So., 04.02.2018

Fußball: Bundesliga Mehr Schein als Sein bei der Schalker Niederlage gegen Werder Bremen

Frust und Ratlosigkeit waren die Begleiter der Knappen-Elf am Samstag im eigenen Stadion. Trotz einer 1:0-Führung stand der FC Schalke gegen Werder Bremen am Ende mit leeren Händen da.

Frust und Ratlosigkeit waren die Begleiter der Knappen-Elf am Samstag im eigenen Stadion. Trotz einer 1:0-Führung stand der FC Schalke gegen Werder Bremen am Ende mit leeren Händen da. Foto: dpa

Gelsenkirchen - 

Schalke 04 hat im Rennen um die Rückkehr in die Champions League erneut wichtige Punkte liegen gelassen, Werder Bremen im Kampf gegen den Abstieg ein Lebenszeichen gesendet. Die Königsblauen verloren gegen die Hanseaten trotz Führung 1:2.

Von Jürgen Beckgerd

Der Schein trügt und, schlimmer noch: es ist der Schein mehr als das Sein auf Schalke. Da standen sie nun wie bedröppelt auf dem Platz und alle fragten sich: wie konnte das passieren? 1:2 (1:0) gegen Werder Bremen, Rückfall ins Tabellenmittelfeld und in alte Muster. Da führten die Schalker vor 62 271 Zuschauern nach einem glücklichen Treffer von Yevhen Konoplyanka (24.) mit 1:0 in der langweiligen und chancenarmen ersten Halbzeit – Bremens Keeper Jiri Pavlenka ließ den Ball durch die Finger ins Tor gleiten und entschuldigte sich später bei seinem Team für diesen Fauxpas. Und beinahe hatte man den Eindruck, auch die Schalker wollten sich für diesen blutleeren Auftritt entschuldigen. Der durchaus drangvolle Beginn des zweiten Durchgangs ließ darauf schließen. Aber: Wieder – wie schon bei den Unentschieden daheim gegen Wolfsburg, Köln und Hannover – zeigte der zwischendurch hoch gehandelte S 04 deutliche Schwächen. Bremen bestimmte die Fallhöhe der Knappen. Die ist beträchtlich, weil Bremen die Unzulänglichkeiten der „Knappen“ klar aufzeigte.

Also warum? Sie hatten es selbst vermasselt. Schalke nutzte die durchaus vorhandenen Möglichkeiten nicht konsequent, wollte später, als Verteidiger Matija Nastasic schon mit Gelb-Rot (78.) vom Platz geflogen war, zu viel, war hinten zu unstrukturiert und fehlerbehaftet. Torhüter Ralf Fährmann patzte bei einem Freistoß von Bremens Ludwig Augustinsson, dass Max Kruse zum Ausgleich (79.) einschieben konnte. Marko Pjacas Pfostentreffer (84.) war einer zum Durch-, aber nicht zum Aufatmen. Nichts Zählbares.

Und als Bremen mehr wollte, war es wieder diese Verteidigungs-Lethargie, die das Warum beantwortete und den Schein offenbarte: Beim 1:2 durch Zlatko Junusovic (90.) war die Defensive außer Bilde – inklusive Fährmann, der beim Foul an Maximilian Eggestein sogar noch Glück hatte, dass der Bremer Joker den Ball ins Tor bugsierte. Elfmeter und Rot gegen den Keeper hätte Schiedsrichter Guido Winkmann ansonsten gegeben, sagte der Kerkener anschließend zu Eggestein. Tor geht vor: So bleibt Fährman ungesperrt und für das kommende Spiel bei Bayern München im Kasten.

Bremens Trainer Florian Kohlfeldt freute sich: „Wir hätten auch das 0:2 oder gar 0:3 kassieren können, dennoch war das ein guter Auftritt von uns.“ Werder hat den Relegationsplatz durch den starken Auftritt erst einmal verlassen – zum ersten mal seit dem ersten Spieltag. Kompliment.

Das hatten sich die Gastgeber nicht verdient. Stabilität? Davon sind die Schalker weit entfernt. Von der Einsicht darin indes nicht. „In der Hinrunde hatten wir nicht nur Glück, heute hatten wir nicht nur Pech. Die erste Halbzeit war nicht gut“, war Trainer Domenico Tedesco einsichtig. Aber, und auch das spiegelt das Schalker Sein wider: „Diese Niederlage gibt uns keinen Knick, weil wir uns nicht nur an den Ergebnissen orientieren. Wir sind enttäuscht, aber das gehört dazu.“ Wer indes die internationalen Plätze anpeilt, sollte die Anzahl der Enttäuschungen nicht überstrapazieren und das Sein über den Schein stellen.



http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5485590?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686137%2F2686217%2F2820517%2F