Fr., 08.12.2017

Tischtennis-Verbandsliga Augen zu und durch

Routinier im Formtief: Für Reinhard Rothe sorgte die Verbandsliga-Saison bislang für viel Frust, am erfolgreichen Abschluss der Hinrunde besaß der 61-Jährige jedoch großen Anteil.

Routinier im Formtief: Für Reinhard Rothe sorgte die Verbandsliga-Saison bislang für viel Frust, am erfolgreichen Abschluss der Hinrunde besaß der 61-Jährige jedoch großen Anteil. Foto: sba

Greven - 

Nach der Hinrunde zieht Reinhard Rothe, Routinier beim Tischtennisverbandsligisten DJK Greven, eine durchwachsene Bilanz. Sein Team überwintert auf Rang sechs, er selbst ist mit seinen Ergebnissen jedoch nicht zufrieden. Ein Gespräch über die Ursachen.

Von Sven Thiele

Lange Zeit galt er als entscheidender Garant für Punkte. Mit ihm gelangen den Tischtennisherren der DJK in den vergangenen Jahren Aufstiege von der Bezirksklasse bis in die Verbandsliga, wo das Team am vergangenen Sonntag zum Abschluss der Hinrunde ein achtbares Unentschieden gegen Tabellenführer TTC Münster feierte. Im Gespräch erklärt Reinhard Rothe, warum es trotz dieses Erfolges alleine um den Klassenerhalt geht, wieso seine Bilanz in dieser Saison negativ ausfällt und weshalb die DJK dringend Verstärkung benötigt.

Wer zum Ende der Hinrunde den bis dato ungeschlagenen Tabellenführer an den Rand einer Niederlage bringt, der muss sich um den Klassenerhalt doch keine Sorgen machen, oder?

Rothe: Die Liga ist enorm ausgeglichen. Unsere Unentschieden gegen hinter uns stehende Mannschaften wie Rheine und Hiltrup zeigen, dass drei Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz zehn kein sanftes Ruhekissen sind. Da wir leider nicht immer alle Leute an den Tisch bekommen, sind wir auch in unseren Leistungen teilweise schwankend. Das 8:8 gegen den TTC ist die eine Seite, aber ein 1:9 gegen Lüdinghausen II zeigt auch die andere Seite.

Wie ordnen Sie den sechsten Platz, auf dem Ihre Mannschaft überwintert, ein?

Rothe: Die Platzierung an sich ist positiv zu bewerten, aber der Vorsprung ist nicht allzu groß. Schon am ersten Spieltag der Rückrunde müssen wir in Bertlich antreten, die im Hinspiel stark ersatzgeschwächt waren. Wenn die ihre Stammbesetzung an den Start kriegen, sind sie ein wirklich starker Gegner und da müssen wir erstmal bestehen.

Mitentscheidend für das 8:8 gegen den TTC Münster war Ihr Sieg im letzten Einzelspiel des Tages. Was dieser Erfolg Ihr ganz persönliches Hinrunden-Highlight?

Rothe: Ich persönlich bin schon die gesamte Hinrunde nicht in der Form wie mich die Grevener seit Jahren kennen. In Normalform wäre der Einzelsieg am Sonntag eigentlich kein großes Ding gewesen, aber in der momentanen Verfassung war ich froh, der Mannschaft an der Stelle helfen zu können.

Schauen wir auf Ihre Bilanz. Sie weisen nach zehn Einsätzen sieben Siegen und neun Niederlagen auf. Enttäuscht Sie dieses Ergebnis?

Rothe: Ich bin absolut enttäuscht. Abgesehen von der Hinrunde der Vorsaison, wo ich mit einem Bandscheibenvorfall über drei Monate zu kämpfen hatte, habe ich in den Jahren, die ich für die DJK aktiv bin, immer positive, meist sogar hoch positive Bilanzen erzielt. Da sind die Niederlagen in dieser Serie gegen zum Teil deutlich schwächer einzustufende Gegner dem Selbstvertrauen überhaupt nicht zuträglich.

Sie gelten mit 61 Jahren als so etwas wie der Alterspräsident ihrer Mannschaft. Haben Sie in dieser Hinrunde häufiger ans Kürzertreten gedacht?

Rothe: Abgesehen von dem Bandscheibenvorfall hatte und habe ich keine körperlichen Probleme und bin, denke ich, für mein Alter fit. Die beruflichen und privaten Umstände aber haben sich in den letzten eineinhalb Jahren erheblich geändert und zu enormen Belastungen geführt. Diese führen zu Stresssymptomen, die leider meinen sportlichen Leistungen erheblich abträglich sind. Wenn man den Kopf nicht frei hat, kann man keine Topleistungen bringen. Deshalb habe ich öfter als einmal ans Kürzertreten gedacht, aber wenn mich meine Mannschaft braucht, bin ich da, auch wenn mir das unter den momentanen Bedingungen nicht immer Spaß und Freude macht.

Gegen das Kürzertreten spricht, dass ihre Mannschaft personell gesehen auf dünner Bereifung unterwegs ist. Könnte das noch zum Problem in der Rückrunde werden?

Rothe: Das ist ein durchgängiges Problem und deshalb stelle ich mich ja auch meinem Team, trotz meiner schlechten Verfassung, immer wieder zur Verfügung. Wirkliche Alternativen haben wir nicht. Roman Lakenbrink, unser einziges echtes Talent im Club, braucht noch etwas Zeit, den Sprung aus der Bezirksklasse in die Verbandsliga zu schaffen. Torsten Radke, der eine Alternative wäre, ist selbst durch private Verpflichtungen häufig gebunden und Milan Heidkamp ist erst ganz am Anfang, auf dem Weg zurück ins Team.

Im Gespräch waren auch Neuverpflichtungen zur Rückrunde. Warum hat es nicht geklappt?

Rothe: Es ist schwierig, während der laufenden Saison neue Spieler zu bekommen. Es gab einen verheißungsvollen Kontakt, doch der Spieler steht bei seinem jetzigen Verein im Wort, so dass ein Wechsel erst zur Saison 2018/2019 in Frage kommt. Klar ist, dass es extrem schwierig wird, die DJK auf Dauer mit einer so dünnen Personaldecke in der Verbandsliga zu halten.

Mit Milan Heidkamp ist Ihre etatmäßige Nummer zwei erst am neunten Spieltag in die Saison eingestiegen. Was erwarten Sie sich von seiner Rückkehr?

Rothe: Milan war lange weg und hat erst zwei Einsätze absolviert. Er hat einiges nachzuholen, verfügt aber über enormes Ballgefühl, so dass man davon ausgehen kann, dass er relativ schnell wieder das Verbandsliganiveau erreichen wird. Wir hoffen, dass ihm die Rückkehr zu uns wieder soviel Freude gemacht hat, dass er in der Rückrunde wieder häufiger zum Einsatz kommen kann. Das würde uns auf jeden Fall helfen.

Wenn alles nach Plan läuft, wo steht die DJK am Ende der Verbandsligasaison?

Rothe: Besser als Platz zehn. Aufgrund der Umstände ist der Klassenerhalt das einzige, aber auch realistische Ziel. Je eher wir das erreichen, umso besser.



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