Mi., 23.03.2016

Sport allgemein Verschmelzungsprozess: Sporthelferausbildung in der Schule

Das Augustinianum ist eine von drei Schulen in Greven, die sich an der Sporthelfer-Ausbildung beteiligen. 18 Schüler nehmen derzeit daran teil.

Das Augustinianum ist eine von drei Schulen in Greven, die sich an der Sporthelfer-Ausbildung beteiligen. 18 Schüler nehmen derzeit daran teil. Foto: th

Greven - 

Offene Ganztagsgrundschule, verkürztes Abitur und der Vormarsch der Ganztagsschulen haben die Grenzen zwischen Schule und Freizeit außer Kraft gesetzt. Diese Entwicklung stellt all diejenigen vor neue Herausforderungen, die Kinder und Jugendliche auch weiterhin außerhalb des Schulalltages erreichen wollen. Dafür suchen sie zunächst den Weg in die Schule. Ein Ortsbesuch zeigt, wie es funktionieren kann.

Von Sven Thiele

Auf der einen Seite der Vormittag mit Deutsch, Mathe und Englisch, auf der anderen Seite der Nachmittag mit Fußball, Reiten und Musikunterricht. Das war einmal. Schule und Freizeit. Das waren noch vor wenigen Jahren voneinander getrennte Lebenswelten.

Moritz König besucht die achte Klasse am Augustinianum. In der Freizeit spielt er Handball bei den Handballfreunden. Sich für andere zu engagieren, kann sich der 14-Jährige gut vorstellen. Deshalb nimmt er gemeinsam mit 17 anderen Acht- und Neuntklässlern an der Sporthelferausbildung seiner Schule teil. Vier Tage verbringen er und seine Mitschüler im Sport- und Tagungszentrum Hachen. Hier im Sauerland sollen  die  Grundlagen für ein späteres Engagement im Verein gelegt werden. Es geht um die Frage, wie Gruppenstunden methodisch aufgebaut sind, welche Wirkung der künftige Sporthelfer auf seine Gruppe erzielt und wie man Spiele variieren kann. Auch Sicherheitsfragen sind ein Thema. Ebenso wie Erste Hilfe. Zudem erhalten die Jugendlichen ein Repertoire an möglichen Spielen.

Vier Tage im Ausbildungszentrum Hachen

Die Sporthelfer-Ausbildung gehört in vielen weiterführenden Schulen mittlerweile um festen Programm. Alleine im Kreis Steinfurt dürfen sich 30 Schulen „Sporthelfer-Schulen“ nennen. In Greven sind es das Gymnasium, die Anne-Frank-Schule und die Gesamtschule. Sie bilden regelmäßig Jugendliche im Alter von 13 bis 17 für künftige Tätigkeiten in der Schule oder im Verein aus.

Das Modell soll dazu beitragen, Angebote von Vereinen und Schule besser miteinander zu verknüpfen und die Gewinnung junger Engagierter als gemeinsame Aufgabe zu verstehen. Alleine in diesem Jahr finden kreisweit rund 25 Ausbildungen statt mit knapp 400 angehenden Sporthelfern. Landesweit sind es bis zu 7000 Jugendliche, die pro Jahr die vom Landessportbund koordinierte Sporthelfer-Ausbildung durchlaufen. Und die sich im Pausensport der Schulen ebenso aktiv einbringen können wie in der Vereinsarbeit, die händeringend nach Nachwuchskräften sucht.

Gewinnung junger Engagierter als gemeinsame Aufgabe

Doch genau bei diesem Punkt hakt das vielversprechende Modell noch. „Das Hauptproblem ist es, den Weg in die Vereine zu finden“, meint Uli Fischer und verweist auf die verhältnismäßig geringen Zahlen späterer Helfer außerhalb von Schule. „Die Idee der Ausbildung ist es, den Einstieg in das Qualifizierungssystem des Sports zu schaffen“, erklärt der geschäftsführende Vorsitzende des KSB Steinfurt. „Und den Weg in den Verein zu zeigen.“ Doch in diesem Punkt läuft es in der Regeln dann nicht rund, wenn Vereine nicht unmittelbar an der Ausbildung beteiligt sind. „Es fehlen dann die direkten Ansprechpartner“, erklärt Fischer, der sich eine engere Verzahnung wünscht.

Direkte Ansprechpartner fehlen

Doch es gibt auch die Beispiele, wo die Übergänge funktionieren. Die Ausbildung am Grevener Gymnasium gehört dazu. Dort bilden der KSB, die Schule und die Abenteuerkiste pro Jahr 18 Gruppenhelfer aus. Mit dabei ist neben Lehrer Jannis Abel und Laura Averbeck. Sie ist die direkte Ansprechpartnerin für die potentiellen neuen Teamer der Abenteuerkiste, von denen viele später in der Ferienkiste zum Einsatz kommen. „Wenn die Jugendlichen nach der Ausbildung zu einer Teamsitzung kommen, sehen sie bekannte Gesichter“, erklärt die Sozialpädagogin, warum verhältnismäßig viele Jugendliche den Weg in den Verein finden. „Man muss die Schüler zunächst an die Hand nehmen“, betont sie.

Kooperation von KSB, Schule und Abenteuerkiste

Als „gutes Modell“ bezeichnet KSB-Vorstand Uli Fischer auch den Ansatz des TV Emsdetten, der sportartspezifische Ausbildungen an seinen Partnerschulen organisiert und die angehenden Sporthelfer in seinem Verein hospitieren lässt. Dadurch gewinnt der Verein direkt neue und zudem qualifizierte Jungtrainer.

In der Schule selbst scheint das System ohnehin gut zu funktionieren. Sporthelfer organisieren Arbeitsgemeinschaften, Pausensport und Sportfeste.  „Bestimmte Veranstaltungen werden dadurch erst möglich“, hebt Jannis Abel die Bedeutung der Ausbildung für das Grevener Gymnasium hervor und betont: „Die Sporthelfer sind für uns als Schule ein großer Gewinn.“

Diese Meinung vertritt Fischer aus Sicht des Vereinssports im Grunde auch: „Die Chancen sind enorm“, ist er sich sicher, dass auf diesem Weg Vereine und Schulen näher zusammen kommen.

 



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