Fr., 25.03.2016

Handball: Kreisliga „Willkommen in der Emshölle“: HF-Fanclub heizt den Gegnern ihres Kreisliga-Teams ein

Mit Trommeln und Fangesängen feuern die Handballfreunde-Einheizer das Kreisliga-Team bei seinen Heimspielen an – darunter auch Simon Eiterig (unten, 2.v.l.) und Samuel Schürhoff (oben, 4.v.l.).

Mit Trommeln und Fangesängen feuern die Handballfreunde-Einheizer das Kreisliga-Team bei seinen Heimspielen an – darunter auch Simon Eiterig (unten, 2.v.l.) und Samuel Schürhoff (oben, 4.v.l.). Foto: Heidrun Riese

Greven - 

„Willkommen in der Emshölle“ heißt es, wenn die Kreisliga-Männer der Handballfreunde Reckenfeld/Greven 05 ihre Heimspiele austragen. Was ein bisschen nach Horrorshow klingt, hat aber einen ganz harmlosen Hintergrund: Es handelt sich um den Slogan der Einheizer, die das Team um Trainer Rainer Nowack regelmäßig anfeuern. Wenn der Fanclub seine Trommeln auspackt und Jubelgesänge anstimmt, dann brennt die Emssporthalle – im übertragenen Sinn, versteht sich.

Von Heidrun Riese

Hier schließt sich der Kreis zum Spruch auf den T-Shirts, die außerdem mit einem Handball samt lodernder Flammen und grinsender Teufelsfratze verziert sind. Das Logo verdeutlicht, was alle zwei Wochen auf der Tribüne zu beobachten ist: Hier ist ganz viel Herzblut mit im Spiel.

Parallele Entwicklungen

Dass eine Kreisliga-Mannschaft einen eigenen Fanclub hat, ist eher ungewöhnlich. Bei den 05ern, so scheint es, führte aber praktisch kein Weg daran vorbei. Als Jugendtrainer gehört Simon Eiterig zu den Einheizern der ersten Stunde und spricht von mehreren parallelen Entwicklungen, aus denen heraus sich die offene Gruppe bildete. „Wir haben bei den Jungs vermehrt dafür geworben, die Heimspiele der ersten Herrenmannschaft zu besuchen“, erinnert sich der C-Jugend-Coach an die ersten Schritte während der Saison 2014/2015. Einige seiner Schützlinge und mehrere B-Jugend-Spieler verabredeten sich daraufhin bereits regelmäßig zu den Kreisliga-Partien. Ursprünglich als Ergebnis-Ticker war eine WhatsApp-Gruppe der dritten Mannschaft gedacht, zu der Eiterig als Spieler gehört. „Dort hat man sich dann auch darüber abgestimmt, wer zu den Begegnungen der Ersten in die Emssporthalle kommt.“ Auf den dritten Punkt ist der engagierte 05er besonders stolz: „In Greven hat sich herumgesprochen, dass man bei den Handballfreunden attraktiven Handball zum Nulltarif bekommt, also ohne Eintritt zahlen zu müssen. Dadurch sind stetig mehr Zuschauer zu den Heimspielen gekommen.“

Ihr Stammplatz: Oben links auf der Tribüne

Oben links auf der Tribüne hat es sich die Gruppe von Jugendspielern bequem gemacht. „Die Jungs kamen irgendwann mit der Idee auf mich zu, ein Plakat zu bemalen oder T-Shirts bedrucken zu lassen“, berichtet Eiterig. „An dieser Stelle habe ich mich dann verstärkt für die Sache eingesetzt, weil ich dort einfach Potenzial für eine wunderbare Gemeinschaftsaktion erkannt habe, an der Erwachsene, Jugendliche und Kinder gleichermaßen teilhaben können.“

Der erste Schritt war, einen geeigneten Namen zu finden. Anfangs hatte sich die Gruppe scherzhaft Handballfreunde-Ultras genannt. Da der Begriff „Ultras“ und die damit einhergehende Subkultur fest mit der Fußball-Fanszene verbunden ist, entschied man sich letztlich für Handballfreunde-Einheizer Im zweiten Schritt ging es darum, ein Konzept zu erstellen. „Denn eins war klar“, betont Eiterig. „Die ganze Sache kann nur mit der vollen Unterstützung des Vereins funktionieren.“ Mit den gesammelten Ideen ging er dann in die Vorstandssitzung und erhielt durchweg positives Feedback. Das war die offizielle Geburtsstunde der Einheizer, die im Februar ihre T-Shirts erhielten und damit bei den HF-Heimspielen nicht mehr zu übersehen sind.

Durchweg positives Feedback

Und zu überhören sowieso nicht. Da wird getrommelt, da wird gerufen. Ob „Haaaaaandballfreunde“ oder „Hey, Cello, hey“, wenn Marcel Peters gerade einen Ball im gegnerischen Netz versenkt hat. Mittendrin sitzt Samuel Schürhoff, inzwischen in der B-Jugend, der die Entstehung der Einheizer als C-Jugendlicher miterlebt hat. „Das war eine Idee der ganzen Mannschaft“, blickt er zurück. „Wir haben uns damals einfach gut verstanden und in der Kabine schon immer gesungen.“ Dann, vor etwas mehr als einem Jahr, kam das Spiel der ersten Mannschaft gegen Ladbergen. „Da haben wir das erste Mal auf der Tribüne getrommelt.“

Stimmung kommt auch auf dem Spielfeld an

Dass die Einheizer das Nowack-Team anfeuern, gehört mittlerweile einfach dazu und macht einen großen Teil der ausgelassenen Stimmung in der „Emshölle“ aus. „Uns geht es um positive und faire Anfeuerung“, betont Eiterig. Die kommt auch auf dem Spielfeld an.

„Die Mannschaft kommt anschließend immer zum Abklatschen auf die Tribüne“, freut sich Schürhoff. Und damit nicht genug der Dankbarkeit: Zum Saisonabschluss des Nachwuchses wurden die Rollen getauscht. „Da haben sich die Herren revanchiert, indem sie uns angefeuert haben.“ Genau das ist es, was nicht nur Schürhoff so sehr bei den 05ern gefällt: „Der Verein ist wie eine Familie. Egal, in welcher Mannschaft man spielt, man gehört zur Gemeinschaft.“ Und die ist durch die Einheizer, die inzwischen auch schon zwei Auswärtsfahrten mitgemacht haben, noch größer geworden.



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