hansa-Vorstandschef Robert Marien sagte: «Wenn man sieht, dass hier 1700 Polizisten und über 300 Ordner unterwegs waren, dass Spürhunde und HD-Kameras im Einsatz sind. Da wird im Bereich der Kontrolle alles getan, was getan werden kann. So etwas kann man sicher nur gesamtgesellschaftlich lösen, nicht allein als Drittligist.»

Die Vorwürfe der Polizei wies er zurück: «Schuldzuweisungen und pauschale Verurteilungen von Vereinsmitarbeitern und Vereinsoffiziellen unmittelbar in der Nacht der Ereignisse sind sicherlich in keiner Weise hilfreich, dienlich und gerechtfertigt.»

Die Polizei begründete ihre zurückhaltendes Eingreifen in der zweiten Halbzeit im Stadion unterdessen mit einer verschlossenen Tür. Wie eine Polizeisprecherin am Dienstag erklärte, hatten die Beamten versucht, durch einen Tribünenzugang in den Block zu gelangen, als Fußball-Chaoten das 30 Meter lange Hertha-Banner anzündeten. Die Tür sei jedoch mit einem Schloss von innen verriegelt worden. «Wir sind da nicht reingekommen, es ist ganz einfach so», sagte sie. Später sei die Tür gewaltsam geöffnet worden.

Marien will die Vorkommnisse nun gemeinsam mit Polizei und den Ordnungsdiensten aufarbeiten: «Wie sind die Dinge ins Stadion reingekommen, was haben wir vielleicht falsch gemacht?» Das aber sei nur eine Maßnahme, das Problem müsse viel großflächiger angegangen werden. «Da muss man präventiv ansetzen.» Hertha-Manager Michael Preetz sagte: «Das wird alle in den kommenden Tagen und Wochen beschäftigen - Verbände, Vereine, Fans. So kann es absolut nicht mehr weitergehen.»

Die Berliner kündigten an, in den nächsten Tagen das Gespräch mit DFB-Präsident Reinhard Grindel und DFL-Geschäftsführer Christian Seifert zu suchen: «Zudem möchten wir darauf hinweisen, dass es sich hierbei auch um eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung handelt die nicht nur die verantwortlichen Institutionen im Fußball, sondern eben auch in der Politik vor eine Herausforderung stellt.»

Bayerns Innenminister Herrmann forderte die Vereine auf, sich deutlich von der Ultra-Szene zu distanzieren. «Das hat ja wirklich mit Fußball überhaupt nichts mehr zu tun. Und in der Tat sind da im Ultra-Bereich auch Leute, die natürlich auch Bezüge in die extremistische Szene insgesamt haben», sagte der CSU-Politiker dem Sat.1-Frühstücksfernsehen, wovon allerdings nur der zweite Satz ausgestrahlt wurde.

Der FC Hansa war gerade vom DFB-Sportgericht wegen diverser Vorfälle auf den Tribünen zu zwei Auswärtsspielen ohne Fans verurteilt worden, spielte zudem auf Bewährung. «Da gibt es 20 bis 50 Vollchaoten, die so weit denken können wie von der Tapete bis zur Wand und machen den Fußball kaputt», erklärte Marien, dessen Club nun weitere drastische Strafen - möglicherweise bis hin zum Pokalausschluss - drohen.

Für die vom Gästefan-Ausschluss betroffene Partie beim 1. FC Magdeburg hatten Hansa-Anhänger bereits angekündigt, die Strafe zu umgehen. Die Fanszene Rostock hatte in einem Brief mitgeteilt, dass die eigentlich für das Spiel am 9. September ausgeschlossenen Anhänger an fast 1000 Eintrittskarten gekommen seien. «Wir haben das zur Kenntnis genommen und prüfen das», sagte FCM-Pressesprecher Norman Seidler. Die Fans sprechen von einer «Bestrafungsspirale des DFB», welche vom Verband weiter manifestiert werde. Bundesweit wird der DFB derzeit von Fans wegen harter Strafen und zunehmender Kommerzialisierung kritisiert.



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